Druckschrift 
4,1 (1919) Dicotyledones : (II. Teil)
Entstehung
Seite
170
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

170

In Deutschland von Hoffmann (1791) und Schkuhr (1796) aus Schlesien (nach Kr ocker [1790]imOswitzer Walde vor 10 Jahren", sehr zweifelhafte Angabe, da die Beschreibung nicht stimmt!; indessen wurdedie Pflanze um 1700 in Schlesien kultiviert), von Frankfurt a. M. (schon um 1719 nach Dillenius), Eisleben, Giessenund Helmstadt angegeben; in neuerer Zeit beobachtet z.B. in Bayern (Augsburg, Deisenhofen, Weltenburg, Gibitzen-hof bei Nürnberg, Südbahnhof München), bei Wertheim (1813 nach Gmelin), bei Boppard a. Rh., bei Suhlim Thüringer Wald (Prov. Sachsen) in einigen Gärten am Rimbach (vor 1842), neuerdings bei Eisleben undangeblich bei Bahrendorf-Stemmern (Kr. Schönebeck), ehedem im Süntelgebirge am Hohenstein bei Oldendorf,sowie mehrfach in der Provinz Brandenburg (aus dem Berliner Botanischen Garten ausgewandert, stellenweiseeingebürgert und trotz aller Nachstellungen alljährlich erscheinend; so bei Jüterbog am Dammtor [ob noch?J,Berlin an der kgl. Bibliothek [seit vor 1830 beständig, wenngleich spärlich] und im Tierarzneischulgarten, anden übrigen Fundorten [Ulanenkaserne, Moabit, Königsplatz, am alten Botanischen Garten, Kaiser-Franz-Grenadier-Kaserne 1868] anscheinend erloschen); neuerdings eingeschleppt bei Hamburg, Osterholz (Hannover)und in einigen Rheinhäfen (Krefeld und Uerdingen 1908 bis 1910 nach Höppner; Neuss 1913, Bonte!;Mannheim seit 1880 nach Zimmermann und Lutz); [künstlich angesät bei Münster in Westfalen].In Oesterreich sehr zerstreut in Böhmen (bei Prag, eingeschleppt), Niederösterreich (verschleppt und un-beständig in und um Wien [schon zu Crantz' Zeiten, um 1760], bei Kledering, Inzersdorf, Himberg, Velm,Vöslau, Poisdorf und Wilhelmsdorf [?]). Salzburg (Bahnhof Salzburg) und im Küstenland (Campo Marzio undPorto Nuovo bei Triest, Podgra bei Görz, Zaule; fast stets nur vorübergehend). In der Schweiz an derKirchhofmauer zu Visp im Kanton Wallis 1809 von Gaudin entdeckt, 1818 auch von Hornung in Mengegesammelt, dann 1868 von Muret wieder gefunden, auch heute noch (1915!) auf Ruderalstellen in der Näheder Kirche vorhanden; 1891 auch bei Brig im Wallis beobachtet (ob noch?); im Tessin bei Gordola. Mosciabei Ascona und Chiasso; verschleppt ferner bei Genf (18/9 bis 1880) und Biel (aber nicht bei Zürich!); [diealte Clair ville'sche Angabe (1811) aus dem Jura ist sehr zweifelhaft].

Allgemeine Verbreitung: Zerstreut durch Europa mit Ausnahme des hohenNordens; eigentlich einheimisch und beständig nur im Mittelmeergebiet; in England, Belgien,den Niederlanden, Mitteleuropa, Skandinavien (hier besonders in Hafenanlagen) und in demgrössten Teil von Russland nur sporadisch und vorübergehend; Vorder-Asien bis Ostindien;Nord-Afrika, Abessinien, Madeira, Kanaren; verschleppt in Nord-Amerika.

Die Pflanze zeigt, wie bereits erwähnt, ausserhalb des Mittelmeergebietes oft ein sehr unbeständigesAuftreten. Historisch bemerkenswert ist, dass sie sich nach dem grossen Brande von London im Jahre 1667in ungeheurer Menge auf den Ruinen vorfand (daher der NameLondon Rocket"), um später fast wieder zuverschwinden. Die Art ändert nur unbedeutend ab. Nach der Behaarung werden zwei Formen unter-schieden: f. hygröphilum Fourn. (= S. glabrum Willd.). Pflanze kahl. f. xeröphilum Fourn. (= S. GällicumWilld.). Pflanze + flaumig behaart. Abweichende Formen sind ferner: f. mfnimum Pourret ex Rouy et Fouc.(= f. gracilius Sennen?). Stengel nur 4 bis 10 cm hoch, einfach. f. Turolense 1 ) Sennen. Stengel undFrüchte sehr dünn. Laubblätter sehr schmal. f. Transtagänum 2 ) P. Coutinho. Fruchtstiele länger; dieunteren 20 mm lang. f. pachypddium 3 ) Caruel. Fruchtstiele dick, kurz; Früchte abstehend (ob patho-logische Form? oder = S. Orientale f. irioides?). f. longisf liquum Rupr. Früchte 5 bis 6'/2 cm lang.

1235. Sisymbrium Pyrenäicum (L.) Vill. 4 ) sens. ampl. [nee L. = Roripa Pyrenaica(L.) Spach] (= Sinapis Pyrenaica L.). Pyrenäen- oder Oesterreicher Rauke.Ital.: Sisembro attorcigliato. Fig. 773 a bis d.Meist zweijährig (in der Kultur in Botanischen Gärten jedoch anscheinend auchdrei- und mehrjährig?), mit dicker Grundachse, meist (20) 30 bis 60 (80) cm hoch. Stengelaufrecht, meist ästig und reich beblättert, fast kahl oder + dicht mit abstehenden oderaufwärts gekrümmten Börstchen besetzt. Laubblätter (bei uns) + kahl, glänzend, etwasdicklich, mit weissem Mittelnerv, gestielt, schrotsägeförmig-fiederschnittig, mit dreieckig-eiförmigen bis dreieckig-lanzettlichen, abstehenden, spitzen, gezähnten, nach oben seichterabgetrennten Abschnitten und unterwärts schmaler, nach oben verbreiterter und undeutlich

') Nach der spanischen Provinz Teruel.2 ) In Portugal jenseits des Flusses Tajo gefunden,

8 ) Von griech. na%vo, [paehys] = dick und nödwv [pödion] = Füsschen, Stielchen.

*) Ueber die Nomenklatur vgl. Schinz und T hellung in Vierteljahrsschrift der NaturforschendenGesellschaft Zürich LIII (1908) Heft 4 (1909). pag. 536.