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4,1 (1919) Dicotyledones : (II. Teil)
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phyllführend, an die Leitbündel gebunden. Haare einfach oder ästig (Fig. 770 d, e), beisect. Descurea ausserdem zuweilen Stieldrüsen. Blüten in meist tragblattlosen, seltenerbeblätterten, endständigen Trauben. Kelchblätter aufrecht bis abstehend (Taf. 129, Fig. la),am Grunde nicht oder nur schwach gesackt; die äusseren unter der Spitze oft deutlichbehörnelt. Kronblätter benagelt, meist gelb, seltener weiss. Staubfäden einfach (Fig. 772b),ohne Flügel oder Zahnbildungen, gegen den Grund verbreitert. Seitliche Honigdrüsenringförmig den Grund der kürzeren Staubfäden umgebend, aussen geschlossen, innen meistausgebuchtet; mediane wulstförmig, auf der Aussenseite des Grundes der längeren Staubfädengelegen, mit den seitlichen zu einem geschlossenen Ring breit verbunden (Fig. 770 f bis h).Fruchtknoten sitzend. Narbe scheibenförmig (Fig. 772 h), gestutzt bis seicht zweilappig (überden Plazenten stärker vorspringend). Frucht eine zweiklappig aufspringende, linealische odernach der Spitze pfriemlich verjüngte Schote (Fig. 772 g). Fruchtklappen gewölbt (Fig. 773 c),mit starkem Mittelnerv und ausserdem meist noch mit jederseits einem deutlichen, geradenSeitennerv, seltener ausser dem Mittelnerv nur netznervig. Scheidewand zart oder derb, oft vonLängsnerven durchzogen; ihre Oberhautzellen langgestreckt, parallel, dünn- oder dickwandig.Samen ein- bis zweireihig, meist zahlreich, eiförmig oder länglich-ellipsoidisch (Fig. 770 c) bisfast walzlich, etwas 3-kantig, im Querschnitt meist dreieckig-eiförmig, mit vorspringendemWürzelchen (Fig. 771 d; vgl. jedoch S. strictissimum). Samenschale fast glatt, ungeflügelt, beiBenetzung nicht verschleimend. Keimling in der Regel rücken-, selten schief-seitenwurzelig.

Die Gattung urafasst etwa 150 Arten, die in den gemässigten Breiten der nördlichen Erdhälfte (eineArt auch in Grönland), ferner im extratropischen Südamerika (vorzugsweise im andinen Gebiet), in Abessinienund in Südafrika zuhause sind. Aus Australien und Ozeanien sind keine urwüchsigen Vertreter bekannt; aus Neu-seeland wird eine endemische Art angegeben, deren Gattungszugehörigkeit indessen noch zu prüfen ist. Auchin Mitteleuropa bewohnt der Grossteil der Arten fast ausschliesslich künstliche Standorte in der Nähe dermenschlichen Wohnungen und ist daher sicherlich vor längerer oder kürzerer Zeit mit Hilfe des Menschen ein-gewandert. Als urwüchsig sind im Gebiete wohl nur die Gebirgspflanzen S. pinnatifidum und tanacetifolium,ferner die an Flussufern gedeihenden Arten S. supinum und strictissimum und das an Kalkfelsen wachsendeS. Pyrenaicum zu betrachten. S. altissimum und Loeselii mögen allenfalls im pannonischen Gebiete vonOesterreich, als Ausstrahlungen der osteuropäisch-westasiatischen Steppenflora, als bodenständig oder wenigstensproanthrop" gelten; in den übrigen Teilen des mitteleuropäischen Florengebietes sind sie dagegen nachweislicherst in historischen Zeiten eingewandert.

Die Blüten und Früchte gehören einem primitiven Typus an (vgl. Bd. IV, pag. 58). Die Kelchblätter zeigenkeine oder nur schwach angedeutete Aussackungen am Grunde und können folglich nicht oder kaum als Honig-behälter funktionieren. Die Kronblätter bleiben nach dem Verblühen häufig längere Zeit stehen und nehmenselbst noch an Grösse zu; sie bilden so einen wirksamen Anlockungsapparat für die Insekten zugunsten derjüngeren, befruchtungsfähigen Blüten. Die Honigdrüsen sind ringsum gleichmässig stark entwickelt und bildeneinen geschlossenen Ring (Fig. 7701 bis h); dementsprechend sind auch keine besonderen Honigzugänge ausgebildet.Die verlängerte, aufspringende Schote endlich mit den zahlreichen kleinen, durch keine besonderen Verbreitungs-mittel ausgezeichneten Samen mit flachen Keimblättern steht gleichfalls dem Urtypus der Cruciferenfruchtnahe; einzig die bei der Mehrzahl der Arten anzutreffende Einreihigkeit der Samen stellt einen abgeleitetenZustand dar.

Die Umgrenzung der Gattung Sisymbrium ist bis heute strittig geblieben. Während viele, selbstneuere Schriftsteller (auch deutsche Floristen) Alliaria nicht generisch von Sisymbrium trennen, macht sichunter den neuesten Systematikern im Gegenteil eine noch weitergehende Tendenz zur Abspaltung kleinerGattungen geltend. Die Arten mit verzweigten Haaren werden von Prantl und v. Hayek generisch abge-trennt und von Prantl sogar unter zwei, einer ganz anderen Tribus (Hesperideae) angehörige Gattungen,Descurainia und Stenophragma, verteilt. Neuerdings haben Calestani und v. Hayek auch S. officinale, poly-ceratium und runcinatum wegen der pfriemlich verschmälerten Früchte und Plazenten als besondere GattungKibera 1 ) (= Chamreplium) von Sisymbrium abgetrennt. Calestani stellt einige Arten mit einnervigen Frucht-klappen und verzweigten Haaren (S. pinnatifidum und Zanonii) mit Rücksicht auf die Anatomie der Frucht-klappen zu Erysimum. Andererseits sind alle neueren Schriftsteller darin einig, dass die bisher in der Schweizer-

*) Die Verwendung des Namens in diesem Sinne ist unrichtig, da Kibera bei Adanson nurdas S. supinum umfasst.

Sis