CCCIV. Berberis 1 ) L. Sauerdorn.
Sträucher mit einfachen oder gefiederten Laubblättern. Blüten in meist einfachen oderrispig-gehäuften Trauben. Blätter der Blütenhülle in 3-gliederigen Quirlen, wovon 1 bis 2 äu sse re
kelchartig (Kelchblätter 6 bis 9),ein grösserer kronartig ausge-bildet istfFig. 718c), amGrundeoft mit drüsenartigen Höckern.Frucht eine wenigsamige Beere.Die Gattung umfasst ca. 120,unter sich zum Teil sehr nahestehendeund schwer von einander zu unter-scheidende Arten und gliedert sichin 2 grosse Gruppen. Die eine be-wohnt Asien, Europa und Nord-amerika, während die zweite aufMittel- und Südamerika beschränktist. Von den zahlreichen in derKultur befindlichen Arten mögenin erster Linie genannt sein: Ber-beris (== Mahönia) Aquifölium(Nutt.) Pursh. Gemeine Mahonie.Franz.: Mahonie de feuilles de houx;.engl.: Trailing mahonia, holly leavedberberry. Heimat: Pazifisches Nord-amerika. Fig. 718. Laubblätter leder-artig, immergrün, gefiedert (2 bis5 Paar Fieder- und ein Endblättchen),das unterste Paar vom Blattstiel ent-fernt. Blättchen fiedernervig, ausge-schweift dornig-zähnig, oberseitsstark glänzend. Blüten gelb, in rispen-artig zusammengedrängten Trauben. Kelchblätter 9. Staubblätter reizbar (Fig. 718b). Beeren kugelig, blau bereift, mitdunkelpurpurnem Saft. Samen 2 bis 5, glänzend rotbraun. Selten bei uns durch Vögel verschleppt oder ver-wildert (z. B. bei Stassfurt, Hecklingen, Gänsefurt). Die Zweige werden bei uns oft zu Kränzen verwendet.In der Heimat wird aus den Früchten Wein und Branntwein gewonnen. —Nur gelegentlich werden kultiviert: B_(Mahonia) repens Lindl. aus Nordamerika (Strauch, fast kriechend, unterirdische Ausläufer treibend), B.Japönica DC. aus Japan und China, B. Chinensis Desf. aus Nordchina und Ostmongolei (von B. vulgarisverschieden durch tiefbraunrote Blätter und gefurchte oder kantige Zweige), B. Thunbergii DC. aus Japan,B.Darwfnii Hook, aus Chile bis Patagonien (Blüten goldgelb bis orangefarben. Reizende Topfpflanze. Früh-jahrsblüher), B. buxifolia Lam. aus Südchile bis Feuerland etc.—Von den zahlreichen Kulturhybriden magerwähnt sein: Berberis vulgaris L. X B. Aquifölium Pursh (= B. Neuberti Baumann, = B. iliciföliahört.). Durch das Fehlen der Dornen, die an Langtrieben einzeln stehenden Blätter und durch das Auftretengedreiter Blätter erinnert der Strauch an Mahonia. Textur der Blätter jedoch häutig, Zähnung ähnlich wiebei B. vulgaris. — Verschiedene Berberis-Arten sind aus dem Tertiär von Südfrankreich, Oberitalien bekanntgeworden. Pax beschreibt eine'neue Art (M. s tenophylla Pax) aus dem Tertiär des Zsiltales in den Karpaten,welche neben Callitris, Smilax, Myrica, Liquidambar, Cercis, Pistacia etc. aufgefunden wurde.
Fig. 718. Berberis (Mahonia) Aquifölium Pursh. a Bliitenspross ( 2 /s natürl,Grösse), b Blüte (vergrössert. Staubblätter reizbar), c Diagramm (nach E ic hl er).
1157. Berberis vulgaris L. Sauerdorn, Berberitze. Franz.: Vinettier, epine-vinette;engl.: Barberry, pipperidge tree; ital.: Crespino, berberi; im Tessin: ugor di legur. Taf. 122,
Fig. 1, Fig. 719 und 720.Nach den dornigen Zweigen heisst der Strauch Sauerachdorn, Dreidorn (Rheinlande), Spiess-dorn (Zürcher Oberland), Nagldearnoch (Krain: Gottschee). Die meisten Namen nehmen bezug auf densauren Geschmack der Früchte (und Blätter), sowie auf deren spitzige (zapfen-, zitzen-, flaschenförniige) Gestalt:
') Der Name scheint aus dem Arabischen zu stammen.