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Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
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Die Natur von Ei- und Samenzelle.

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in wissenschaftlichen Werken die Samenfäden als solche Phantasie-geschöpfe abbildeten. So hat der Holländer Hartsoeker (1694) einSchema eines menschlichen Samenfadens entworfen, in dessen vorderenverdickten Teil er einen kleinen menschlichen Embryo mit großem Kopf,mit zusammengeschlagenen Armen und Beinen, umhüllt von einer Ei-haut, eingezeichnet hat.

Als später die durch Leeuwenhoek hervorgerufene Streitfragedurch die Entdeckung von Eiern, die sich auch ohne Befruchtung aufdem Wege der Parthenogenese entwickeln, zu-gunsten des Eies entschieden schien, blieb manlange Zeit im unklaren darüber, was die fädigenGebilde im Samen eigentlich sind und was füreine Rolle sie bei der Befruchtung spielen. Nochin den ersten 4 Jahrzehnten des 19. Jahrhundertshielt man sie allgemein für selbständige para-sitische Geschöpfe (Spermatozoa), den Infusorienvergleichbar. Noch in Joh. Müllers Physio-logie heißt es:Ob die Samentierchen para-sitische Tiere oder belebte Urteilchen des Tieres,m welchem sie vorkommen, sind, läßt sich fürjetzt noch nicht mit Sicherheit beantworten."

_ Die Entscheidung wurde durch das physio-logische Experiment und besonders durch ver-gleichende , histologische Untersuchungen desSamens und der Samenentwicklung (Spermato-genese') im Tierreich herbeigeführt. In erstererBeziehung wurde durch Filtration des Samens(Spallanzani) festgestellt, daß nicht die durchdas Filter hindurchgegangene Flüssigkeit, sondernder aus den Samenfäden bestehende Filterrück-stand das befruchtende Prinzip enthält. DieInfusoriennatur der Samenfäden aber war wider-legt, als Kölliker zeigte, wie die Samenfä den,^besonderen Zellen des Hodens (den Sperma-rocyten) durch eigentümliche Umwandlung entgellen. Wie die Eier, besitzen also auch dieSamenfäden den Formwert von Zellen: jene sinddie weiblichen, diese sind die männlichen Keimzellen. Daher mußsich auch in der Organisation der Samenfäden ein Teil, welcher demZellenkern, und ein Teil, welcher dem Protoplasmakörper entspricht,nachweisen lassen.

Für gewöhnlich sind an den tierischen Samenfäden, welche übrigensihr jede Tierart geringe spezifische Unterschiede in ihrer Größe undForm darbieten, drei Abschnitte als Kopf, Mittelstück und Schwanz'zu unterscheiden (Fig. 11). Es wird genügen, wenn wir uns hierbeiauf die Beschreibung der menschlichen Samenfäden allein beschränken. Ihre Länge beträgt etwa 0,05 mm. Der vorderste Abschnitt, derKopf (Cp.), hat die Form eines ovalen Plättchens, das nach dem Vorder-ende zu (Pf.) etwas dünner ist. Von der Seite (A) gesehen, gewinnter eine gewisse Ähnlichkeit mit einer plattgedrückten Birne. In che-mischer Hinsicht besteht er, wie mikrochemische Reaktionen "lehren,ans Chromatin. Der Kopf des Samenfadens entspricht also dem Kern

Fig. 10. Schema,eines menschlichenSamenfadens, nachHartsoeker.

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