Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
510
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

510

Stellenweise (doch zerstreut) an Felsen, im Gebüsch, in Wäldern, schattigenSchluchten, auf Schutthalden der Voralpen und Alpen; vereinzelt von 1000 bis 2400 m(Rosengarten in Südtirol). Nicht allzuselten in die Täler und Schluchten hinabsteigend

bis gegen 300 m (Blumau, Auer beiBozen ca. 300 m; mit der Isar bis Gross-hesselohe oberhalb München). Beson-ders auf Kalk, seltener auf Urgestein.Selten auch in Gärten angepflanzt.

Allgemeine Verbreitung:Alpen, Appenin, Siebenbürgen, Russisch-Lappland, Samojedenland, Waldei-plateau, Provinz Archangelsk, Ural,Nordasien (von Transbaikalien bis Pe-king, Kamtschatka, Sachalin und Japan),Nordamerika (Rocky Mountains undCascade Mountains bis Californien, Co-lorado sowie im Westen von Minnesotaund Wisconsin bis Maine, Pennsylvaniaund Virginia). Vgl. Fig. 662.

Aendert ab: var. typica Beck (=var.normälis O. Kuntze). Blätter doppelt drei-schnittig (Typische Form). var. subbiter-näta Beck. Blätter unpaar fiederschnittig mitlappigen untersten Fiedern. var. läctea Beck.Perigonblätter weiss (Selten). var. pällidaAusserdorfer. Perigonblätter frisch hell rosafarben,getrocknet schwach bläulich [(Tirol: Virgen;Niederösterreich: Rax).lusus KraettlianaSchröter. Perianthblätter zierlich gefranst. Blüten (ob immer?) 5-zählig (Oberengadin: Bevers).

C. alpina, die einzige Liane der Alpenkette, besitzt ein sehr grosses, jedoch eigenartig entwickeltesVerbreitungsareal. Zunächst können wir ein westliches (Alpen, Apennin, Siebenbürgen) und ein östlichesHauptareal (Nordrussland, Nordasien, Nordamerika) unterscheiden, welche von einander durch ca. 1000 kmgetrennt sind. Innerhalb des alpinen Areals lässt sich weiter ein westalpiner (Seealpen, Dauphine, Savoyen, Apennin;für die Pyrenäen sehr zweifelhaft) und ein ostalpiner (Graubünden, bayerische und österreichische Alpen,Veuezien) Bezirk (Fig. 662) erkennen, welche durch wenige Zwischenstandorte (Audey in Hochsavoyen, Salevebei Genf, Charmey im Kanton Freiburg und Klus bei Boltigen im Berner-Oberland) verbunden werden. Ineinem grossen Teil der Alpen (Wallis, zentrale Schweiz und z. T. in Vorarlberg), ebenso im Kaukasus, Skan-dinavien sowie in der Arktis fehlt die Alpenrebe gänzlich. Während sie im westlichen Hauptareal, abgesehenvon einigen wenigen Blatt- und Blütenabweichungen, durch eine grosse spezifische Stabilität ausgezeichnet ist,erweist sie sich im östlichen Hauptareal als sehr polymorpher Typus (hieher die var. Sibirica Regel et TU.,Ochotensis Regel et TU., macropetala Ledeb., platysepala Trautv. und var. occidentälis [Hörnern.] Gray[= Atragene Americana Sims]). Innerhalb der Alpenkette erscheint C. alpina mit Vorliebe in der Krumm-holzzone (Bd. I, pag. 103), im Rhododendron-Gebüsch, als Unterholz der Alpen-und Voralpenwälder (pag. 413) oderaber auf bewachsenen Schutthalden und zwar mit deutlicher Bevorzugung der Kalkalpen. Nicht selten um-kleidet sie einzelne Kalksteinblöcke, wo ihr dann Lonicera alpigena, Sorbus chamaemespilus, Pinus montana, Ericacarnea, Aspidium Lonchitis und Robertianum, Valeriana montana, Globularia nudicaulis, Dentaria enneaphyllos,Veronica urticifolia, Homogyne alpina, Saxifraga rotundifolia, Heliosperma quadrifida, Sesleria caerulea,Hieracium murorum, Bellidiastrum Michelii etc. Gesellschaft leisten. Wie verschiedene andere subalpine Ge-wächse steigt auch C. alpina tief in die Täler hinab und lässt sich den grossen Alpenflüssen entlang zuweilenweit in die Ebene hinaus verfolgen (an der Isar bis Grosshesselohe ob München, am Fusse des Oetscher undbei Lunz in Niederösterreich, im Pischenzatal bei Kronau im oberen Savetal usw.). Ebenso findet sie sich inden Dolinen des Karstes vor, so in den Eishöhlen des Ternowaner Waldes in Begleitung von Salix grandifolia(pag. 36), Rosa alpina, Lonicera alpigena und caerulea, Ranunculus platanifolius, Melampyrum silvaticum,

Fig. 661. C lematis alpina (L.) Mill. Phot. Hans D opfe r, München.