527
pflanze der Steppengebiete von Russland und Asien. Auch in Mitteleuropa hat sie ganz den Charakter einer pontischenPflanze. In Westpreussen ist sie wie Silene chlorantha (pag. 289), Astragalus Cicer, Oxytropis pilosa, CampanulaSibirica, Scorzonera purpurea, Hieracium echioides etc. an den Nebenflüssen der Weichsel in das Innere der Provinzgelangt (P r e u s s). Auf dem Geschiebemergel im Rondsner Wäldchen (Kreis Graudenz) tritt die Art in der VorgehölzFormation in Begleitung von Anemone pratensis (pag. 538), Scorzonera purpurea, Brunella grandiflora, Salviapratensis, Aster Amellus, Lilium Martagon, Asperula tinctoria, Inula hirta, Melampyrum nemorosum, Androsaceseptentrionalis, Genista tinctoria und Germanica etc. auf. In Böhmen (Milleschauer Mittelgebirge) erscheintA. silvestris auf den Heiden nach Domin auf offenen Stellen im Verein mit Calluna, Vaccinium Myrtillus,Luzula albida, Viola arenaria, Arabis arenosa, Galium silvestre, Polypodium vulgare, Aspidium Dryopteris,Veronica chamaedrys, Saxifraga decipiens, Valeriana officinalis und Myosotis suaveolens. In Thüringen, im Vogtlandund Harz tritt A. silvestris an den Steilhängen stellenweise als Felsenpflanze auf neben andern wärmeliebendenArten wie Carex Schreberi, Potentilla recta und canescens, Seseli Libanotis, Asperula cynanchica, TeucriumBotrys, Tunica prolifera, Gentiana ciliata etc. — Diese prachtvolle, durch ihre grossen, weissen Blüten schonvon fern auffallende Pflanze ist in Baden (Kaiserstuhl, Freiburg, Breisach, Heidelberg) gesetzlich geschützt.Ebenso besteht in Wien ein Verkaufsverbot.
1098. Anemone narcissiflöra 1 ) L. (= A. narcissifolia L., = A. umbelläta Lam. necWilld.,
= A. aconitifölia Turcz., = Pulsatilla narcissiflöra Schrank, = Homalocärpus narcissiflorus
Schur). Narzissenblütiges Windröschen. Tat. 115, Fig. 4 und Fig. 675.
Ausdauernd, (10) 20 bis 40 (50) cm hoch. Wurzelstock kräftig, walzlich, fastschwarzfaserig, absteigend. Stengel aufrecht, abstehend behaart. Grundständige Laub-blätter lang gestielt (Stiele ebenso wie der Blütenstiel lang zottig abstehend behaart), hand-förmig 3- bis 5-teilig, mit eingeschnittenen, 3- bis 5-spaltigen, keilig-dreieckigen, am Randeund auf den Nerven lang behaarten Abschnitten, auf der Unterseite meist völlig behaart.Blütenstiel aufrecht, behaart, bis zur Blütendolde blattlos. Blütenhüllblätter ungestielt, dreiteilig,ungleich tief gespalten, mit mehreren schmallinealen Zipfeln, wie die Grundblätter behaart.Blüten in (l) 3- bis 8-blütiger Dolde an ca. 3 bis 4 cm langen Stielen, + aufrecht, 2 bis 3(4) cm im Durchmesser, mit 5 bis 6 weissen, verkehrt-eiförmigen, 10 bis 15 cm langen Blüten-hüllblättern (Taf. 115, Fig. 4 a). Staubbeutel gelb. Früchte wenig zahlreich, gross, rundlich,seitlich flachgedrückt, kahl, mit steifem, ringsherumgehendem, 1 mm breitem Flügel und mit
mehrmals kürzer em Schnabel (Taf. 115,_______
Fig. 4 c, d, e, f, g). — V bis VII.
Ziemlich häufig auf üppigenAlpenmatten, Grasplätzen, zwischenLegföhren und im Gebüsche der sub-alpinen und alpinen Region vonca. 1500 bis 2500 m, selten auchtiefer (Amerlügen bei Feldkirch650 m, bei Kufstein [Sparchen] 480 m,an der Isar zwischen Krünn und Wall-gau und am Barmsee 830 m). Fast aus-schliesslich auf Kalk.
Ausser der Alpenkette im schwei-zerischen Jura (nordostwärts bis Delemont),in den Vogesen (Hohneck, Rinnkopf, Roten-bachkopf), im badischen Hegau (Talhof beiGeisingen, Länge bei Gutmadingen, Maien-bühl zwischen Oeffingen und Geisingen,Flachshans bei Ippingen, Bachzimmern, Eich-berg bei Blumberg, Kriegertal bei Talmühle),
£' ■..... ." .....
>.. i ■.;'■■ ™ v»« ' *
)
om. 9
f
- « W .
^"uS '.
• \\
—i— ! , i-i ......... ' ' ■ ' - '
Fig. 675.
Anemone narcissiflöra L. (daneben Veratrum album).Phot. O. Feucht, Stuttgart.
J ) Narzissenblütig. Lat. narcissus = Narzisse und flos (Genitiv flöris)des Blütenstandes mit dem der Narzisse (vgl. Bd. II, pag. 312).
Blüte; wegen der Aehnlichkeit