Allylsenföl.
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Das Senföl kommt wegen seiner überaus starken Wirkung niemalsallein zur Anwendung, sondern als Senfspiritus, Senfteig oder Senf-papier. Es verursacht, wie andere lokal entzündungserregende Mittel,eine starke Blutanfüllung der Gewebe. Schmerzen in tiefer gelegenenTeilen können hierdurch gelindert werden, denn durch Reizung einessensiblen Gebiets werden Schmerzen in einem andern Gebiet unter-drückt. Außerdem ist die Blutanhäufung (Hyperämie) in einem Organan und für sich häufig ein Heilmittel von großer Bedeutung.
Gehaltsbestimmung. Das deutsche Arzneibuch schreibt heute das syn-thetische Präparat mit einem Gehalt von wenigstens 97% Allylsenföl vor. DessenQuantitative Bestimmung beruht auf der oben angegebenen Reaktion mit Ammoniakunter Bildung von Thiosinamin. Wirkt Silbernitrat auf das Thiosinamin ein, so wirdihm unter Bildung von Allyldyanamid Schwefelwasserstoff entzogen, so daß einschwarzer Niederschlag von Silbersulfid entsteht:
SC< NHa + 2 AgNO a
Thiosinamin.
;N
Cr"' + Ag,S + 2 HNO,
\NH-C 3 H 5
Allylcyanamid.
Aus der hierzu erforderlichen Menge Silbernilrat läßt sich die Menge des Senfölsberechnen. Zur Ausführung der Bestimmung gibt man in einen Meßkolben von 100 cemInhalt 5 cem einer Lösung von 1 g Senföl in 49 g Weingeist und mischt sie:mit10 cem lOprozentiger Ammoniaklösung und 50 cem Vio-Normal-Silbernitratlösung.Die Mischung wird eine Stunde im Wasserbade erhitzt, wobei man zweckmäßig einenKleinen Trichter auf den Kolbenhals setzt, um das Zurücktropfen der verdampfendenFlüssigkeit zu bewirken. Nach dem Abkühlen wird mit Wasser auf 100 cem auf-gefüllt und vom ausgefallenen Silbersulfid abfiltriert. Im Filtrat bestimmt man das" u Oberschuß zugesetzte Silber durcli Titration mit Rhodanammonium (Bd. I, 449).Man gibt zu diesem Zweck zu 50 cem des Filtrats 6 cem 25prozentige SalpetersäureUn d als Indikator 2 cem einer gesättigten Ferriammoniumsulfatlösung und titriertm 't 1 / 10 -Normal-Ammomumrhodanidlösung bis zur beginnenden Rotfärbung. Hierzu»ollen höchstens 16,8 cem erforderlich sein, was einem Mindestgehalt von 97°, 0Allylsenföl entspricht, wie sich aus folgender Überlegung ergibt: Aus obigerGleichung geht hervor, daß 1 Mol Senföl 2 Molen Silbernitrat entspricht, und da dasMolekulargewichts des Allylsenföls 99,12 beträgt, so entspricht 1 Liter i/jQ-Normal-a j^Hösung V20 Mol oder 4,956 g Allylsenföl, oder 1 cem der Silberlösung entspricht
1 / 10 -NormabAmmoniumrhodanidlösung zur
U.0049o6 g Allylsenföl. Werden 1G,8
'Iration des nicht in Reaktion getretenen Silbers verbraucht, so sind, (da nur dieHälfte der Flüssigkeit zur Titration benutzt wurde) 25—16,8 = 8,2 cem, und für dasGesamtvolumen 8,2 • 2 = 1.6,4 cem der Silberlösung zur Umsetzung mit dem Senfölverbraucht worden. Diese entsprechen 0,004956. 16,4 = 0,08128 g Senföl. Um hierausden Prozentgehalt des untersuchten Oleum Sinapis zu berechnen, ist das spezifische«ewicht der zweiprozentigen, zur Untersuchung benutzten Lösung zu berücksichtigen,dieses beträgt 0,835, die angewandten 5 cem enthielten also 0,0835 g Oleum Sinapis;Jue durch Titration gefundenen 0,08128 g entsprechen also einem Gehalt von rundj' /o Alyllsenföl. Bei Anwendung eines lOOprozenligen Senföls werden nur 16,6 cemc,e r Ammoniumrhodanidlösung verbraucht, eine Differenz von 0,1 cem entsprichta| so schon mehr als einem Prozent. Um festzustellen, ob es sich wirklich um Allyl-senföl handelt, kann man den Schmelzpunkt des Thiosinamins bestimmen, der
)ei 740 H e gt. Zu diesem Zweck erhitzt man 50 cem der 2prozentigen alkoholischenLösung des Senföls mit 5 cem Ammoniak mehrere Stunden auf dem Wasserbade am
_ l uckflußkühler, verdampft dann zur Trockne und kristallisiert das Thiosinamin ausAlkohol um.
... Nach demselben titrimetrischen Verfahren, wie im Oleum Sinapis, läßt sich Jas- tyisenföl auch im Senfspiritus, im Senfsamen und im Senfpapier bestimmen.
eim Senfspiritus, der die oben schon angewandte 2prozentige weingeistigel'^ 1 ' 11 ? des Senföls darstellt, verfährt man genau wie dort angegeben. Zur Bestimmung
es Senföla im Senfsamen (Semen Sinapis, schwarzer Senf) werden 5 g des gepulverten' amens in einem Kolben mit 100 cem Wasser von 20—25° Übergossen. Der ver-messene Kolben bleibt unter wiederholtem Umschwenken 2 Stunden stehen. Währendaieser Zeit vollzieht sich die Senfölbildung (S. 220). Dann gibt man 20 cem Wein-geist und zur Verhinderung des Schäumens der siedenden Flüssigkeit 2 cem Olivenöl
mzu und destilliert unter Anwendung eines Kühlers 40—50 cem in einen Meßkolben