Druckschrift 
1 (1906) Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones
Entstehung
Seite
XX
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

XX

Fig. 6, Entstehung der Reservestärke in den Leucop]asten(Stärkebildner).

plasten vorhandenen, fermentartig wirkenden Körper (Diastase) in löslichen Zucker verwandeltund wegtransportiert. Da sich dieser Prozess auch in der Dunkelheit vollzieht, während dieStärkebildung nur im Lichte stattfindet, sind die Chlorophyllkörper am Morgen gewöhnlich ganzfrei von Stärke. Die Zuckerlösung selbst wandert nach dem Innern der Pflanze und wirdgewissermassen von einer Zelle zur anderen gezogen. Von den Protoplasten wird sie entwederwieder zum Aufbau neuer Zellen verarbeitet oder wenn ein Ueberschuss vorhanden, nachden Reservekammern der Pflanzen, z. B. den Knollen, gebracht. Hier setzt nun die Tätig-keit der Leucoplasten (Stärkebildner) ein. Sie haben die Fähigkeit, den Zucker in

Stärke zurückzuverwandeln. Die von ihnen ge-bildeten Stärkekörner zeichnen sich durch be-sondere Grösse und häufig durch eigentümlicheFormen aus. Wie bei den Chlorophvllkörpernentsteht auch hier die Stärke innerhalb derGrundsubstanz der Leucoplasten (Fig. 6). Istder Entstehungsort zentral gelegen, so sind dieStärkekörner kugelig, oval oder linsenförmig, liegt er aber exzentrisch, so wird das Stärke-korn von einer Seite aus gewissermassen kräftiger ernährt und erhält exzentrische Auf-lagerungen. Da die Auflagerungen bald mehr, bald weniger Wasser enthalten, macht sicheine deutliche Schichtung bemerkbar; dünnere und dichtere Schichten wechseln miteinanderab. Durch das Wachsen der Stärkekörner werden die Leucoplasten so ausgeweitet, dasssie nur als ganz dünne, kaum wahrnehmbare Häute das Stärkekorn umziehen und oftnur durch besondere Reagenzien sichtbar gemacht werden können. Die durch dieTätigkeit der Leucoplasten entstandene Stärke wird als Reservestärke bezeichnet. DieKörner zeichnen sich oft durch bedeutende Grösse (Kartoffelstärke) und eigentümlicheGestalt aus (Fig. 7). Als zusammengesetzte Stärkekörner bezeichnet man solche, bei deneneine Anzahl polyedrischer Teilkörner zusammen ein abgerundetes Ganzes bilden, z. B. dieStärke des Hafers (Fig. 7 f). Bei den halbzusammengesetzten Stärkekörnern werden mehrereSchichtenkerne noch von einigen gemeinsamen Schichten umgeben. Vorübergehend wirddurch die Leucoplasten Stärke auch in der Sprossachse abgelagert. Diese wird aber indem Masse wie sie zum Aufbaue von neuen Zellen verbraucht wird, wiederum gelöst.Diese Stärke, deren Körner die Grösse der Reservestärke nicht erreichen, nennt man transi-torische Stärke. In chemischer Hinsicht ist die Stärke ein Kohlenhydrat. Sie bestehtaus dem Kohlenstoff (C = Carboneum) und den Elementen des Wassers, Wasserstoff(H = Hydrogenium) und Sauerstoff (O = Oxygenium), in dem durch die Formel Ce Hio Osausgedrückten Mengenverhältnis. Bei Zusatz von Kalilauge oder in heissem Wasser(6070° C) quellen die Körner auf und bilden eine unförmige, schleimige Masse, Kleister

Fig. 7. Stärkeformen, a Kartoffel, b Hülsenfrüchtler, c Weizen, d Mais, e Wolfsmilch. / Hafer.