Druckschrift 
Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
Entstehung
Seite
30
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

30

Zweites Kapitel.

beginnen; infolgedessen kommt das Mittelstück oder das Spermacentrpsoii]mehr nach dem Mittelpunkt des Eies zu liegen.

Jetzt beginnt ein interessantes Phänomen das Auge des Beobach-ters zu fesseln (Fig. 24 u. 25 u. 23 F, G). Ei- und Samenkern ziehensich gleichsam gegenseitig an und wandern mit wachsender Geschwin-digkeit durch den Dotter einander entgegen; der Samenkern (sk), demseine Strahlung und das in ihm eingeschlossene Zentralkörperchen stetsvoranschreiten, verändert rascher seinen Ort, langsamer der Eikern (ek).Bald treffen sich beide in der Mitte des Eies und werden hier zu-nächst von einem körnchenfreien Protoplasmahof und nach außen vondiesem von einer gemeinsamen Strahlung eingeschlossen (Sonnen-stadium und Aureola von Fol). Im Laufe von 2JLMinutgji verschmelzendarauf Ei- und Samenkern untereinander zum einfachen Keim-"~odcrFurchungskcrn; erst legen sie sich dicht aneinander, platten sich ander Berührungsfläche gegenseitig ab und verlieren dann ihre Abgrenzunggegeneinander unter Bildung eines gemeinsamen Kernraumes. Indiesem ist die vom Samenfaden abstammende Substanz noch längereZeit als eine abgesonderte, in Farbstoffen sich dunkler imbibierendeChromatinmasse zu erkennen. Gleich nach der Vereinigung der beidenKerne beginnt sich das in ihrer unmittelbaren Nähe liegende Sperma-zentrum in die Länge zu strecken und sich in zwei kleinste Körperchenzu teilen, welche auseinanderrücken und, eingehüllt in je eine Proto-plasmastrahlung, zu den Centrosomen der sich jetzt ausbildenden Kern-teilungsfigur werden.

Unsere Kenntnis der Befruchtung ist durch eine sehr wichtigeBeobachtung van Benedens am Pferdespulwurm noch wesentlich ge-fördert worden, daher ein paar Worte darüber wohl am Platze sind.

Die Eier von Ascaris melagocephala gehören zu den Objekten,welche nach einer vorausgegangenen Begattung im Inneren des Uterusbefruchtet werden (S. 27), und bei denen ferner der Prozeß der Eireifemit der Befruchtung zeitlich zusammenfällt (Fig. 17). Die reifen "SaTTTeir 2 "körper (Fig. 26) weichen in hohem Grade von der Gestalt ab, welchesie gewöhnlich im Tierreich haben; denn sie gleichen einem Kegel, einerSpitzkugel, oder einem Fingerhute und bestehen 1. aus einem körnigenProtoplasma, das hier sogar einige Dotterkonkremente (/) einschließt,und 2. aus einem kleinen, kugeligen Körper von Kernsubstanz (k), welcheran der Basis (b) des Kegels in das Protoplasma eingebettet ist. DurchAusstrecken kurzer, breiter Fortsätze an ihrer Basis können sie amö-boide Bewegungen ausführen und sich an die Oberfläche der anfangsmembranlosen Eier ansetzen (Fig. 17 I). "Wo die Berührung mit dem Eizuerst stattfindet, bildet sich auch hier wieder wie bei den Echinodermenein besonderer Empfängnishügel aus. An diesem schiebt sich der Samen-körper, ohne dabei seine Gestalt auffällig zu verändern, langsam tieferin den Dotter hinein (Fig. 17 II), bis er von ihm allseitig eingeschlossenist. Gleichzeitig wird von der Eirinde eine feine Membran ausgeschieden.Jetzt erst spielen sich am Keimbläschen die Reifeprozesse ab und werdendie Polzellen gebildet (Fig.17 IIIIV). Die Veränderungen schließenauch hier wieder damit ab, daß aus der im Ei zurückbleibenden Hälfteder zweiten Kernspindel ein weiblicher Vorkern und aus der Chromatin-kugel des eingedrungenen Samenkörpers, während sein Protoplasmaallmählich zerfällt und mit dem Dotter des Eies vermischt wird, derSamenkern gebildet wird (Fig.17 IV u. V). Beide Kerne treffen sich inder Mitte des Eies, ohne indessen miteinander zu verschmelzen. Eine