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2 (1912) Organischer Teil
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Chloroform, Bromoform.

Beim Erwärmen des Chloroforms mit alkoholischer Kalilauge undAnilin (oder überhaupt einem primären Amin) macht sich der durch-dringende, widerliche Isonitrilgeruch bemerkbar (Hofmann):

C 6 H 5 -NH 2 + CHC1 3 + 3K0H = C 6 H 5 ■ NC + 3KC1 -4-3H s O

Anilin. Phenylisonitril.

Diese Reaktion dient wegen ihrer großen Empfindlichkeit zum Nach-weis des Chloroforms; doch ist hierbei zu beachten, daß einigedem Chloroform verwandte Substanzen, wie ChloraL Bromoform, Jodo-form und Kohlenstofftetrachlorid, ebenfalls zur Isonitrilbildung führen.

Mit Ammoniak und alkoholischem Kali bildet das Chloroform schonbei mäßigem Erwärmen Blausäure, bzw. Kaliumcyanid:

CHCl 3 -f NH 3 -f 4KOH = KCN + 3KC1 + 4H 2 0.Das hierbei entstehende Cyan kann durch Überführung in Berlinerblauleicht erkannt werden.

Durch Einleiten von Chlor wird das Chloroform in Tetrachlorkohlen-stoff, CCl if übergeführt. Beim Behandeln des Chloroforms mit konzen-trierter Salpetersäure entsteht Chlorpikrin, CC1 3 N0 2 .

Zum Nachweis des Chloroforms in toxikologischen Fällen wird dasUntersuchungsobjekt mit Wasser angerührt, angesäuert und destilliert. Das Chloro-form sammelt sich in kleinen Tröpfchen im Destillat und macht sich durch denGeruch kenntlich. Zur Identifizierung dient namentlich die Isonitrilreaklion unddie Bildung von Blausäure (s. oben), ferner die folgenden Reaktionen : 1. DieLösung von 0,1 g Resorcin in 2 ccm "Wasser wird mit einigen Tropfen Natronlaugeund der auf Chloroform zu prüfenden Flüssigkeit versetzt und zum Sieden erhitzt.Bei Gegenwart von Chloroform färbt sich die Flüssigkeit gelbrot und zeigt starkeFluorescenz (Schwarz). — L 2. 0,1 g a- oder ß-Naphlol werden in 2 ccm starker Kali-lauge gelöst, auf 50° erwärmt und mit einigen Tropfen der zu untersuchendenFlüssigkeit versetzt. Bei Gegenwart von Chloroform entsteht eine vorübergehendeBlaufärbung. Säuren erzeugen in der blauen Lösung einen ziegelroten Niederschlag.(Lustgarten.)

Chloroformwasser, Aqua Chloroformii, ist eine Auflösung von 5 T. Chloroformin 1000 T. Wasser. Es übt auf alle lebenden Zellen, namentlich auf einzellige Or-ganismen, eine betäubende und abtötende Wirkung aus und unterdrückt daher wirk-sam Fäulnis und Gärung.

Bromoform, CHBr 3 , Tribrommethan, ist in seinen Eigenschaftendem Cbloroform sehr ähnlich. Es siedet bei 151° und hat bei 15° dasspezifische Gewicht 2,904. Beim Abkühlen erstarrt es zu einer Kristall-masse, die bei -4- 7,5° schmilzt. Es bildet sich bei der Entwicklung vonBrom auf viele organische Substanzen. Seine technische Gewinnungähnelt der des Chloroforms, sie beruht auf der Einwirkung von Bromauf Alkohol oder Aceton bei Gegenwart von Alkalien, oder auf derSpaltung von Bromal beim Erwärmen mit Natronlauge. Das reineBromoform ist wenig beständig, namentlich unter dem Einfluß vonLuft und Licht färbt es sich infolge von Bromausscheidung bald rötlich,es gewinnt aber, wie das Chloroform, durch einen geringen Zusatzvon Alkohol an Haltbarkeit. Das zum medizinischen Gebrauch dienendePräparat enthält daher 4o/ 0 absoluten Alkohol, wodurch sein spezi-fisches Gewicht auf 2,829—2,833 sinkt. Die physiologische Wirkungdes Bromoforms steht der des Chloroforms sehr nahe, doch dient esseines hohen Siedepunktes wegen nicht zur Narkose, sondern haupt-sächlich als Mittel gegen den Keuchhusten und wird dann tropfen-weise eingenommen.

Prüfung. Das offizineile Bromoform siedet bei 148—150°, zeigt das spe-zifische Gewicht 2,829—2,833 und erstarrt bei -f-5—6°. Ein höherer Siedepunkt