Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
481
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

481

1072. Aquilegia vulgaris L. (= A. silvestris Neck., = A. cornüta Gilib., = A. versicolorSalisb.). Gemeiner Akelei. Franz.: Gants de Notre Dame, aiglantine, cornetie, ancoliecommune, a. des jardins, manteau royal; engl.: Columbine, capon's feather, culver Key; ital.:Amor nascoto, aquilina, fior cappuccio, amor perfetto. Taf. 112, Fig. 3, Fig. 646 c, d und 658h.

Das deutsche Akelei scheint aus Aquilegia entstellt zu sein (vgl. Anm. pag. 480). Nach der Bluten-form heisst die Pflanze: Klokenblome (nordwestl. Deutschland), Glockenblume (Rheinlande, Hessen,Schlesien), Glock e(n)-Blu em (Elsass, Schweiz), Gloggächerut (Schweiz: Waldstätten), Glockenrose(Anhalt), Gl ocke nm o dl (Südtirol), Glockastock (Schwäbische Alp), Klockjes (Ostfriesland), Glocken[Glogga] (Krain : Gottschee; Schweiz), Glöckl (Nordböhmen), Glöggli (Schweiz), blaue Glöckchen (Ost-preussen), Rotzglocken (Oberösterreich), Zuckerglocken (Schweiz: Thurgau); Handschuh (Nieder-österreich), Narrenkappen (Elsass. Schweiz), Pf af f e(n)-Chapp e(n) (Zürich), Chapizi nerchapp a ,Kapuzinerhüetli (St. Gallen), Weiberkappen (thüring. Niederhessen), Franzos [nach demPumphosen"der Franzosen?], Schwy zerhose, Plamp-, Schlotterhose, Hoselätzli (Schweiz). Nach der Farbe bezw.den abfärbenden Blüten heisst die Akelei in der Schweiz noch Tinteglogge, -blueme (Thurgau), Färbara(St. Gallen)), Farb-Blueme (Zürich). Andere Benennungen sind schliesslich noch Adlerblueme (ZürcherOberland), Hungchlerut [= Honig-], Marünggeli, Föse (Thurgau), Manselblueme [vgl. NarcissusPseudonarcissus, Bd. II, pag. 3131] (Aargau), Goldwurz [Verwechslung mit Lilium Martagon? vgl. Bd. II,pag. 236] (Steiermark).

Ausdauernde, 40 bis 60 (80) cm hohe Staude. Wurzelstock kräftig, kurz, meistmehrköpfig. Stengel steif aufrecht, meist verzweigt, beblättert, kahl oder weichhaarig,fast stets mehr- (3- bis 10-) blutig. Grundständige Laubblätter lang gestielt, 1- bis 2-fachfiederteilig, mit keilig-eiförmigen, stumpfen, unregelmässig gekerbten (Kerben meist breiterals lang) bis eingeschnitten-stumpfgelappten Endblättchen, auf der Unterseite meist hellergrün und behaart. Stengelblätter den grundständigen ähnlich, jedoch kleiner und einfacher,die oberen meist nur aus einigen (3) länglich-eiförmigen, ganzrandigen Lappen bestehend.Blüten nickend, lang gestielt, bis 5 cm im Durchmesser, dunkelblau, dunkelviolett, rosa bisweiss (alle Farbenübergänge). Blütenhüllblätter 5, farbig, breit-eiförmig, unten stumpf, obenin eine stumpfe, grüne Spitze auslaufend, wagrecht abstehend, 15 bis 30 mm lang. Honig-blätter 5, kapuzenförmig, mit langem, hakig nach einwärts gebogenem Sporn, mit dem-selben ca. 30 mm lang. Staubblätter zahlreich, büschelförmig gedrängt, gelb, die unfrucht-baren stumpf. Fruchtknoten + 5, schmal, langgeschnäbelt, klebrig-drüsig behaart. Balgfrüchtelanggestreckt, aufrecht, mit Queradern. Samen glänzend schwarz, oval, stumpf-zugespitzt,2,2 bis 2,5 mm lang. V bis VII.

Häufig in lichten Laubwäldern, an Abhängen, in schattigen Tälern, auf Wiesen, inGebüschen, Auenwäldern, an Waldrändern, auf steinigen, buschigen Stellen; von der Ebene(hier nicht überall) bis in die alpine Region (bis ca. 2000 m).

Fehlt im nordwestdeutschen Flachland gänzlich; an anderen Stellen als alte Gartenpflanze seit langerZeit verwildert und eingebürgert, so in Mecklenburg (bei Rostock in der Sildemower Liep) und in Schleswig-Holstein (am Schlosswall zu Gelting ; Scharbeutz, Eibabhänge bei Blankenese etc.), um Lübeck, in Thüringen(am Burgberge bei Aschersleben, im Kühnauer Park) etc.

Allgemeine Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa (nördlich bis Südskandinavien),Nordafrika, gemässigtes Asien (östlich bis China).

Von den zahlreichen beschriebenen Formen, die alle + ineinander übergehen, mögen die folgendengenannt sein: I. subsp. vulgaris L. (= var. typica Beck, = var. a väria Neilr., = var. pratensis Kitt.,= var. genui'na Rouy et Fouc). Blüten gross, meist^blau, seltener hellblau, rosa- oder fleischrot oder gardunkelviolett (var. pseudoaträta Erdner), zuweilen auch gefüllt. Blütenhüllblätter meist über 25 mm lang.Staubblätter die Honigblätter nicht oder nur wenig überragend (Taf. 113, Fig. 3 a). Laubblätter doppelt 3-teiligm it gestielten mittleren Endblättchen, unterseits + behaart. Stengel fast kahl (Ziemlich verbreitet). Hieherferner: var. glandulöso-pilösa Schur. Pflanze kleiner, Stengel reichlich kurzhaarig, zum Teil drüsig-flaumigbehaart (Selten). var. Ebnerl Beck (= A. Ebneri Zimmeter). Laubblätter unterseits dichter feinhaarig-Blüten jedoch kleiner, selten auch weiss (Blütenhüllblätter bis 18 mm lang). var. notäbilis Beck. Laub-blätter einfach 3-teilig. Zipfel erster Ordnung lang gestielt, fast herzförmig, + tief, oft bis zum Grunde