Print 
2 (1912) Organischer Teil
Place and Date of Creation
Page
47
URN (Page)
  
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

Jodoform, Tetrachlorkohlenstoff.

47

Könnte aut Kohlenstofftetrabromid, CBr 4 , hindeuten. Es muß frei sein von erstickendemGeruch, der von Bromkohlenoxyd (COBr 2 ) und Bromwasserstoff herrühren könnte. Dieweitere Prüfung entspricht der des Chloroforms, nur wird die Dauer der Schwefel-säureprobe hier auf zehn Minuten beschränkt, da bei längerer Einwirkung auchreines Bromoform Zersetzung erleidet.

Jodoform, CHJ 3 , Trijodmethan, bildet sich bei der Einwirkungv on Jod auf Alkohol, Aceton, Aldehyd und viele andere Verbindungenmit der Atomgruppe CH 3 — CO — bei Gegenwart von Alkalien. EsKristallisiert in gelben, hexagonalen Tafeln und besitzt einen eigen-artigen, an Safran erinnernden, intensiven Geruch. Bei 120° schmilzt es,'st für sich allein nicht destillierbar, verdampft aber trotzdem schon beigewöhnlicher Temperatur und verflüchtet sich leicht mit Wasser-dämpfen. In Wasser ist es fast unlöslich, hingegen löst es sich in70 T. kaltem und in 10 T. siedendem offizinellem Weingeist, in 25 T.absolutem Alkohol, in 10 T. Äther, leicht in Chloroform und Schwefel-kohlenstoff. Auch von fetten Ölen wird es gelöst. Gegen das Licht istes, namentlich in Lösung und bei gleichzeitiger Einwirkung von Luft,empfindlich, es färbt sich dann infolge von Jodausscheidung braun.

Das Jodoform dient als kräftiges Antisepticum bei der Wund-behandlung. Zwar übt es an und für sich keine keimtötende Wirkungaus, tut dies aber in Berührung mit dem lebenden Gewebe, was mandarauf zurückführt, daß es hier durch Fettstoffe gelöst und in dieserLösung leicht zersetzt wird, und daß dem Jod, das sich hierbei ab-spaltet, die antiseptische Wirkung zukommt. Aus demselben Grundevermag es üble Gerüche zu beseitigen. Von den Wundflächen wirdes in kleiner Menge resorbiert, es läßt sich dann im Harn Jodalkaiinachweisen; bei zu reichlicher Anwendung wirkt es giftig. Um denGeruch des Jodoforms abzuschwächen, mischt man es zuweilen mitsehr geringen Mengen Kumarin oder manchen ätherischen Ölen, wieLavendelöl, doch wird der Jodoformgeruch dadurch niemals ganzunterdrückt.

Darstellung. Die ältere Methode der Jodoformgewinnung, die sich auchz ur Darstellung in kleinerem Maßstabe eignet, beruht darauf, daß man Jod all-mählich zu einer, gelinde erwärmten, Lösung von Soda in verdünntem Alkohol gibt.2 T, kristallisierte Soda werden in 10 T. Wasser gelöst, 1 T. Weingeist hinzuge-legt, und in die auf 60—70° erwärmte Lösung wird allmählich 1 T. zerriebenesJod eingetragen. Das Jod wird entfärbt, und es beginnt langsam .Todoformaus-sc heidung. Nach einigen Stunden werden die Jodoformkristalle auf einem Filtergesammelt, mit Wasser gewaschen und aus Alkohol umkristallisiert.

Heule wird das meiste Jodoform fabrikmäßig auf elektrolytischem Wegegewonnen, indem man den elektrischen Strom durch eine mit Alkohol versetzteLösung von Kaliumiodid und Kaliumkarbonat gehen läßt. Das durch Elektrolysedes Kaliumjodids ausgeschiedene Jod reagiert mit Alkohol und Kaliumkarbonat, wiebei der direkten Anwendung von Jod.

Prüfung. Jodoform muß rein gelb sein. Eine Braunfärbung beruht auf Jod-ausscheidung. Schüttelt man Jodoform mit der zehnfachen Menge Wasser und fil-triert, so muß das Filtrat farblos sein. Gelbfärbung könnte von wasserlöslichenVerfälschungen, wie Pikrinsäure, herrühren. Das Filtrat wird ferner mit Silber-nitrat auf Jodide und Chloride und mit Bariumnitrat auf Karbonate und Sulfategeprüft. Silbernitrat wird stets eine schwache Opalescenz hervorrufen, da Jodo-form spurenweise in Wasser übergeht und durch Silbernitrat zersetzt wird. DerGlührückstand des Jodoforms darf höchstens 0,1% betragen. Zur quantitativenBestimmung des Jodoforms in Verbandstoffen werden diese mit Ätherextrahiert, der Äther wird verdunstet, der Abdampfrückstand in Alkohol gelöst undmit alkoholischer Silbernitratlösung erwärmt. Das ausgeschiedeneSilberjodid wird gewogen.

Tetrachlorkohlenstoff, CC1 4 , Tetrachlormethan, entsteht alsEndprodukt der Chlorierung beim Einleiten von Chlor in Chloroform