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1188. Lepidiuttl Dräba 1 ) L. (= Cochlearia Draba L., = Nastürtium Draba Crantz, = Car-däria Draba Desv., = Cardaria Cochlearia Spach, = Jundzillia Draba Andrz., = Iberis DrabaKrause, = Cardiölepis dentäta Wallr., = Crucifera Cardaria Krause, = L. drabiföliumSt. Lager). Pfeil-, Her z-oder Türkische Kr e sse. Franz.: Pain-blanc; engl.: Whitlowpepperwort, hoary cress; ital.: Cocola, lattona, erba Santa-Maria salvatica. Taf. 126, Fig. 3.
Die Pflanze heisst in Niederösterreich wohl nach den weissen leicht abfallenden Blüten alte Mona [= alteMänner], aldiMonahäud, nach dem Standort Krodn würzn [= Krötenwurz]. Zu Saubrein vgl. „Brein" = Hirse(Bd. I, pag. 188), zu Moilt'n vgl. Melde (Bd. III, pag. 225); auch diese Namen werden für Niederösterreich angegeben.
Ausdauernd. Wurzel verlängert, nach oben stark verzweigt, die Wurzeläste dünn,unterirdisch weit kriechend, in fruchtbare und unfruchtbare Stengel auslaufend. Blüten-stengel etwa 20 bis 50 cm hoch, meist aufrecht, etwas kantig, in der Regel + kurz grauhaarig,reichbeblättert, oberwärts scheindoldig verästelt, die in Blütenständen auslaufenden Aesteüber den letzten Verzweigungen meist blattlos. Laubblätter in der Regel kurz grauhaarig.Grund- und untere Stengelblätter gestielt, meist buchtig oder leierförmig (zur Blütezeit meistabgestorben), mittlere und obere Stengelblätter ungestielt, + elliptisch-länglich (über demGrunde oft etwas geigenförmig eingeschnürt) bis lanzettlich, mit herzpfeilförmigem Grundestengelumfassend, meist entfernt buchtig gezähnt. Blütenstände dicht scheindoldig ange-ordnet. Blüten ansehnlich, wohlriechend. Kronblätter doppelt so lang als der Kelch, weiss,benagelt, mit breit verkehrt-eiförmiger Platte. Staubblätter 2 + 4. Fruchttrauben bogigaufsteigend, verlängert, locker. Fruchtstiele 2 mal so lang als das Schötchen (ohne Griffel),zylindrisch-fädlich, wagrecht abstehend, (bei uns) völlig kahl. Schötchen herz-eiförmig biselliptisch, durch Verkümmerung des einen Samens oft unsymmetrisch, an der Spitze ganz,gedunsen, jedoch an den Rahmenstücken eingezogen und dadurch schwach zweiknöpfig,3y2 bis 4 x /2 rnm lang und breit, von dem schlanken, langen, frei vorragenden Griffel ge-krönt (Taf. 126, Fig. 3b). Fruchtklappen nur oberwärts schwach gekielt, bei der Reife oft etwasnetzig-grubig, an den Rahmen fest angewachsen, Frucht daher nicht aufspringend. Samen (oftnur einer ausgebildet) ovoidisch oder ellipsoidisch, massig stark zusammengedrückt, fast glatt,nicht berandet, braun. Keimling rückenwurzelig; die Keimblätter (im Gegensatz zu allenübrigen Arten) nur wenig hinter der Krümmung des Keimlings entspringend. — V bis VII.
Allgemeine Verbreitung: Mittelmeergebiet und östliches Mitteleuropa bis West-Sibirien; sonst in mehreren Erdteilen verschleppt und eingebürgert.
Hierher: Subsp. I. eU-Draba Thellung. Schötchen am Grunde schwach herzförmig. — An Strassen-und Ackerrändern, Hecken, Eisenbahndämmen, auf Schutt- und Bahnhofterrain, heute im ganzen Gebiete zer-streut, dank der ausgiebigen vegetativen Vermehrung meist in individuenreichen Kolonien. Am seltensten undunbeständigsten in Norddeutschland und in höheren Gebirgslagen, auch sonst in verkehrsarmen Gegendenstellenweise noch fehlend; ursprünglich einheimisch nur in Oesterreich. In Deutschland seit 1728 in Ulmauf der ehemaligen „Gänsebastey am Comödienhaus", offenbar durch das Donautal eingewandert; in Bayernvon Schrank 1789 2 ) bei Ingolstadt um die Gegend der Kothau angegeben. Die Haupteinwanderung ingrösserem Massstab erfolgte jedoch erst am Anfang des 19. Jahrhunderts, und zwar einerseits von Oesterreichdurch das Donautal aufwärts, anderseits aus Frankreich an den Mittelrhein. Im Jahre 1807 wird die Pflanze vonPitzen-burg bei Eisdorf (Flora von Halle) angegeben, 1825 aus Bayern, Franken, Erlangen, Sachsen, Halle, Bonn,Schlesien, 1833 ausserdem von der Rheinebene von Speyer bis Mainz und Frankfurt sowie von Magdeburg. Vondiesem Zeitpunkt an erfolgte eine rasche und intensive Ausbreitung der Pflanze in Süd- und Mitteldeutschland,namentlich längs den Eisenbahnlinien. In Norddeutschland scheinen ihr die klimatischen Bedingungen keinedauernde Ansiedelung mehr zu gestatten; sie findet sich hier meist nur vorübergehend mit Saaten (z. B. Luzerne)und in der Nähe von Mühlen mit Korn verschleppt; als nördlichstes dauerndes Vorkommen wird der Zeltbergbei Lüneburg genannt. In Oesterreich in der ganzen Monarchie verbreitet, bis in die Voralpen ansteigend;
') Der Name ögäßr] (dräbe), latinisiert Draba tritt zuerst bei Dioscorides Mat. med. II, 157 auf;vgl. die Cruciferengattung Draba.
2 ) Die Angaben von Leysser (1783) und Roth (1788) bei Halle, Erlangen, Nürnberg, Bremen sindunzuverlässig, da die Beschreibungen der genannten Autoren sich auf L. campestre beziehen!