Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
589
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

589

Häufig an feuchten, schattigen Stellen, auf Moor- und Waldwiesen, in lichtenWäldern und Vorhölzern, in Auen, im Ufergebüsch, in Karfluren, an Waldrändern, unterLegföhren, in Felsspalten; besonders in der montanen und subalpinen Zone (in den Alpenvereinzelt bis 2500 m). In Deutschland ziemlich allgemein verbreitet im Süden und in Schlesien,zerstreut bis selten von Posen bis Ostpreussen, in Hinterpommern, Brandenburg und Mecklen-burg, in Sachsen besonders im Erzgebirge, in Thüringen, im Fichtelgebirge etc. Ausserdemselten herabgeschwemmt oder verwildert. Auf Kalk und Urgestein.

Allgemeine Verbreitung: Europa (nördlich bis Südschweden, südlich bis indie Gebirge des Balkans, von Italien und Spanien).

Aendert ab: var. typicum Beck. Fiederchen stumpf, vorn meist grob gekerbt oder gezähnt. Staub-fäden weisslich oder violett. Stengel hell, seltener fast purpurn gefärbt (Th. atropurpüreum Jacq.). var.integratum Gandoger. Fiederchen gerundet-spitz, ganzrandig. seltener die endständigen 3-lappig, + zuge-spitzt. f. alpestre Rikli. Stengel nur 22 bis 25 cm hoch. Stengelblätter nur drei. Inflorescenz stark verkürzt,wenigblütig (Tessin). Nicht allzuselten können Exemplare mit weissgelben Blüten (flore luteo) beobachtetwerden. Diese sehr auffällige und stattliche Art tritt in den verschiedensten Formationen doch seltenin grösseren Beständen auf, so in erster Linie an etwas feuchten Stellen der Wälder. Sehr charakteristischist die Art für die Voralpenwälder, wo sie oft in Begleitung von Actaea spicata, Aconitum Vulparia (pag. 503),Luzula maxima, Lunaria rediviva, Dentaria enneaphyllos (Ostalpen), Geranium Robertianum, Aruncus Silvester,Aspidium Filix mas und lobatum, Polygonatum verticillatum, Daphne Mezereum etc. auftritt. Andrerseits erscheintTh. aquilegifolium in den Flussauen (hier zuweilen in stattlichen Exemplaren) im Gebüsch von Salix alba, pur-purea und cinerea, Humulus Lupulus, Frangula Alnus, Ligustrum, Cornus sanguinea, Clematis Vitalba, Crataegusoxyacantha, Viburnum Opulus neben Aquilegia, Valeriana officinalis, Symphytum officinale, Pulnonaria montana,Lithospermum officinale, Pleurospermum Austriacum, Laserpitium latifolium, Thesium Bavarum, Melittis melis-sophyllum, Melampyrum cristatum, Linum viscosum, Inula salicina, Euphorbia verrucosa, Tetragonolobus sili-quosus, Lathyrus pratensis, Vicia Cracca, Carex tomentosa, Cypripedium Calceolus, Orchis militaris etc. (amLech in Oberbayern). Von den Auenwäldern geht Th. aquilegifolium bisweilen in die benachbarten Flach-moore hinaus, hier als akzessorischer Bestandteil des trockenen Molinietum, des Magno- oder Parvocaricetum.In den Alpen gehört die Pflanze zu den regelmässigen Bestandteilen derKaiflur (vor allem auf Kalk) zusammenmit Ranunculus aconitifolius (pag 575), Aconitum paniculatum und Vulparia, Saxifraga rotundifolia, ChaerophyilumVillarsii, Peucedanum Ostruthium, Origanum vulgare, Carduus defloratus, Crepis blattarioides. Adenostylesalpina, Euphorbia Cyparissias, Thesium alpinum etc. Auch dem Knieholzgürtel fehlt die Pflanze nicht. Diein verhältnismässig grosser Zahl vorhandenen Blüten machen gar nicht den Eindruck von Ranunculaceenblüten.An Stelle der kleinen, wenig auffälligen und zudem bald verschwindenden grünlichen Perianthblätter über-nehmen die lilagefärbten, in grosser Zahl vorhandenen, auseinander spreizenden Staubblätter die Rolle eineswirksamen Schauapparates. Blütenstaub ist in den sehr beweglichen Staubblättern in Menge vorhanden. Die vonpollensammelnden Bienen, pollenfressenden Schwebfliegen und Käfern besuchten Blüten sind proterogyn mitlanglebigen Narben und erfahren deshalb neben Autogamie häufig Fremdbestäubung (neben den Insekten auchdurch den Wind). Bei ausbleibendem Insektenbesuch kann durch Herabfallen des wenig klebrigen Pollens aufdie tiefer stehenden Narben leicht Selbstbestäubung stattlinden. In den Laubblättern ist ein gelber Farbstoffenthalten, welcher früher zuweilen zum Färben von Wolle verwendet wurde. Die Blüten liefern ein gutesBienenfutter. Ebenso eignet sich diese prächtige Staude als Zierpflanze für Parkwiesen.

1146. Thalictrum alpfnum L. Alpen-Wiesenraute. Tal 121, Fig. 3 und Fig. 710.

Ausdauernd, 5 bis 12 cm hoch, mit kurzem, walzlichem, faserigem Wurzelstock.Stengel aufrecht, einfach, blattlos oder 1-blätterig, kahl. Laubblätter gestielt, zu einergrundständigen Rosette vereinigt, doppelt gefiedert, mit breit-keiligen, grob eingeschnitten-gekerbten, derben Blättchen, kahl. Nebenblättchen fehlend. Blätter zu einer einfachen,endständigen, lockeren Traube vereinigt, langgestielt, nickend, von kurzen, lanzettlichen,grünen Tragblättchen gestützt. Perigonblätter 4, bis 3 mm lang, abstehend, rötlich. Staub-blätter bis 15, hängend, etwas spreizend, mit unverdickten, violetten Filamenten und bespitzten,gelben Antheren. Fruchtknoten wenig zahlreich, kurz gestielt, eiförmig, längsgefurcht, mitroter, gekrümmter Narbe (Taf. 121, Fig. 3 a). Früchte gestielt, 3 bis 3,5 mm lang, mit kurzem,hakenförmig nach abwärts gekrümmtem Schnabel (Taf. 121, Fig. 3 b, c), spindelförmig, etwas