139
w orden war und Kältegrade von bis —46° bei eisigem Nordwinde auszuhalten hatte, gleichwohl aber (nachKjellman's — seither nicht anderweitig bestätigter — Angabe) im nächsten Sommer unbeschadet ihre Ent-wicklung da fortsetzte, wo sie im Vorjahr stehen geblieben war. Da den Cochlearia-Arten jegliche äusserlichachtbare Einrichtung zum Schutze gegen Frost (etwa starke Behaarung u. dgl.) fehlt, so kann ihre Un-e mpfindlichkeit nur aus der spezifischen Konstitution des Protoplasmas erklärt werden. Im ; Hochschwabgebietln Obersteiermark erscheint C. officinalis subsp. Pyrenaica nach Nevole in Quellfluren mit 5,5° C Wasser-temperatur in Begleitung von Arabis bellidifolia, Nasturtium officinale, Epilobium 'alsinifolium, Viola biflora,Saxifraga rotundifolia, Caltha palustris, Hylocomium splendens, triquetrum, Schreberi und uncinatum, Brachy-thecium rivulare, Neckera crispa, Cinclidonotus fontinaloides, während sie auf den Wiesenmooren um Moos-brunn bei Wien zwischen Gymnadenia odoratissima, Pinguicula alpina (Bd. VI, pag. 158), Veratrum album undSalix nigricans auftritt.
Der Durchmesser der geöffneten Blüten beträgt 8 bis 10 mm. Die Kelchblätter sind abstehend undbilden kein Honigreservoir. Die Kronblätter sind (bei der Unterart eu-officinalis) etwas über doppelt so lang,mit weisser, eiförmig-elliptischer, abstehender Platte, am Grunde in einen kurzen (nur etwa '/a so langen),grünlichen (Saftmal!) Nagel zusammengezogen. Die Antheren der langen Staubblätter stehen mit der gleich-zeitig entwickelten Narbe in gleicher Höhe (anfangs etwas von ihr abgewendet); auch diejenigen der kurzen Staub-blätter, die anfangs etwas tiefer stehen, erreichen später die Höhe der Narbe, so dass leicht (zumal beiSchlechter Witterung) spontane Selbstbestäubung eintreten kann, während besuchende Insekten auch Fremd-bestäubung bewirken können. Die nur seitlich vorhandenen, zwischen den Staubfadenbasen versteckten Honig-drüsen sind sehr unscheinbar und oft verkümmert, erzeugen aber gleichwohl einen kräftigen Honigduft. —■ AlsAbnormitäten wurden Tragblätter im Blütenstand, sowie 3-klappige Früchte beobachtet.
Das beim Zerreiben beissend-scharf riechende und kressenartig scharf schmeckende frische Kraut ista 's Herba Cochleäriae offizinell (Pharm. Germ.); ebenso waren es früher die Samen (Semina Cochleäria e),die ähnliche Eigenschaften aufweisen wie die Kressensamen. Das Kraut enthält besonders ein flüchtiges,Scharfes, schwefelhaltiges Oel, „Löffelkrautöl" (Oleum Cochleäriae), ein Glykosid (Rhodanverbindungen dessekundären Butyls), ausserdem Eiweissstoffe, Harze, Gummi und mehrere Salze. Das ätherische Oel von derFormel Cs Ho SN riecht sehr scharf und unangenehm und zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit den .Senf-ölen. Es wird aus dem Kraut durch Destillation gewonnen und stellt der Hauptsache nach das Isosulfocyanatdes sekundären Butylalkohols dar. Das ätherische Oel wurde bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts indeutschen Apotheken destilliert. Seit alters gilt das Kraut als eines der vorzüglichsten antiskorbutischenMittel, das den Seefahrern sehr bekannt war und durch diese in alle Weltteile verbreitet wurde. Auch gegenKrankheiten der Verdauungsorgane, Verschleimung der Luftwege, Hautausschläge, Krankheiten des MundesUnd des Zahnfleisches, gegen Zahnschmerz, Rheumatismen, als desinfizierendes Mittel, sowie als schweiss- undbarntreibendes oder hautreizendes Mittel usw. findet es Anwendung. Aus dem frischen Kraut wird fernerdurch Destillation ein Spiritus (Spiritus Cochleäriae) bereitet; schliesslich kann Soda daraus gewonnen werden.Im Norden wird es auch als Gemüsepflanze verwendet oder als Zutat zu Salat oder auf Butterbrot genossen.Als angebaut wird die Pflanze anscheinend zuerst von C. Gesner (1557) aus Brabant erwähnt; in SchlesienWurde sie um 1700 kultiviert.
1221. Cöchlearia Änglica L. (== C. ofticinälis [var.] Anglica Alef., = subsp. AnglicaAschers, et Graebner, = Nasturtium Anglicum [N. cochleäria x Danicum ?] Krause, = Cruci-fera cochleäria a) Anglica Krause, = Cochleäria longifölia Medikus, = C. Batava Dumort,888 C. Batävica Gandoger, = C. officinalis ß Van Hall, = C. Linnaei Griewank pro parte,818 C. Anglica var. gemina J. T. Boswell, = C. Grcenlandica Gunn.? nee L.). Englisches
Löffelkraut. Fig. 766a bis c.
Meist zweijährig, mit ziemlich dünner, spindeliger Wurzel, aber oft durch nachder Blüte am Stengelgrund hervorsprossende Laubblattrosetten sich erhaltend und er-n euernd, kahl, etwa 20 bis 30 (40) cm hoch. Grundblätter in Rosetten, langgestielt, breiter°der schmäler eiförmig bis rhombisch-elliptisch, oft eckig oder unregelmässig gezähnt, amGrunde abgerundet oder (häufiger) in den an der Spitze etwas geflügelten Stiel kurz keil-törmig-zusammengezogen (Fig. 766ai). Stengel meist zahlreich, aufsteigend bis fast auf-recht, kantig, beblättert, meist ästig. Stengelblätter meist länglich-eiförmig oder länglich-elliptisch, seltener fast eiförmig, stumpf, meist grob eckig-gezähnt, seltener fast ganzrandig,