CLVIII
laxa, Glyceria fluitans, plicata und aquatica, Bromus erectus erzeugen vivipare Formen.An Stelle der Aehrchen erscheinen beblätterte, später sich bewurzelnde Sprosse. Adventiv-knospen können unter günstigen Umständen — besonders in Gewächshäusern — auch anden Blättern (auf der Blattfläche oder am Blattrande) erzeugt werden und dann zurvegetativen Vermehrung verwendet werden. Beispiele liefern Cardamine pratensis, Bryo-phyllum calycinum (Fig. 300), die Saxifragacee Tolmiea Menziesii (Fig. 301), Pinellia tuberifera,verschiedene meist ausländische Begonien und Farne wie Asplenium bulbiferum (Fig. 302),Aspidum aculeatum, Scolopendrium rhizophyllum, Woodwardia radicans etc. Bei anderenArten gliedern sich oberirdische, wurzelnde Teile ab, deren Knöspchen zwar nicht zu Bulbillenheranwachsen, aber doch genügend Wasser und Nährstoffe enthalten, um sich erhalten zukönnen (Sedum dasyphyllum und villosum, Malaxis paludosa, Sempervivum soboliferum).
Auch künstlich kann man manche Pflanze veranlassen, sich vegetativ zu vermehren.Hierher gehört die Vermehrung durch Absenker oder Ableger, durch Stecklinge (Spross-,Wurzel- und Blattstecklinge), das Veredeln oder Impfen, Okulieren, Pfropfen etc.
Der einfachste Fall der vegetativen Vermehrung, der in der Gärtnerei häufigVerwendung findet, ist die Stockteilung. Zahlreiche buschig wachsende, rasen- undpolsterbildende Pflanzen lassen sich — sofern sie keine langen und tiefgehenden Wurzelnbesitzen — zerteilen, zerreissen oder zerschneiden. Ihre Teile können dann alseinzelne Individuen weiter behandelt werden. Auf diese Weise werden in der praktischenGärtnerei eine grosse Zahl von Farnkräutern, viele Stauden (Asparagus, Aspidistra,Veilchen), alpine Rasen- und Polsterpflanzen vermehrt. Aehnlich kann man Stamm-stücke oder fleischige Wurzeln und Rhizome zerschneiden und sie als Stecklingebehandeln (Anemone Japonica, Paeonia, Eryngium etc.). Andere Pflanzen lassensich durch Absenker oder Ableger vermehren (z. B. Vitis, Ampelopsis, Glycine, Cornus,Dianthus, Azaleen etc.) Diese erhält man dadurch, dass man ganze Zweige in denBoden einbiegt und sie bewurzeln lässt; nachher werden diese dann von der Pflanzegetrennt. Als Blattstecklinge lassen sich namentlich die Begonien, Peperomien,Bryophyllum, Othonna, Ficus elastica etc. vermehren. Verschiedene Sprossstecklingebewurzeln sich sehr schwer, wenn sie von der Mutterpflanze getrennt werden. Manwählt deshalb einen Ausweg und umwickelt diejenige Stelle, an welcher sich Wurzelnbilden sollen, mit Moos oder Erde und umgibt diese mit Stäben, einem Töpfchenoder einem Kästchen. Diese Stellen müssen natürlich stets feucht gehalten werden.Durch die gleichmässige Feuchtigkeit werden dann die Zweige zum Austreiben derWurzeln angeregt. Später schneidet man die betreffenden Zweige ab und behandeltsie wie bewurzelte Stecklinge weiter. Diese Methode wird namentlich zur Verjüngung von zu hochstämmiggewordenen Dracaenen, Gummibäumen, Philodendron-Arten etc. verwendet. Verschiedene Stecklinge schlagenbekanntlich im Wasser viel leichter Wurzeln als in der Erde oder im Sandboden. Beim sog. „Okulieren"wird dem Stamm des Wildlings, während er im vollen Safte steht, ein fremdes, sog. „Edelauge" eingesetzt.Das Auge (eine Knospe mit etwas Rindenpartie) wird durch einen mit dem sog. T-Schnitt herbeigeführtenSpalt unter die Rinde — auf die Cambiumzone — des Wildlings geschoben. In der Ziergärtnerei werden namentlichdie Rosen durch Okulieren vermehrt (doch auch viele bäum- und strauchartige Arten, wie Ahorne, Kastanien,Syringen etc.). Beim Pfropfen oder Kopulieren wird der Unterlage ein Edelreiss — beide von ziemlich gleicherStärke — aufgesetzt. Diese . Operation wird am besten im Frühjahr, im Beginne des Safttreibens, ausgeführt.Das sog. Pfropfen in den Spalt — das Edelreis wird keilförmig zugeschnitten und in den Spalt der Unterlageeingesetzt — wird namentlich bei Koniferen angewendet. Auch bei Kakteen werden in der Praxis Pfropfungen inausgedehntem Masse vorgenommen. Je nach der sexuellen Affinität (Verwandtschaft) pfropft man kleinere,schwächer wachsende Arten auf starkwüchsige Cereus-, Opuntia- und Peireskia-Arten. Bei den letzterenVermehrungsarten müssen die Cambiumzonen der beiden Teile miteinander in Berührung gebracht werden.
Fig. 303. Ranunculus ficaria.In den Blattachseln entwi-ckeln sich kleine Bulbillen.