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4,1 (1919) Dicotyledones : (II. Teil)
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62 Arten 43 (= 69°/o), in der Umgebung von Basel von 83 Arten 58 (= 70%), um Bern von 44 Arten 33 (= 75%),während in dem abgeschlossenen Wallis von 103 Arten nur 53 (= 51%) Kulturlandsbewohner sind.

Fossile Cruciferen sind nicht mit aller Sicherheit bekannt, wenn auch 2 Früchte (von Lepidiumund Clypeola) aus dem Miocän von Oeningen (Baden) und einige Samen von Sinapis aus der tertiären Braun-kohle der Wetterau aufgezählt werden.Lepidium" antiquum Osw. Heer (= Palaeolepi'dium antiquum Thell.)von Oeningen (vgl. Fig. 749 f) kann, wenn es sich wirklich um eine Cruciferenfrucht handelt, wegen der an-scheinend vielsamigen Fruchtfächer nicht zu Lepidium (im Sinne der heutigen Umgrenzung der Gattung)gehören, sondern repräsentiert einen primitiveren Fruchttypus, der etwa dem der rezenten Gattung Gamelinaentsprechen dürfte (also ein ziemlich breitwandiges, vielsamiges Schötchen). Clypeola debilis Osw. Heer (vonder gleichen Lokalität) ist sicherlich kein Cruciferenrest.

Nutzpflanzen. Zu unserer Familie gehörige Gemüsepflanzen sind z. B. die verschiedenen Kohl-(Brassica-) Arten, der Rettig (Raphanus sativus), der Merrettig (Armoracia rusticana); als Salat wirdgegessen das Kraut der Garten-Kresse (Lepidium sativum) und der Brunnenkresse (Nasturtium officinale),'gelegentlich auch dasjenige anderer einheimischer Arten. Oel und scharfe Stoffe (letztere als Gewürz und zumedizinischen Zwecken dienlich) enthalten die Samen von Brassica-, Sinapis- und Raphanus-Arten; eine Oel-pflanze ist auch Camelina sativa. Als antiskorbutische Heilmittel sind teilweise heute noch im GebrauchCochlearia-Arten und von ausländischen Spezies z. B. der Kerguelen-Kohl (Pringlea antiscorbütica Hook, f.,auf den Kerguelen). Als Indigo liefernde Färberpflanze wurde früher der Waid (Isatis tinctöria) viel kultiviert.Ehemals waren zahlreiche einheimische Arten offizineil (vgl. Cochlearia officinalis und Brassica nigra). Ueberdie spezielle Verwendung siehe später bei den einzelnen Spezies.

Auch Zierpflanzen haben die Cruciferen in grosser Zahl geliefert; es seien nur die GattungenAethionema, Iberis, Ionopsfdium, Crambe, Moricandia, Heliöphila, Cheiranthus, Erysimum, Malcölmia, Aubrietia,Matthiola, Hesperis, Lunaria, Alyssum, Vesicaria, Lobuläria und Draba genannt. Als Kuriosität wird ge-legentlich auch die im nordafrikanisch-südwestasiatischen Wüstengebiet beheimatete Anastätica 1 ) hiero-chuntica L. 2 ), die echte Jerichorose 8 ), gezogen, die vermöge ihres hygroskopischen Mechanismus beim Ver-trocknen krümmen sich die Aeste kugelartig ein, um sich im Wasser oder in feuchter Luft wieder auszubreiten(Fig. 750b, c) als Symbol der Auferstehung gilt und auch unter dem Namen Rosa sanctae Mariae gehandeltwird. Eine andere unter dem Namen Jerichorose gehende Wüstenpflanze ist die Composite Odontospermumpygmänim (Coss. et Dur.) O. Hoffmann. Aehnlich verhält sich Selaginella lepidophylla (Hook, et Grev.) Springaus Kalifornien, Texas und Mexiko.

Ein Schlüssel zur Bestimmung der Gattungen nach leicht auffindbaren Merkmalen folgt am Schlüsseder Familie. Ueber die natürlichen Gruppen siehe pag. 65 bis 68.

CCCXII. Subllläria 4 ) L. Pfriemenkresse. Franz.: Subulaire; engl.: Awlwort.

Frucht ein 2-klappig aufspringendes, breitwandiges Schötchen mit stark gewölbten,1 -nervigen Klappen. Blütenachse ausgehöhlt, mit teilweise unterständigem, eingesenktem Frucht-knoten und umständigen Krön- und Staubblättern. Am Blütenboden innerhalb der Staubblätterein den Fruchtknoten umgebender, geschlossener Drüsenring (Fig. 751 d). Keimling rücken-wurzelig; Keimblätter sehr lang, quer geknickt und mit ihrem unteren Ende beträchtlichüber die Krümmungsstelle des Keimlings hinübergreifend) Würzelchen kurz und dick (Fig. 751h).Eiweisschläuche nicht nachweisbar.

Die Gattung steht bezüglich des Blütenbaues (perigyne Insertion nur bei Teesdalia ist der Blüten-boden gleichfalls, aber nur ganz schwach, ausgehöhlt, intrastaminaler Drüsenring) in der Familie ganz ver-einzelt da; nach dem Bau des Keimlings gehört sie jedoch in die Gruppe des Lepidiinae oder in deren Nähe.

Ausser unserer Art noch die wohl nicht spezifisch verschiedene S. monti'cola A. Br. in Abessinien.

1186. Subularia aquätica L. (= Nasturtium palüstre Crantz nee DC., = Dräba SubulariaLam., = Crucifera subularia Krause). Wasser -Pf rie m enkr esse. Fig. 751.

Ein- oder zweijährige Pflanze, fast stengellos, kahl, 2 bis 8 cm hoch. Wurzel faserig,mit gebüschelten Fasern. Laubblätter etwa 10 bis 20, sämtlich grundständig, aufrecht,linealisch-pfriemlich, grasartig, ganzrandig. Stengel einfach, blattlos, sein grösster Teil

') Gr. ävdoiaoig [anästasis] = das Wiederaufleben, die Auferstehung.

2 ) Nach dem griechischen Namen der Stadt Jericho in Palästina.

") Vgl. Steinbrinck und Schinz in Flora 98 (1908), 471 ff., besonders 495 bis 500.

4 ) Lat. siibula = Pfriemen; nach der Form der Laubblätter.