Druckschrift 
1 (1910) Anorganischer Teil
Entstehung
Seite
372
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

372

Analytisches über Blei.

liefert. Es besteht darin, daß zusammengerollte Bleiplatten in Töpfe gestelll werden,auf deren Boden sich etwas Essig befindet. Die Töpfe werden mit einer Bleiplattezugedeckt und in Pferdemist eingebettet. Die Bleiplatten bedecken sich unter demEinfluß der Essigsäuredämpfe an der Oberfläche mit einer Schicht von basischemBleiazetat, das durch die Kohlensäure, die sich aus dem faulenden Pferdemist ent-wickelt, in basisches Karbonat übergeführt wird, das durch Abklopfen von denPlatten entfernt wird.

Prüfung. Die nächstliegende Verfälschung des Bleiweiß ist der Zusatz vonCalcium- oder Bariumsulfat oder -karbonat. Die Sulfate würden beim Lösen des Blei-weiß in Essigsäure ungelöst bleiben, die Karbonate würden sich zwar lösen, aber beimAusfällen des Bleis durch Schwefelwasserstoff in Lösung bleiben und könnten imFiltrat nachgewiesen werden. Ferner fällt man aus einer essigsauren Lösung das Bleidurch Schwefelsäure aus und prüft das Filtrat mit Kaliumferrocyanid auf Eisen undKupfer. Beim Lösen des Bleiweiß in verdünnter Salpetersäure darf höchstens 1%unlöslicher Bückstand bleiben, der aus Sand, Bleisulfat oder Bariumsulfat bestehendürfte. Beim Glühen darf es höchstens 15 o/o an Gewicht verlieren, der Rückstandbesteht aus Bleioxyd.

Analytisches. Mit trockner Soda gemischt und vor dem Lötrohrauf Holzkohle geglüht geben die Bleiverbindungen ein dehnbares,graues Metallkorn und einen gelben Beschlag von Bleioxyd. Me-tallisches Zink fällt das Blei aus seinen Salzlösungen als Blei bäum(S. 366).

Aus den Lösungen der Bleisalze fällt Natronlauge Aveißes Blei-hydroxyd, das sich im Überschuß des Fällungsmittels zu Natrium-plumbit löst (S. 369). Ammoniak fällt ebenfalls Bleihydroxyd, vermages aber nicht zu lösen. Aus Bleiazetatlösung fällt Ammoniak das Bleinur unvollständig infolge der Bildung komplexer Verbindungen.

Salzsäure und lösliche Chloride lallen ßleichlorid, das sich inheißem Wasser auflöst.

Schwefelsäure und lösliche Sulfate fällen weißes, in Säuren prak-tisch unlösliches Bleisulfat, das sich in Natronlauge zu Natriumplumbitund in basisch weinsaurem Ammonium, einer noch nach Ammoniakriechenden Auflösung von Weinsäure in Salmiakgeist, zu einer kom-plexen Bleiweinsäureverbindung löst. Durch Digerieren mit Soda-lösung wird das Bleisulfat bald in Bleikarbonat übergeführt, währendNatriumsulfat in Lösung geht. Beim Betupfen mit Ammoniumsulfidfärbt sich Bleisulfat schwarz infolge der Bildung von Bleisulfid. Hier-durch und durch die Löslichkeit in Natronlauge und in weinsauremAmmonium unterscheidet sich das Bleisulfat von den Sulfaten deralkalischen Erden.

Kaliumchromat- und Kaliumbichromatlösung fällen gelbes Blei-chromat, PbC0 4 , das sich in Natronlauge leicht löst, aber durch An-säuern mit Essigsäure wieder gefällt wird. Durch die Löslichkeitin Natronlauge unterscheidet sich das Bleichromat vom Barium Chromat.

Schwefelwasserstoff fällt schwarzes Bleisulfid, das in Natronlaugeund in Ammoniumsulfid unlöslich ist, sich aber in heißer verdünnterSalpetersäure löst. In salzsäurehaltigen Lösungen ruft Schwefelwasser-stoff zunächst einen roten Niederschlag von Bleisulfochlorid, PbS-PbCL,hervor, der bei weiterer Einwirkung von Schwefelwasserstoff inschwarzes Bleisulfid übergeht. Das Bleisulfid ist das einzige in Natron-lauge unlösliche Bleisalz.

Da die Bleisilikate leicht schmelzbar sind, so finden sie eine aus-'gedehnte Anwendung bei der Herstellung der Töpferwaren und desEmails. Solche Orefäße dürfen bei einer ihrer Bestimmung ent-sprechenden Behandlung kein Blei abgeben. Zu ihrer Prüfung kocht