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1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
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30. Asplenium rüta muräria 1 ) L. Mauerraute. Franz.: Rue ou doradille de muraille;

ital.: Ruta di muro. Taf. 5, Fig. 5.

Wegen der Aehnlichkeit der Wedel mit den Blättern der Raute (Ruta graveolens L.) und des Stand-ortes an Mauern: Mauerraute (Niederösterreich), Murächrut, Murärutä, (Schweiz: Waldstätten),Murachressig [= Mauerkresse] (Schweiz: Graubünden). Nach dem alten Namen C apillus Veneris, denim Mittelalter viele Asplenium-Arten, sowie Adiantum capillus Veneris (frz. Capillaire) führten: Chappachläre,Chappilläre (Schweiz : Appenzell). Der Farn wird von den Alpenbewohnern gegen Harnbeschwerden gebraucht:Harngras (Tirol: Lienz), Seichkräutel (Steiermark). Gegen dasVerneiden" (= beschreien, verhexen)des Viehes wird die Pflanze von den Sennen den Alpenrindern mit einigen andern Kräutern als täglicheMaul-gabe" gereicht: S to anneidkraut (= Stein-) (Niederösterreich).

3 bis 15 cm hoch. Grundachse kriechend, oberwärts mit schwarzbraunen, borsten-förmig zugespitzten Spreuhaaren besetzt. Blätter trüb dunkelgraugrün, überwinternd,dreieckig, eiförmig bis lanzettlich, 2 bis 3 fach gefiedert, derb krautartig, anfangs wie derBlattstiel zerstreut spreuhaarig, und mit fast sitzenden, blasigen Drüsen besetzt, späterbeinahe oder gänzlich kahl werdend. Fiedern jederseits 4 bis 5, länglich verkehrteiförmigoder halbmondförmig, meist einfach gefiedert, die obersten ungeteilt. Sori (Taf. 5, Fig. 5 a)auf den Fiederchen jederseits 1 bis 3, spitzwinkelig bis fast parallel zum Mittelnerven gestellt,lineal, zuletzt die ganze Unterfläche bedeckend. Sporenreife das ganze Jahr hindurch.

An Mauern, in Felsspalten, besonders in den Berggegenden recht verbreitet undhäufig. In Deutschland in Mittel- und Süddeutschland sehr verbreitet; im Norden undNordwesten dagegen zerstreut, doch auch noch auf den Nordseeinseln Texel, Amelandund Föhr. In Oesterreich und in der Schweiz allgemein verbreitet; steigt in denAlpen bis über 2000 m hinauf.

Allgemeine Verbreitung: Ganz Europa, Vorderasien bis Afghanistan undbis zum östlichen Himalaya, östliches und inneres Nordamerika.

Die Mauerraute ist wie nur wenige unserer einheimischen Pflanzen äusserst formenreich und ändertnamentlich im Grade der Teilung in der Form der Spreite und der Fiederchen bedeutend ab. Sie ist einTypus, bei welchem sich die Formenbildungen noch in völligem Flusse befinden. Auch eine Reihe vonmonströsen Formen sind bekannt. Von den bei uns zuweilen auftretenden Formen mögen die folgenden kurzgenannt werden:

var. Brunfelsii Heufl. Pflanze ziemlich klein. Blätter im Umriss kurz dreieckig, reichlich geteilt,dreifach gefiedert. Abschnitte abstehend, rautenförmig-oval, abgerundet, am Vorderrande gezähnelt.

var. Matthioli Heufl. Blätter meist nicht über 6 cm lang. Fiederchen fast ganzrandig. Abschnittestumpf, rautenförmig, so breit wie lang, fast ganzrandig.

var. microphyllum Wallr. Blattspreite klein, reichlich dreifach gefiedert. Fiederchen 2 bis 3 mmlang, sehr dünn gestielt, spatelig bis rund, scharf gekerbt. Kümmerform.

var. leptophyllum Wallr. Ziemlich gross. Blätter bis 12 cm lang. Blattspreite stark dreifachgeiiedert. Fiederchen dünn gestielt, sehr schmal-rautenförmig bis schmal-lanzettlich, spitz, wenig gekerbt,ungefähr in der Mitte am breitesten.' - Schattenpflanze.

var. elätum Läng. Blätter oft bis 25 cm lang, hellgrün. Fiederchen rhombisch bis schmal-rhombisch, einge-schnitten gezähnt, ungefähr in der Mitte am breitesten, öfter zum Teil oder selbst grösstenteils keilförmig,oben gestutzt.

var. cuneätum Christ. Fiederchen entfernt, keilförmig, am vorderen Ende mehr oder weniger abge-stutzt und mehr oder weniger gezähnelt.

var. tenuifölium Milde. Fiederchen sehr klein, schmal-keilig, an der Spitze am breitesten, gestutztoder abgerundet und kerbig gezähnt. Blätter bis 17 cm lang und 3- bis 4fach gefiedert. Sehr selten.

var. brevifölium Heufl. Blätter meist nicht über 6 cm lang, im Umriss meist kurz dreieckig.Fiederchen 1 bis 1 J / 2 mal länger als breit, oben gestutzt, kammförmig gezähnt.

var. pseudo- Germänic um Heufl. 10 bis 15 cm hoch, mit weniger zahlreichen, aber grösseren,meist zu 3 vereinigten oder einander genäherten Fiederchen mit starkem Endfiederchen. Fiederchen ver-ändert, rautenförmig mit keiliger Basis, oft lang herablaufend, tief und unregelmässig 2 bis 3 lappig. Lappenpi z gezahnt, oft mit lang herabtretenden Zähnen versehen. Luxuriante Form. Selten.

31. Asplenium adiantum nfgrum 2 ) L. Schwarzer Milzfarn. Franz.: Capillaire noire.

bis 45 cm hoch. Grundachse kriechend oder aufsteigend, meist stark verzweigt,^ai^sjnit schwarzbraunen, borstenförmig zugespitzten, meist ganzrandigen Spreuschuppen

l, a \ 1Uta ~ Raut e (Ruta graveolens), wegen der Aehnlichkeit der Wedel; murärius (von latmurus = Mauer) = an Mauern wachsend

s ) Siehe Adiantum

-apillus Veneris pag. 38.