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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Mulgedium alpinum etc. Die Blütevon Clematis alpina ist eine ausgespro-chene homogame Bienenblume, bei wel-cher die grossen, violettblauen Perianth-blätter als Schauapparat dienen. Innerhalbderselben folgt ein Kranz von weissen,spateiförmigen Honigblättern (bei C. Vit-alba, integrifolia fehlen diese), welchedurch Zwischenformen zu den Staub-blättern überleiten (Taf. 114, Fig. 4 abis c). Der Honig wird von den rinnen-förmig ausgebildeten Basalpartien derStaubblätter abgeschieden und kann nurvon kräftigen, von unten her die Staub-blätter auseinanderdrängendenBienen undHummeln geholt werden. Wie viele Lianender Tropen (Bignoniaceae, Malpighia-ceae) zeigen ältere Sprosse einen derLänge nach zerklüfteten Holzkörper.Die keilförmigen Holzteile werden durchein lockeres, grossmaschiges Markstrah-lenparenchym voneinander getrennt(Fig. 660 g). Im Gegensatz zu C. Vitalbaverkleinern sich im Holzkörper die Ge-fässe ganz allmählich.

Fig. 662. Geographische Verbreitung von Clematis alpina(L.) Mill. in Europa(nach Leon Marret. Icones Florae Alpinae Plantarum, Paris 1911).

1088. Clematis Vitalba 1 ) L. Gemeine Waldrebe. Franz.: Clematite des haies,herbe aux gueux; viorne, vigne blanche, berceau de la Vierge; engl.: Old man's-beard,traveller's-joy, virgins-bower; ital.: Clematide, vitalba, viorna; vidalbora (Tessin). Taf. 117,

Fig. la bis e, Fig. 663, 664 und Fig. 668d.

Von althochdeutsch liela, mhd. liele leiten sich ab Lelum (Nahegebiet), Leelhecken (an derMosel), Lieln (Salzburg), Lieloch (Krain: Gottschee), Lählen (Siebenbürgen), Liele, Jele (Schweiz),Liern, Liere, Lierach, Lüln (österreichisch), Lehnheck (Eifel), Lian (Oberösterreich), Lenna(Schwab. Alb), Liene(n) (Elsass, Schweiz). Aus Liele entstand durch Dissimilation das Schweiz. Niele.Weitere Umbildungen des Wortes sind Lir s ch'n, Nirsch'n, Jilgen, Jül'n (Niederösterreich), Hiele(Solothurn), Wiele (Glarus). Auf die strickartigen Stengel dieser einheimischen Liane gehen: Waldstrick(Salzburg), Bergrebe (Schwaben), Winden (Oberösterreich), Teufelszwirn (bayer.-österreich.), Deu-w eisranken (Braunschweig), T eufel sreben (Kärnten), Hex enzwirn, - sträng (Salzburg). Knaben rauchengern die trockenen Stengel, daher in der Schweiz R auchh olz , Räucherli genannt, in Württemberg (Tübingen)Narrenholz (Knaben bekommen beim Rauchen gern Schwindel). Ausserdem heisst die Pflanze noch Hotten,Hatt'n [bezieht sich auf den Fruchtstand] (Niederösterreich), Hoddasaeler [= -seile], Renna, Trenna[= d'Renna] (Schwäbische Alb).

Ausdauernder Strauch mit kräftigem, knotigem Wurzelstock. Stengel klimmend,bis ± 3 cm im Durchmesser und bis 5 m lang, im Alter verholzend und in Längsfasern zer-fallend (Fig. 660 a), kahl, in den obersten Teilen flaumig, vielkantig. Laubblätter gegenständig,gestielt, unpaarig gefiedert, mit 3 bis 5 langgestielten, länglich-eiförmigen bis fast herz-förmigen, meist lang zugespitzten, ganzrandigen oder unregelmässig gekerbtgesägtenBlättchen, sämtliche Blattstiele rankend. Blütenstände blattwinkel- oder endständig, in +reichblütigen Trugdolden. Blüten schwach wohlriechend (nach Weissdorn duftend), langgestielt, mit 4 ca. 12 mm langen, schmalen, beiderseits weissfilzigen, milchweissen oder aussengrünlichen, abstehenden bis zurückgebogenen Blütenhüllblättern und mit zahlreichen, nurwenig kürzeren Staubblättern. Honigblätter fehlend. Fruchtknoten zahlreich, behaart

') Lat. vftis = Rebe und albus = weiss; nach den weissen Blüten dieses Schlinggewächses.