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1 (1910) Anorganischer Teil
Entstehung
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420
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Komplexe Cyanverbindungen des Eisens.

Ferriphosphat, FeP0 4 , fällt als gelblichweißer, wasserhaltiger

Niederschlag aus der Lösung der Ferrisalze durch Natriumphosphat.

Das in Wasser unlösliche Ferripyrophosphat, Fe 4 (P i 0 7 ) 3 , bildet mit Natrium-

pyrophosphat ein lösliches komplexes Salz, das durch Zusammengießen berechneterMengen von Natrmmpyrophosphat- und Eisenchloridlösung und Ausfällen durch Wein-geist erhalten wird und als milde wirkendes Eisenmittel medizinische Anwendung ge-funden hat. (Natrium pyro phosphoricum ferratum.)

Eisensäure. Das Eisen vermag in einigen sehr unbeständigen Verbindungenauch sechswertig aufzutreten. Erhitzt man Eisen mit Salpeter, oder leitet man Chlorin Kalilauge, die Eisenhydroxyd suspendiert enthält, so entsteht das Salz K 2 Fe0 4 .Kaliumferrat, das sich in Wasser mit dunkelroter Farbe löst, aber bald Sauerstoff ab-gibt. Die analog der Schwefelsäure und Chromsäure zusammengesetzte EisensäureH 2 Fe0 4 kann aus dem Salz nicht abgeschieden werden, da hierbei sofort Zer-setzung eintritt.

Eisenkarbonyle sind gasförmige oder flüssige Verbindungen von Eisen mitKohlenoxyd, die beim Überleiten von Kohlenoxyd über Eisenpulver bei gewöhnlicher oderwenig erhöhter Temperatur entstehen. Eisontetrakarbonyl, Fe(C0) 4 . ist ein Gas.Eisenpentakarbonyl, Fe(CO) 5 , eine niedrig siedende Flüssigkeit. Die Verbindungenentstehen auch beim Hindurchleiten eines kohlenoxydhaltigen Gases durch eiserneRöhren und mischen sich dem Gase bei.

Die komplexen Cyanverbindungen des Eisens.

Die Cyanide des Eisens, Fe(CN) 2 und Fe(CN) 8 , sind nicht bekannt,da sie hei ihrer Entstehung, z. B. bei der Fällung von Eisensalzlösungendurch Kaliumcyanid, sofort Umwandlungen in kompliziertere Verbin-dungen erleiden. Hingegen bilden sie mit andern Cyaniden beständigeDoppelverbindungen, die als typische Beispiele komplexer Verbin-dungen dienen können. Die wichtigsten dieser Verbindungen sinddas Kaliumferrocyanid, K 4 Fe(CN) 6 , das als eine Vereinigung von4 Molekeln KCN mit einer Molekel Fe(CN) 2 zu betrachten ist, und dasKaliumferricyanid, K 3 Fe(CN) G , das aus 3 Molekeln KCN und einerMolekel Fe(CN) 3 besteht. Die Lösungen dieser Salze zeigen nicht dieBeaktionen der Eisenjonen, ihr Eisen wird weder durch Ammoniak,noch durch Ammoniumsulfid gefällt, ebensowenig geben sie die Beak-tionen der Cyanjonen, auch sind sie'trotz ihres Cyangehalts nichtdirekt giftig, können aber dennoch mittelbar giftig wirken, da sieunter dem. Einfluß von Säuren Cyanwasserstoff entwickeln. Hingegenzeigen die beiden Salze die Beaktionen der Kaliumjonen und diezweier neuer Jonen, die beide die Zusammensetzung Fe(CN) 6 be-sitzen. Wie aus den Formeln K 4 Fe(CN) 6 und K 3 Fe(CN) 6 hervorgeht,ist das Anion des Kaliumferrocyanids vierwertig, das des Kaliumferri-cyanids dreiwertig, das Ferrocyanidjon ist also zu schreiben [Fe(CN) 6 ]"",das Ferricyanidjon [Fe(CN) G ]'". Die Salze leiten sich von den SäurenH 4 Fe(CN) c , Ferrocyanwasserstoffsäure, und H 3 Fe(CN) 6 , Ferricyanwasser-stoffsäure, ab, die in freiem Zustande sehr unbeständig sind.

Kaliumferrocyanid, K 4 Fe(CN) c -3H 2 0. gelbes Blutlaugen-salz, hat diesen Namen daher, daß es beim Erhitzen von stickstoff-haltigen organischen Verbindungen, wie Blut, Hörn, Leder, mit Pottascheund Eisen entsteht. Seine Bildung bei diesem Prozeß beruht darauf,daß sich stets, wenn Stickstoff- und kohlenstoffhaltige Substanzen mitAlkalien geglüht werden, Alkali Cyanid bildet (S. 212), während sichdas Eisen mit dem in der organischen Substanz enthaltenen Schwefelzu Scbwefeleisen verbindet. Das Kaliumcyanid und das Eisensulfidwirken sodann unter Bildung von Kaliumferrocvanid aufeinander ein:6 KCN + FeS = K 4 Fe(CN) 6 -f K 2 S.