160
Veränderungen der organischen Substanzen im Organismus.
kann emulgiertes Fett z. B. spalten. Im Darm unterliegen eine großeAnzahl von Arzneimitteln wichtigen Veränderungen. Der gemischteVerdauungssaft im Darme (Darmdrüsensaft, Galle und Pankreassekret)entspricht einer 0,2—0,5 %igen Lösung von kohlensaurem Natron,welcher infolge der darin gelösten Enzyme Ester leicht verseifen kann-Es ist daher klar, daß der Darmsaft unlösliche Säuren als Salze inLösung zu bringen vermag, er verseift wirksame Substanzen, die Estersind, und läßt so die Komponenten resorptionsfähig und wirksamwerden. Der gemischte Darmsaft hat auch infolge seiner alkalischenReaktion die Fähigkeit, in Lösung befindliche Substanzen auszu-fällen, und so der Resorption zu entziehen (z. B. Metallsalze, Basen),wogegen sie im Darm selbst ihren therapeutischen Effekt ausübenkönnen. Auch unlösliche Verbindungen (z. B. Wismuthsalze, Tannin-verbindungen) werden hier in einer Weise verändert, daß dieeine Komponente gelöst zur Wirkung gelangt, während die andere inunlöslichem Zustande ihre Wirkungen entfaltet. Als Beispiel führen wirTannalbin (Eiweiß-Tanninverbindung) an, aus dem vom Darmsaft dieGerbsäure losgelöst wird und zur Wirkung gelangt. Ein anderes Beispielsind die Wismuthverbindungen, etwa salicylsaures Wismuth. Dieseswird in salicylsaures Natron und kohlensaures Wismuth zerlegt. Daserstere ist leicht löslich, das letztere unlöslich. Salicylsaures Natron (bzw •Salicylsäure) übt hier seine antiseptische Wirkung aus, während dasunlösliche Wismuthsalz teils die Wunden der katarrhalischen Darm-flächen schützt, teils den reizenden Schwefelwasserstoff etc. bindet undunwirksam macht, schließlich noch adstringierend wirkt. Neben denenzymatischen Wirkungen des Darmsaftes kommt es im Darm aber zueiner Reihe von chemischen Prozessen, welche durch Mikroorganismen,insbesondere handelt es sich um Spalt- und Sproßpilze, hervorgerufenwerden. Dieser normalerweise vor sich gehende Prozeß kann durch einebloße Steigerung schon krankhafte Erscheinungen hervorrufen und eingroßer Teil unserer Arzneimittelwirkungen richtete sich eine Zeitlangdahin, die Darmgärung zu unterdrücken.
Oxydationen.
Im Körper selbst können die organischen Arzneimittel, wie vieleunwirksame organische Substanzen, entweder völlig oxydiert und zuKohlensäure und Wasser, bzw. Harnstoff verbrannt werden oder sieunterliegen einer geringen chemischen Umwandlung im Molekül, wobeiinsbesonders die ringförmig gebundenen Kerne erhalten bleiben. Auße r "dem hat der Organismus die Fähigkeit mit einer Reihe von Substanzenwynthesen durchzuführen und sie auf diese Weise zum Teil an ihrer Wirkungzu verhindern oder sie ganz unwirksam zu machen. Die Kenntnissedieser Vorgänge haben schon manche wertvolle Bereicherung unseresArzneischatzes mit sich.gebracht. Körper, wie sie die drei großen Gruppenunserer Nahrungsmittel, Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate umfassen,werden fast vollständig im Organismus bis zu den niedrigsten Stoff'Wechselendprodukten, Kohlensäure, Wasser, Harnstoff zerlegt. Im all-gemeinen sind die aliphatischen Verbindungen der Oxydation leicht