XVIII
verrichtet jeder Protoplast des Pflanzenkörpers in einem besonderen Kämmerchen seineArbeit. Ein Durchschnitt durch einen Pflanzenstengel hat grosse Aehnlichkeit mit demBilde einer Bienenwabe. (Fig. 2 b.)
Wie an der Bienenwabe, so sehen wir auf einem solchen Querschnitt viele kleine, dichtaneinandergefügte Kämmerchen, Zellen (cellulae) genannt. Da man früher den Inhaltdieser Zellen meist übersah und für nicht wesentlich hielt, nannte man eben jede solcheKammer „ Zelle" und übertrug diesen Namen auch auf den Pro toplasten, nachdem Hugovon Mohl denselben als den wesentlichsten Teil, als den Träger des Lebens, erkannt hatte.
Betrachten wir nun Schnitte aus jüngeren und älteren Pflanzenteilen, so können wirmancherlei Verschiedenheiten feststellen.
In jugendlichen Teilen erfüllt der Protoplasmaleib .., ,: : i
den ganzen Innenraum der Zellwand. An der Peripherieist der Protoplasmaleib gleichmässig durchsichtig (Hyalo-plasma) ; dann folgt eine Schicht, die feine Körnchen (Mikro-somen) enthält. Im Innern sehen wir hellglänzend den Zell-kern mit den Kernkörperchen liegen. Hier sei gleich be-merkt, dass die einzelnen Protoplasten nicht etwa durchdie Zellwand voneinander isoliert sind, sondern miteinanderdurch feinste Kanälchen, die auch mit den besten Instru-menten nur nach vorhergehender besonderer Präparierungsichtbar gemacht werden können, in Verbindung stehen.Diese feinsten Plasmafortsätze heissen „Plasmodesmen''.(Fig. 3.) Auf dieser innigen Verbindung der einzelnen
Protoplasten beruht auch die Uebertragung von Reizen auf grosse Strecken im Pflanzen-körper. — Flaben wir besonderes Glück, so können wir auch beobachten, wie die Zellen sichvermehren. Eine solche Vermehrung geht immer vom Zellkern aus, der dabei seine feineinnere Struktur offenbart. Der Kern, der sich sehr scharf gegen das Protoplasma abgrenzt(Fig. 4 a), verliert die feste Umgrenzung; die Kernkörperchen lösen sich auf und es wirdein langer gewundener Faden sichtbar, der durch Anschwellen einzelner Stücke in eine fürjede Pflanzenart bestimmte Anzahl (8, 12 und mehr) von Teilstücken (Chromosomen)zerfällt (Fig. 4 b), die sich hufeisenförmig zusammenbiegen. Gleichzeitig strahlen
von zwei Punkten (den Kern-
Fig: 3. a Ein Stück Zellmembran ausdem Gewebe von Viscurn album. b Zell-wände aus den Rindenzellen eines Moos-stämmchens (Hylocomium splendens). NachKienitz-Gerloff.
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Fi£. 4. Indirekte Kernteilung (Karyokinese oder Mitose).
polen) feine Verdichtungen derKernmasse aus, Spinde lfaserngenannt (Fig. 4 c). Diesen ent-lang wandern die Teilstückedes Kernfadens zur Aequatorial-zone des Kerns. Sie teilen sichdort ihrer ganzen Länge nach(Fig. 4 d) und wandern hieraufden Spindelfasern entlang zu denKernpolen zurück, wo sie sichzu je einem neuen Kern ver-einigen (Fig. 4 e,f,g). Zu gleicherZeit bildet sich dann zwischenden beiden Tochterkernen in derAequatorialzone die neue Zell-membran aus (Fig. 4 h). Ausser
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