Die Reifeerscheinungen von Ei- u. Samenzelle u. d. Befruchtungsprozeß. 31
längere Ruhepause folgt jetzt. Wenn hierauf die Vorbereitung zurersten Teilung des Eies beginnt, so wandelt sich das Chromatin im Ekwie im Samen korn, wä hrend beide noch von einander ge t r ennt smcL -ineinen feinen, vielfach gewundenen Faden um. Dann wird der Kernfadenin zwei gleich große "Schleifen, in die Kernsegmente (Chromosomen),abgeteilt (Fig. 17 V). Zu beiden Seiten des Kernpaares treten zweiCentrosomen auf, welche wahrscheinlich durch Teilung vom Centrosomdes Samenkerns abstammen. Nach einiger Zeit verlieren Ei- und Samen-kern ihre Abgrenzung gegen den Dotter, in welchen die so frei gewordenenzwei Paar Chromosomen unmittelbar zu liegen kommen und sich in derbekannten Weise auf der Oberfläche und in der Mitte der sich jetztgleichfalls deutlicher sondernden Spindelfasern anordnen (Fig. 17 VI).
Aus diesen Vorgängen sowie mehreren, schon früher beschriebenenTatsachen können wir vier wichtige Ergebnisse ziehen.
1 Ei- und Samenkern besitzen die gleiche Masse von Chromati»welche in jedem auf eine gleiche Zahl von Chromosomen verteilt isf
2 Beide Kerne ergänzen sich infolge ihrer Vereinigung bei derBefruchtung wieder zu einem Vollkern, nachdem zuvor bei der Reifesowohl in der Ei- wie in der Samenzelle die Massedes Chromatins und die Zahl der Kernsegmenteauf die Hälfte eines Normal- oder Vollkerns redu-ziert worden ist. Oder in anderen Worten aus-gedrückt: Durch die Bildung zweier Polzellenbeim unreifen Ei und durch die zweimalige, ohnedazwischentretende Ruhepause erfolgende Teilungder Samenmutterzellen ward in einfachster Weiseverhindert, daß durch die im Befruchtungsakterfolgende Verschmelzung zweier Kerne eine Sum-mierung der Chromatinmasse und der Kern-segmente auf das Doppelte des für die betreffendeTierart geltenden Normalmaßes herbeigeführt wird.
3. Parthenogenetische Eier erfahren keine)Reduktion der Kernsubstanz, da bei ihnen diel ^ , ,
Bildung der zweiten Polzelle unterbleibt (S. 21J; sie bedürfen daherder Befruchtung nicht. '
4 Die Kernsegmente der ersten leiispmdel eines befruchtetenEies stammen zur einen Hälfte vom Eikern, zur anderen Hälfte vomSamenkern ab; sie können daher als männliche und als weibliche unter-schieden werden. Da nun im weiteren Verlaufe hier wie auch sonstbei der Kernteilung die vier Segmente sich der Länge nach spaltenund dann nach den zwei Centrosomen zu auseinanderweichen, bildensich zwei Gruppen von vier Tochterschleifen, von denen zwei männ-licher und zwei weiblicher Herkunft sind. Jede Gruppe wandelt sichdann in den ruhenden Kern der Tochterzelle um. Damit ist der un-umstößliche Beweis geführt, daß jedem Tochterkern in jeder Eihälfte,die durch den ersten Furchungsprozeß entsteht (s. Kapitel III), genaudie gleiche Menge Chromatin vom Eikern wie vom Samenkern zuge-führt wird.
Repetitorium zu Kapitel II.
1. Das Keimbläschen rückt allmählich bei der Reifung an denanimalen Pol des Eies empor und geht hierbei eine rückschreitende-
Fig. 26. Samen-körper von Ascarismegalocephala. Nachvan Beneden.
k Kern, b Basis desKegels, mit welchemdie Anheftung am Eierfolgt. / Dotterkon-krement, Glanzkörper.