IL Kapitel.
Antipyretica.
Chinin und Chinolinderivate.
Die synthetische Arzneimittelchemie hat auf dem Gebiete derantipyretischen Mittel sowie der Schlafmittel ihre größten Triumphegefeiert. Eine große Reihe neuer Körper wurde geschaffen, von deneneinige in den dauernden Besitzstand der Heilkunde übergegangen sind.Aber die große Verbreitung verdanken die modernen Antipyreticanicht so sehr ihrer Temperatur herabsetzenden Wirkung als vielmehrihren vortrefflichen Nebenwirkungen auf das Nervensystem, vor allemder besonderen schmerzstillenden Funktion. Diese Substanzen wirkeneinerseits als Wärmezentrumnarcotica, andererseits als leichte Narcoticaüberhaupt.
Die ursprünglich treibende Idee der Synthetiker war, die Re-sultate der Erforschung der Konstitution des Chinins in der Weisezu verwerten, daß man neue, dem Chinin, soweit seine Konsti-tution bekannt, oder wie damals seine Konstitution aufgefaßt wurde,analoge Körper aufbaue. Die Anschauungen über den Bau des Chi-nins waren zu jener Zeit unrichtig und auf Grund dieser unrich-tigen Anschauungen über den Aufbau des Chinins gelangte man zusynthetischen Verbindungen, welche vom Chinin in ihrer Wirkung sichwesentlich verschieden verhielten, die wohl Antipyretica waren, aberaus Gründen, die außerhalb der Analogie mit dem Chinin liegen. Dergroßen Reihe künstlicher Fiebermittel, welche alle das Chinin ersetzensollten, mangelt eine, und zwar die wichtigste Funktion des Chinins,nämlich die spezifische Wirkung bei der Malaria.
Chinin unterscheidet sich von dem ihm nahe verwandten China-alkaloide Cinchonin durch das Vorhandensein einer Methoxygruppe inder p-Stellung im Chinolinringsystem, aber Cinchonin ist ein weit wenigerwirksamer Körper, so daß die Anwesenheit der p-Methoxygruppe jeneintensive Wirkung des Chinins auf das Fieber und seine spezifischeWirkung bei der Malaria bedingt. Schmilzt man Cinchonin und Chininmit Kali, so erhält man im ersteren Falle Chinolin, im letzteren Fallep -Methoxychinolin.
Chinolin
p-Methoxychinolin ' 3