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Franz.: Nielle, nigella; ital.:
CCXCI. Nigella 1 ) L. Schwarzkümmel.
Nigella.
Einjährige Arten, mit 2- bis 3-fach fiederteiligen Laubblättern. Blüten zwitterig,meist einzeln, strahlig. Perianthblätter 5, meist blumenkronenartig, spateiförmig, bleibend,kurz gestielt, bläulich oder gelb. Honigblätter 5 (8), vor den Perianthblättern stehend,kurz, becherförmig, benagelt, 2-lippig. Unterlippe 2-spaltig (Taf. 112, Fig. 2a; Fig. 644b, g).Staubblätter zahlreich. Fruchtknoten 5 bis 10, + hoch verwachsen, lang geschnäbelt(Taf. 112, Fig. 2b; Fig. 644i), aufgeblasen. Samen zahlreich, durch gegenseitigen Druckscharf 2- bis 3-kantig (Taf. 112, Fig. 2 c und Fig. 644 e), in 2 Reihen angeordnet.
Die Gattung umfasst 16, besonders im Mittelmeergebiet beheimatete Arten. In Mitteleuropa kommteinzig nr. 1068 wild vor. Die Gattung hat, soweit wenigstens die Morphologie des Honigblattes in Betrachtkommt, mit den zygomorphen Gattungen Delphinium und Aconitum die nächsten verwandtschaftlichen Beziehungen(vgl. pag. 486). So verschiedenartig auch die höchstspezialisierten Honigblätter bei Nigellen und Delphinien sind, solassen sich diese doch einerseits durch Nigella integrifolia, andrerseits durch die Jugendzustände der Delphinium-Petalaauf denselben Grundtypus zurückführen (vgl. Schröding er, Rudolf. Der Blütenbau der zygomorphen Ranun-culaceen. Abh. Zoolog.-botan. Gesellschaft Wien. 1909, Bd. IV). Die Blüten der Nigella-Arten sind ausgesprochenproterandrisch. Der Honig wird im Innern, an der Unterseite des Knies der eigenartig geformten Honig-blätter abgesondert und in der Röhre geborgen. Sprengel bezeichnete sie als „Saftmaschinen". Sie sindblau oder dunkelgrün gefärbt und mit weissen oder gelbgrünen Querbinden versehen, besitzen einen hohlen,
knieförmig gebogenen Stiel und erweiternsich von dem Knie an zu einem krugartigenNektarbehälter. Letzterer ist oben durch einenlose aufliegenden Deckel verschlossen. „Nurdie klugen Immen wissen den Nektar zu findenund den Deckel zu öffnen; indem sie beidiesem Geschäft sich von einer Saftmaschinezur andern begeben, marschieren sie in einemKreise in der Blüte umher und berühren dabeimit ihrem Rücken in jüngeren Blüten die dengelben Pollen nach unten darbietenden An-theren, in alten Blüten die deren Stelle spätereinnehmende Narben" (Kirchner). Die Samenvon N. Damascena und anderen Arten ent-halten nach O.Keller verschiedene Alkaloide.— Mehrere Nigella-Arten sind bei uns beliebteZierpflanzen, so vor allem: 1. NigellaDamascena L. (= N. caerulea Lara., =N. multi'fida Gatereau, = Melänthium Damas-cenum Medic). DamaszenerSchwarz-kümmel, Jungfrau im Grün, Braut in Haaren.Franz.: Barbiche, cheveux de Venus, barbe decapucin, barbeau, nigelle de Damas; engl.:Love-in-amist, devil in a bush; ital.: Anigella,damigella, scapigilate, streghe, erba bozzolina,bizzari (Tessin). Fig. 644 a bis e. Fast sämt-liche Volksbenennungen vom Norden bis nachSüden spielen auf einen Vergleich der vonden zahlreichen zerschlitzten Hochblättern um-gebenen Blüten mit einem Mädchen (Braut,Jungfer, Gretl) in einer Hecke (Staude usw.)an: Gretli im Busch (Schweiz), Gretl inder Stauden (Oesterreich), Gredl hinterder Stauden (Niederösterreich), Gretl in
Fig. 644. NigellaDamascenaL. a Habitus (^natürl. Grösse). & Honig-blatt, c, d Frucht (Quer- und Längsschnitt), e Same. — Nigella sativaL. / Habitus ( l /3 natürl. Grösse), g Honigblatt. h Perianthblatt. i Frucht.
") Wohl von lat. niger = schwarz, Deminutiv nigellus = schwärzlich; nach der Farbe der Samen.