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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Gelegentlich wurden schon Exemplare mit himmelblauen (f. caerulescens Hausm.) oder mit +purpurrot gefärbten (f. purpuräscens) sowie solche mit zwei Blüten (f. biflöra Gross) konstatiert.Diese auffällige Art, welche sich, wo sie auftritt, gewöhnlich massenhaft vorfindet, ist in den Laub- undNadelwäldern der Südalpen von Oesterreich stellenweise sehr verbreitet und steigt an einzelnen Stellen in denkühlen Schluchten und Tälern oft tief hinab, so im Isonzotal bis ca. 60 m über Meereshöhe zusammen mitHacquetia Epipactis, Cardamine trifolia, Allium ursinum und Epimedium alpinum. In den Mischwäldern (vonOstrya, Quercus-Arten, Fagus, Fraxinus Ornus, Tilia-Arten, Acer pseudoplatanus, Philadelphus, Euonymusverrucosus und latifolius, Staphylea pinnata etc.) der Südalpen erscheint A. trifolia oft in Begleitung vonHelleborus niger und viridis, Isopyrum thalictroides (pag. 476), Epimedium aipinum, Euphorbia Carniolica,Omphalodes verna, Melittis, Lamium Orvala, Scrophularia vernalis, Asperula Taurina, Daphne Laureola etc.Sehr auffällig ist die Gesamtverbreitung dieser Art, welche heute in Europa 3 vollständig getrennte Gebietebewohnt. Im atlantischen Nordamerika findet sie sich nach Ulbrich in Formen, welche mit den europäischenvöllig identisch sind. Als wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen A. trifolia und nemorosa hebtPalla (Oesterr. Botan. Zeitschrift 1900, pag. 250) das regelmässige Vorkommen einer rudimentären Knospeneben der Blüte hervor (Fig. 670 c). Diese entspringt als Achselspross aus der Mitte der Basis desjenigen derdrei Stengelblätter, bei welchem der fast scheidenartige Grund am meisten verbreitert erscheint. Meistensbesteht die Knospe äusserlich scheinbar aus einem einzigen verkümmerten, kaum 1 mm langen, auf einen Stielreduzierten, fädlichen Blattgebilde. Nur ausnahmsweise sitzen auf dem rinnigen Stiele 1 oder 3 Teilblättchenoder es lassen sich von der Basis des Stieles umschlossen, die Anlagen eines zweiten und dritten Blatteserkennen. Gelegentlich entwickelt sich sogar der ganze Achselspross normal weiter und es kommt dann zurBildung einer zweiten Blüte, welche genau wie die Hauptblüte am Grunde von einem Quirl dreizähliger Blätterumgeben wird.

1095. Anemone nemorosa L. (= A. alba Gilib., = A. quinquefolia L., = A. pedataRaf., = Pulsatilla nemorosa Schrank). Busch-Windröschen. Franz.: Anemone desbois, paquette, fleur de vendredi saint; engl.: Wood anemone, grove wind-flower. Taf. 116,

Fig. 3 und Fig 671.

Von den zahlreichen Volksnamen dieser Pflanze (Frühlingspflanze! Auffälligkeit der weissen Blüten!Häufiges Vorkommen!), von denen hier nur eine Auswahl gegeben werden kann, bezieht sich ein grosser Teil aufdie frühe Blütenzeit (vgl. auch Galanthus, Leucoium Bd. II, pag. 307 und 310): Schneeblümel (Böhmerwald,Riesengebirge, Egerland, Niederösterreich), Schneeglöggli (Schweiz), Schneetröpferl, -röserl, -kaderl(Oberösterreich), Schnaekäthara (Schwäbische Alb), Märzableamla (Schwäbische Alb), Merzablüamli(St. Gallen), Merzaglöggli (Schweiz), Aprille (n)b lum(e) (Schwaben), Osterblom (nordwestl. Deutsch-land), Osterblume (Oberösterreich), Osterblüemli (Schweiz), (witt) Oöschen [ausOesterchen"](nördl. Deutschland), (wildi) Zitlosa (St. Gallen); Kuckucksblume (Mark, Nahegebiet, Pfalz, schwäbischeAlb), Guckuf(sblum e) (Nassau), Guggucher, Guggucherli, Guggoch-, Guggech-, Guggu-blueme, -blüemli (Schweiz), G eissblüemli, Geiss-Glöckli, -Meie(n), -Nägeli [dieGeiss"erscheint oft in den Benennungen von Frühlingsblumen!] (Schweiz), Eierblueme [zum Färben derOstereier] (St. Gallen). Andere Namen gehen auf die weisse Blütenfarbe zurück, so Käsblümchen (Eifel),Kasblüml (Böhmerwald), Quarkblume (Nordböhmen), Milch-Blüaml i (Schweiz: Aargau), Speck-blau me (nördl. Braunschweig), (witt es) Vij ehl che n [Veilchen] (Ostpreussen), weisses Hundsveilchen(Riesengebirge), weisse Schmalzblume (Oberösterreich), nackte Wiewken, Nacktenhiemdken(Westfalen), Hembepater, -klänger (Nordböhmen), Hemd-Glunggi (Schweiz: Aargau), Altweiber-gras (Böhmerwald), alte Weiber (Oberösterreich). Für die Benennungen Mühlradi (Tirol, Kärnten),Stern(e)Ii (Schweiz) war die Form der Blüten, für Kronhaxen [= Krähenfüsse] (Niederösterreich) wohldie der Blätter massgebend. Auf das Vorkommen im Wald und unter Gebüsch (im Gras) weisen hin:BäTdreashle, -glocken (Krain: Gottschee), Waldglöckli (Schweiz), Buschrösl (Erzgebirge), Holz-blüemle (Schweiz), Hasselblaume [unter Haselsträuchern] (Nördl. Braunschweig), Grasveilchen,-blümli (Erzgebirge). Namen wie Katzenblume (Henneberg), Zegenblaume (Braunschweig), Küh-hunger (Nordböhmen) sollen wohl einen Ausdruck für das häufige Vorkommen und die minderwertigen Eigen-schaften als Futterkraut geben. Windröschen (Braunschweig), Windrose (Riesengebirge), Wind-BIüemli(Schweiz) scheinen nach dem wissenschaftlichen Namen (vgl. Anm. 517) gebildet worden zu sein. Beziehensich Oogenblöme (Ostfriesland), Augenblume (Schlesien) darauf, dass nach dem Volksglauben mancherGegenden das Einreiben der Augen mit den im Frühjahr zuerst gefundenen Anemonen (auch Veilchen,Schlüsselblume) das ganze Jahr vor Augenkrankheiten schützen soll? Andere Benennungen sind schliesslichnoch Gockeler (bayer. Schwaben), Hexenblum (Erzgebirg), Bettseicher, -brunzerli (Schweiz).