Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
XXII
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

XXII

Temperatur von 2025°. Ueber 50° wird das^Protoplasma durch Gerinnung zerstört.Der in den Vakuolen enthaltene Zellsaft istjeine Salzlösung (Nitrate, Sulphate, Phosphate),welche sich zu verdünnen~sucht und dem umgebenden Protoplasma und der Membran Wasserentzieht. Auf diese Weise wird von Zelle zu Zelle Wasser gesogen. Die Menge des Zellsaftes ver-grössert sich hierdurch und es entsteht so ein Druck, durch welchen das Protoplasma der Zellwandangepresst und diese selbst straff gespannt wird. Aehnlich wird eine mit einerSalzlösung (Kali-nitrat - Salpeter) zur Hälfte gefüllte Schweinsblase, welche man in reines Wasser bringt,prall gespannt (Osmoseversuch). Diese Kraft (Turgor) ist es nun, welche allen jugend-lichen Pflanzenteilen ihre Festigkeit verleiht. Wir können den Druck leicht dadurch aufheben,dass wir auf die Zellen eine Salzlösung von stärkerer Konzentration wie der Zellsaft einwirken

lassen. Die stärkere Salzlösung ent-zieht dem Zellsaft im Innern Wasser,der Druck wird aufgehoben und derProtoplasmaschlauch löst sich vonder Wand los (Plasmolyse) (Fig. 9 f).Gleichzeitig wird der ganze Pflanzen-teil welk, ein Vorgang, der ja auchdann eintritt, wenn durch grosseTrockenheit der Pflanze mehr Wasserentzogen wird, als durch die Wurzel-tätigkeit aufgenommen werden kann.In chemischer Hinsicht reagiertder Zellsaft häufig stark sauer. Erenthält Säuren, wie Zitronen-, Apfel-und Oxalsäure, deren Kalksalze sichin Form von Einzelkristallen(Fig. 10 a) und Kristalldrusen(Fig. 10 b) ausscheiden. Häufig (be-sonders bei den Monokotyledonen)sind auch feine Kristallnadeln (Ra-phiden) (Fig. 10 d) oder wie bei verschiedenen Solanaceen (z. T. bei der Tollkirsche,Fig. 10 c) und bei Cinchona ausgebildet, wohl zum Schutze gegen Schneckenfrass. Oxal-säure ist ein Exkret der Pflanze, welches durch Kalk gebunden und unschädlich gemachtwird. Fast alle Kristalle bestehen aus Calciumoxalat, nur sehr selten aus kohlensaurem Kalk. Jenach dem Gehalte an Kristallwasser kristallisieren die Salze in zwei Systemen, dem quadra-tischen und dem klinorhombischen. Gipskristalle treten bei verschiedenen Algen (Des-midiaceen), Schwefelkristalle als stark lichtbrechende Körper in den Zellen verschiedenerSchizophyceen (z. B. Beggiatoa) auf, und zwar besonders dann, wenn sie in Substratenleben, die reich an organischen Substanzen sind. Ferner finden sich im Zellsafte häufigZuckerarten (Rohrzucker beim Zuckerrohr, Zuckerahorn, Runkelrübe, Traubenzucker inden Früchten der Weintraube) als Reservestoffe abgelagert. Ein eigentümliches Kohlen-hydrat findet sich bei einigen Pflanzenfamilien, besonders bei verschiedenen Compositenund Campanulaceen, das Inulin. Dasselbe ist in dem Zellsafte gelöst, scheidet sich aberauf Zusatz von Alkohol oder Glyzerin in kugeligen Knollen (sog. Sphaerokristallen) ab.(Fig. 11 d). Ausserdem finden sich in der Vakuolenflüssigkeit Gerbstoffe, Ahkaloide,Glykoside, Asparagin, die Farbstoffe der meisten blauen und roten Blüten, vieler Früchteund der rotgefärbten Blätter, sowie besonders häufig Ei weiss. Letzteres wird in Formkleinerer oder grösserer Körner (Aleuron- oder Protei'nkörner) als Reservestoff in die Zellen

Fig. 10. Formen des Oxalsäuren Kalkes, a Binzelkristall aus dem Blatteder Schwertlilie, b Kristalldruse im Blattstiel der Rosskastanie, c Kristall-sand im Blatte der Tollkirsche, d Raphiden aus den Knollen d.Knabenkrautes.