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Mikroskopische und mikrochemische Untersuchung der Harnsedimente : mit 17 Taf. u. 13 Abb.
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eigentümlich gekräuselt, mit breiten, sehr feinen, dem Haare dachziegeligaufgelagerten Schüppchen. Mit konzentrierter Kalilauge färbt sich dieWolle rötlich.

Baumwolle (Tafel XIII) bildet sehr lange, einzellige Haare,welche flach, bandartig, zirka 45 \x breit, vielfach gebogen und um dieAchse gedreht sind. In einer, frisch bereiteten Kupferoxydammoniak-lösung (Cuoxam) quellen sie stark blasig auf.

Leinenfasern (Tafel XIII) [Bastfasern von Flachs] sindsehr stark verdickt, mitunter verschwindet das Lumen vollständig. Siesind glatt, stellenweise geknickt, selten flachgedrückt. An den Knotensind häufig unregelmäßige Bruchstellen sichtbar. In Cuoxam quellen sieauf, aber nicht blasig wie die Baumwolle.

Hanf fasern (Tafel XIII) [Bastfasern von Hanf] sind denLeinenfasern außerordentlich ähnlich, jedoch etwas breiter, ihre Spitzeist stumpf oder gegabelt. Sie quellen im Cuoxam viel langsamer auf alsdie Leinenfasern.

Neben diesen Verunreinigungen kommen in den Harn Sedimentenpulverartige Fremdkörper vor, welche zum Einstauben der Genitalienbenützt werden. Zumeist sind es die Weizenstärke, Reisstärke,eventuell auch M e h 1, weiter Lykopodium und T a 1 k u m.

Weizenstärke (Tafel XIII) besteht aus vereinzelten, kleinenund großen Körnern. Die größten Körner sind mitunter bis 40 |i breit.Wenn die Stärke längere Zeit im Harn liegt, quillt sie auf und zeigtdann zumeist eine deutliche, konzentrische Schichtung.

Alle Stärkekörner sind leicht dadurch zu erkennen, daß sie sichnach Zusatz von Lugolscher Lösung sofort blau bis violett färben.

Reisstärke (Tafel XIV). Hie Körner der Reisstärke (Reis-poudre) besitzen eine auffallend scharfkantige, eckige Gestalt. Sie sind3-, 4-, 5- bis 6eckig, von gleichem Durchmesser und fast von derselbenGröße (2—10 (i). ihr Aussehen erinnert an manche Kristalle. Sie könntentatsächlich auch von einem Anfänger z. B. für Oxalsäuren Kalk gehaltenwerden. Die Färbung mit Lugol schließt jedoch sofort welchen Irrtum aus.

Mehl (Tafel XIV) wird in Ermanglung von Stärke ebenfalls zumEinstauben benützt. Dann findet man im Harnsedimente viel Stärke-körner, welche gewöhnlich zusammenhängen, mitunter noch in denZellen eingeschlossen, außerdem die Partikelchen der Spelze (Haare oderQuerzellen), zuweilen auch Milben (Tafel XIV), durch welche das Mehlverunreinigt war.

Lykopodium [Bärlappsamen] (Tafel XIV) sind Sporen vonLycopodium clavatum. Diese werden zum Einstauben mit Vor-liebe benützt. Unter dem Mikroskope sind sie nicht zu verkennen. Es sindetwa 25—30 J-i große, einfache, tetraedrisch sphärische Zellen mit vor-springenden Leisteten, welche fünf- oder sechsseitige Maschen bilden.