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Fruchtzeit kaum netzaderig. Griffel fast fehlend. Narbe verhältnismässig gross, scheiben-förmig bis halbkugelig, 2 bis 3 mal so breit als das Griffelende. Samen ellipsoidisch, massigstark zusammengedrückt, fast glatt, nicht berandet. Keimling rückenwurzelig. — VI, VII.Allgemeine Verbreitung: Fast ganz Europa ausser dem höheren Norden (wohlnur an Salzstellen urwüchsig), aussertropisches Asien, Nordafrika; ausserdem kultiviertund gelegentlich verwildert.
In Europa nur die Unterart: subsp. eu-latifölilim Thellung (== L. latifolium Europium Alef.).Stengelblätter stielartig verschmälert, mit gegen den Grund zu leicht konkaven Rändern. Fruchtstiele sehr dünn,die unteren meist 2 bis 3 mal so lang als die Frucht. Schötchen meist U/s bis 2 mm lang, öfter auch zurKeifezeit flaumig. — Wüste, salzhaltige Orte, besonders sandige Strandtriften und Salzwiesen an der Meeres-küste; im Gebiet vielleicht nirgends ursprünglich einheimisch (höchstens an der Nord- und Ostseeküste und inNiederösterreich urwüchsig). Namentlich in früherer Zeit oft als Küchenpflanze gezogen und leicht aus derKultur verwildernd, vermöge der ausgiebigen vegetativen Vermehrung durch Wurzelausläufer oft völlig ein-gebürgert auf verlassenem Gartenland, Gartenauswurf') und namentlich an felsigen Orten in der Umgebung vonalten Schlössern (wo sie tief in Felsspalten wurzelt) sowie an Salzstellen des Binnenlandes. In D eu t schlandals westliche Einstrahlung (ob spontan?) an der Nord- und Ostseeküste (oft unbeständig): Schleswig-Holstein:Husum, Hadersleben, Apenrade, Hohwacht bis Fehmarnsund (z.B. Heiligenhafen beständig seit 1780); Lübeck;Mecklenburg: früher bei Lübbersdorf und Warnemünde; Pommern: Insel Rügen (Strand der Insel Ummanz beiSuhrendorf, hier 1840 noch nicht angegeben); Westpreussen: Westerplatte (Kreis Danzig) von 1866 an (1892wieder verschwunden); Ostpreussen: Kreis Memel, zwischen Bommelsvitte und Leuchtturm 1885. NorddeutschesBinnenland (verwildert oder verschleppt): an der Unterelbe bei Hamburg; früher bei Salzkotten (Bez. Minden) aufSalzboden. Mitteldeutschland: Camp bei Boppard (Düngerstätte), Bingerbrück; Soden a. Taunus (Salzstelle), Brau-bach bei Wiesbaden, Frankfurt a. Main; Pfalz: Saline von Dürkheim, früher auch bei Oggersheim; Thüringen:früher am Rudolstadter Schlossberg; Schlesien: adventiv bei Ottmachau. Süddeutschland: Elsass nur verwildert(z. B. Altkirch, Frönigen); Baden: verwildert und stellenweise eingebürgert im Jura (Kloster Amtenhausen, Kalk-felsen beim Schloss Werenwag) und im Höhgau (Hohentwil [Württemberg], Hohenhöwen), früher (um 1820) auchbei Alt-Breisach. Württemberg: verwildert bei Mittelfischach, Stuttgart, Böblingen, Haigerloch beim Hohenzollern,Rottweil, Schlossgarten von Urach, Langenargen, früher auch Tübingen und Wurmlingen ; Bayern: Regensburg (nachSchkuhr 1796), Ruine Königsberg bei Hassfurt, Sendung bei München, Burgfarrnbach bei Nürnberg (1858). InOesterreich; früher aus Böhmen angegeben; Mähren: nur bei Bozowitz und Klobouk auf ruderalsalinem Boden,wohl adventiv; Niederösterreich: im Pulkantale zwischen Laa, Zwingendorf, Haugsdorf (vielleicht einheimisch?),ferner verwildert bei Oberrana bei Spitz und im Wiener Prater; Krain: früher bei Lusttal nächst Laibach und beiRudolfswert (ehedem Neustadtl genannt) von Fleischmann verwildert gefunden, seither nicht mehr beobachtet(Paulin br.); Tirol: angeblich 1854 bei Innsbruck adventiv. In der Schweiz'): verwildert und teilweise ein-gebürgert, z. B. Genf, früher bei Morges, Orbe und Boudry, ferner Sitten, Peterlingen, Neuenburg, Freiburg (auxRames, auf Mauern und Schutt), Aarberg (Bern), Laupen und Burgdorf am Schlossfelsen, Pruntrut, Aareufer bei Ölten(noch 1892), Lenzburg, Mumpf, Basel, Schloss Laufen am Rheinfall (ob noch?), einstmals in Wallenstadt, Chur (an denBündnerschieferfelsen hinter der Schwendener'schen Tuchfabrik seit Jahrhunderten eingebürgert). Schloss Rhäzüns(Domleschg).
Allgem ein e Verbreitung der Unterart: Fast ganz Europa mit Ausnahme desNordens (doch noch in Dänemark, an der schwedischen Ostsee- und Südwestküste und aufden Ostseeinseln Oeland und Oesel), mancherorts (z. B. in Belgien) von zweifelhaftemIndigenat; Nordafrika, Vorderasien von Arabien, Syrien und Kleinasien bis Afghanistan,Tibet, Turkestan und zur Dsungarei; verwildert und eingebürgert in Mexiko.
Ueber Abänderungen vgl. Thellung Gatt. Lepid. (a.a.O.), pag. 161. Im Gebiet nur die vomTypus kaum verschiedene f. gläbrum Abromeit (nee Ledeb.) mit zuletzt verkahlendem Schötchen. — DasKraut von Lepidium latifolium schmeckt frisch sehr scharf, etwas brennend und fast pfefferartig. Wegen dieserEigenschaft wurde die Pflanze namentlich im Mittelalter seit der Zeit der heiligen Hildegard (12. Jahrhundert)als Küchengewächs gezogen; heute ist ihr Anbau sehr selten geworden. Wurzel und Kraut waren ausserdemfrüher als Radix et Herba Lepidii offizinell und wurden besonders gegen Skorbut, Wassersucht, mehrereUnterleibskrankheiten, Hüftweh und Hautausschläge gerühmt.
') Auch auf Gartenland selbst kann die Pflanze zu einem unausrottbaren Unkraut werden, wie schonTabernaemontanus (1591) bemerkt: „Diss Gewächs kompt in den Gärten herfür und ist übel wiederumbzu vertreiben. 8
2 ) Die Angabe Suter's (1802), dass diese Art in den Waadtländer-Alpen wachse, ist sicher irrig.