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1224. Kernera alpfna (Tausch) Prantl (= Rhizobötrya x ) alpina Tausch, = Cochlearia
alpina Kolb nee Watson, = C. rhizobotrya Walp., = C. brevicaulis Facch.). Alpen-
Kugelsch ötchen, Alpenträubchen. Taf. 128, Fig. J.
Ausdauernd, 2 bis 4 cm hoch, mit ziemlich starkem, vielköpfigem Wurzelstock undfertilen und sterilen Sprossen. Laubblätter in dichten Rosetten angeordnet, spateiförmig,ziemlich lang gestielt, stumpf, ganzrandig oder stumpf gezähnt, ziemlich dick, angedrücktborstlich behaart. Stengel sehr kurz, mit gedrungener, beblätterter, die Grundblätter meistnicht überragender Blütentraube. Tragblätter der Blütenstiele kurzgestielt bis ungestielt,am Grunde verschmälert; die obersten unansehnlich, linealisch, hochblattartig. Kelchblätterelliptisch, etwa 1 l j% bis 2 mm lang, meist rötlich, sehr schmal weiss-hautrandig, auf demRücken behaart, bis zur Fruchtreife bleibend. Kronblätter wenig länger (etwa 2 bis 2 1 js mm),weiss, länglich - verkehrteiförmig, keilig (kaum 1 mm breit), ganzrandig, in einen Nagelverschmälert. Staubfäden einfach, die 4 längeren S-förmig gebogen. Frucht auf weniglängerem oder gleichlangem, aufrecht-abstehendem Stiel, eiförmig-kugelig, gedunsen, etwa2 bis 3 mm lang, durch den kurzen Griffel bespitzt; Fruchtklappen gewölbt, ohne Mittelnervund ohne Netzadern (nur sehr fein grubig-runzelig). Scheidewand rundlich - elliptisch.Samen (3) 4 bis 5 in jedem Fach, ovoidisch, zusammengedrückt, etwa 3 /* mm l an g! Samen-schale hellbraun, schwach grubig-runzelig. — VII, VIII.
Sehr selten an felsigen Stellen, an Felsen, im feinen Gerolle, auf abschüssigemBoden, besonders in Schnee- und Steinlawinenbahnen; in der alpinen Stufe der südlichen Kalk-und Dolomitalpen. Einzig in den Tiroler Dolomiten, von ca. 1900 bis 2800 m (Pustertal,Umgebung von Bozen, Val di Fassa; im Ganzen etwa 20 Fundstellen 2 ), sowie in denangrenzenden Dolomiten von Venezien; vgl. Pampanini in Mem. Soc. Fribourg. ser. Geol.et Geogr. III, fasc. 1, pag. 30, PI. I n. 2.
Diese durch ihre eigenartige Tracht sehr ausgezeichnete Pflanze, von der keine näheren Verwandtenbekannt sind, stellt einen ausgesprochenen Relikten-Endemismus eines beschränkten Abschnittes der tirolisch-venezianischen Dolomiten (vgl. Bd. III, pag. 272) dar, der sich anscheinend auf dem Aussterbeetat befindet.Die Pflanze ist an allen Fundorten sehr selten, da die Samen grösstenteils der Keimfähigkeit entbehren. 3 )
CCCXXIII. Peltäria 4 ) Jacq. (= Bohädschia 5 ) Crantz, = Bohatschia Scop.).
Scheiben schötchen.
Ausdauernde, völlig kahle, oft blaugrün bereifte Kräuter mit kriechender Grund-achse und mit beblättertem Stengel. Laubblätter ungeteilt (höchstens gekerbt oder an derSpitze kurz dreispaltig); die stengelständigen mit herzpfeilförmig geöhrtem oder ver-schmälertem Grunde sitzend. Eiweissschläuche im Mesophyll der Laubblätter. Kelchblätterbald abstehend und sämtlich ungesackt, bald aufrecht und die seitlichen am Grunde etwassackförmig erweitert. Kronblätter weiss oder rötlich, kurz benagelt. Staubblätter 2 + 4.Staubfäden einfach, gerade, ohne Zähne und Anhängsel. Honigdrüsen je 1 zu beidenSeiten der kurzen Staubfäden, halbmondförmig, nach aussen einen kurzen Fortsatz ent-
*) Gr. git^a [rhi'za] = Wurzel und ßotQVg [bötrys] = Traube; wegen der sehr kurzgestielten, gleichsamaus der Wurzel entspringenden Blütentrauben.
2 ) Eine vollständige Zusammenstellung derselben geben Dalla Torre und Sarnthein Fl. v. TirolVI, 2 (1909), pag. 330.
3 ) Derartige Angaben über die Keimunfähigkeit der Samen von Alpenpflanzen sind jedoch mit grosserVorsicht aufzunehmen, da bekanntlich manche Samen vor dem Keimen einer längeren (oft mehrere Jahredauernden) Ruhezeit bedürfen. Näheres bei Kinzel, Wilh. Berichte der Deutsch. Bot. Gesellsch. Bd.XXVIa (1908).
*) Lat. pelta = kleiner Schild.
6 ) Nach Joh. B. Bohadsch, von 1755 an Professor der Naturgeschichte zu Prag, gestorben 1772-B. schrieb u. a. über den Waid (nr. 1242).
förr