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2 (1912) Organischer Teil
Entstehung
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220
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2-10

Allylsenföl.

Allylsenföl, CH 2 :CH-CH,-NCS, Allylester der Isothiocy an-säure, ist das wichtigste der Senföle. Es bildet den Hauptbestand-teil des aus den Samen von Brassica nigra gewonnenen ätherischenÖls. Auch im Meerrettigöl (von Cochlearia armoracia) ist es enthalten.

Das Senföl wird zwar durch einfache Destillation mit Wasser-dampf aus dem entfetteten Senfsamen gewonnen, doch ist es nichtin freiem Zustande darin enthalten, sondern in Form eines Glu-cosids, d. h. einer Verbindung mit Traubenzucker, die bei Gegen-wart von Wasser unter dem Einfluß gewisser Fermente in ihreKomponenten zerfällt. Dieses Glucosid ist das myronsaure Kalium,CioH ls NS 2 0 10 K. Gleichzeitig enthält der Senfsamen ein 'angeformtesFerment oder Enzym, das Myrosin, das unter der Einwirkungvon Wasser den Zerfall des myronsauren Kaliums in Senföl, Trauben-zucker und Kaliumbisulfat herbeiführt:

C 10 H 18 NS 2 O 10 K = C 3 H 5 -NCS + C 6 H 12 0 6 + KHSO d .

Zur Darstellung des Senföls wird der grob gepulverte schwarze Senfsamendurch kaltes Pressen vom fetten Öl befreit, die Preßkuchen werden gepulvert und mitder 4—5fachen Menge kaltein Wasser zum Brei angerührt. Hierbei vollzieht sichdie Zerlegung des Glucosids. Nach einiger Zeit wird destilliert, am besten unterHineinleiten von Wasserdampf. Kupferne Destillierblasen sind zu vermeiden, da siezur Bildung von Schwefelkupfer Veranlassung geben. Das öl wird vom wässerigenDestillat abgehoben, mit Chlorcalcium getrocknet und destilliert.

Die Darstellung von synthetischem Senföl geschieht auf Grund deroben angegebenen Reaktionen. Man unterwirft ein Gemisch von Rhodankalium undAllyljodid mit etwas Alkohol oder ein Gemisch von Rhodankalium mit allylschwefel-saurem Kalium der Destillation, wobei das zunächst gebildete Rhodanallyl durchümlagcrung in Allylsenföl übergeht:

C 3 H 5 J+ K-S-C IN

aH,.N:C:S+ K,J

C 3 H 5 KS0 4 + K • S • C I N = C 3 H, • N : C : S + K 2 S0 4

Eigenschaften. Das Allylsenföl ist eine farblose oder schwachgelbe, stark lichtbrechende Flüssigkeit von sehr stechendem, reizendemGeruch. Auf die Haut wirkt es heftig brennend und blasenziehend.Es ist in Wasser sehr wenig, aber in jedem Verhältnis in Alkohol,Äther, Chloroform und Schwefelkohlenstoff löslich. Die ganz reine,synthetisch dargestellte Verbindung siedet bei 150° und hat bei 15°das spezifische Gewicht 1,020, das aus Senfsamen gewonnene siedetbei 148—152° und hat das spezifische Gewicht 1,018—1,025. Unterdem Einfluß von Luft und Licht färbt es sich allmählich dunkler.Mischt man es nach und nach unter guter Abkühlung mit dem doppeltenVolumen konzentrierter Schwefelsäure, so tritt beim Umschütteln heftigeGasentwicklung ein. Es entweicht hierbei Kohlenoxysulfid:

C,H, • NCS + H,0

C 3 H 5 -NH, + OCS.

Es hinterbleibt eine gelbe, klare Flüssigkeit, aus der sich das Allyl-aminsulfat allmählich kristallinisch abscheidet. Ammoniak wirkt aufSenföl unter Bildung von Allylthioharnstoff oder Thiosinaminein, das sich in farblosen Kristallen abscheidet (S. 219):

/NH 2

SCN-CTL-I-NH, = SC<

Thiosinamin.