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Geographische Verbreitung. Die Cruciferen sind in ca. 1500 Arten ziemlich über_ die ganze Erdeverbreitet und fehlen wohl keinem Gebiete völlig. Einige wenige Gattungen, wie Lepidium, Cardamme NasturtiumSisymbrium sowie Capsella Bursa pastoris, haben fast kosmopolitische Verbreitung, während die Mehrzahlauf kleinere Gebiete beschränkt ist. Den Höhepunkt der Artenzahl erreichen die Cruciferen in den borealen extra-tropischen Gebieten (der alten wie der neuen Welt), namentlich im Mittelmeergebiet, wo besonders viele endeimsche,monotvpisehe oder artenarme Gattungen vorkommen. Am spärlichsten sind die Kreuzblütler dagegen m denTiefländern der T vertreten (in diesen Breiten bewohnen sie fast ausschliesslich die Gebirge). Beim Vor-
rücken nach Norden nimmt ihre numerische Bedeutung in der Zusammensetzung der Vegetation immer mehr»i auf Spitzbergen machen sie 19»/, der phanerogamen Flora, im Senegalgebiet dagegen nur 1 °/o derselben^s. Im hohen Norden sowie im Hochgebirge (Draba, Petrocallis) erreichen sie oft die aussehen Grenzen derPhanerogamen Vegetation. - In Mitteleuropa trifft man die meisten sicher urwüchsigen Cruciferen in denGebirgen an, wo sie Felsen, Felsschutt, Geröll, Alpweiden u.dergl. bewohnen. In der Ebene ist die Zah dernatürliche Standorte besiedelnden Arten geringer (es sind besonders Vertreter der Gattungen Ronpa [Nastohum],Card amine; Dentaria , Sisvmbrium , Arabis, Alliaria usw., die sich an sumpfigen Orten, in Que Ifluren m WäldernWaldschlägen, auf Wiesen, an Ufern, auf Flussalluvionen, an steinigen Orten usw. gefallen). Der Grossteil^r Cruciferen macht hier den Eindruck von Einwanderern oder Neubürgern, die in der Hauptsache nur■kunst-"ehe Standorte (Kultur- und Oedland) bewohnen (Synanthropen, Anthropophyten, anthropoph.les Element); ihreVerwandtschaft weist, zumal wenn es sich um einjährige Arten handelt, meistens nach dem M.ttelmeer-gebiet. Ihre Einwanderung in Mitteleuropa erfolgte auf den bekannten Wegen der Verschleppung von Un-kräutern mit Saatgut, des Verwilderns aus der Kulturund der Einschleppung durch Handel und Verkehr.Einzelne Spezies, wie Lepidium Draba, L. Virginicumund L. densiflorum — die beiden letzteren nordameri-kanisch _ S i n d heute in gewissen Teilen von Mittel-europa so vollständig eingebürgert, dass sie nachihrem Vorkommen als einheimisch taxiert werdenmüssten und ihr ausländischer Ursprung sich nur mitHilfe historischer Quellen nachweisen lässt. Indessensind nicht alle Cruciferen, die auf Kulturland vor-kommen, darum notwendig Fremdlinge. Nicht seltentreffen wir unter ihnen sogenannte „Apophyten" (Ab-tritt "
ini ge, Auswanderer), die, im Lande selbst ein-!lr nisch, in einem Teil ihrer Individuen die natürlichenStandorte verlassen haben und auf Kunstbestände
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übergehen (Roripa [Nasturtium-] Arten, Arabis are-n °s a usw.), dabei oft ihre Organisation nicht unwe-sentlich modifizierend. Wir haben, wie E. Steiger >)sich treffend ausdrückt, in den Cruciferen einen Stammdes Pflanzenreiches vor uns, der gegenwärtig in mäch-tigem Aufschwung begriffen ist; seinen Arten kommtein grosses Expansionsvermögen zu, sie stehen mit denJetzigen klimatischen Verhältnissen im besten Einklangund sind dank der weitgehenden Anpassungsfähigkeitan veränderte Bedingungen — z. B. an das Leben aufdem von dem Menschen geschaffenen Kulturland —
m Konkurrenzkampf ganz besonders erfolgreich. Keineandere Familie unserer einheimischen Flora liefert
e men so hohen Prozentsatz von Ackerunkräutern und
Ruderalpfianzen. In der Schweiz sind von 134 Arten
'° (== 52°/ 0 ) ruderal 2 ), speziell im Kanton Aargau von
') Steiger, E. Beziehungen zwischen Wohnort und Gestalt bei den Cruciferen. Verh. d. Natur-forschenden Gesellschaft Basel XII (1900), 373 bis 401.
2 ) Diese und die folgenden statistischen Angabennach Rikli, M. Die Anthropochoren und der Formen-kreis des Nasturtium palustre DC. Ber. d. Zürch. bot. Ges. VIII, 1901 bis03 (Anhang zu: Ber. d. Schweiz, bot.°es. XIII [1903]), 71 bis 82. Die absoluten Zahlen haben sich natürlich seitdem geändert, aber die prozentuahschenerhältnisse dürften auch heute noch annähernd gültig sein.
Fig. 750. a Cardamine ch en op odii f ol ia Pers. Habitus mit
den beiden Fruchtformen. — h t cAnastatica hierochunticaL.
(Pflanze geöffnet und geschlossen).