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Tafel 112.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Paeonia foemina (pag. 456). Blütenzweig.
„ 1 a. Samen.
„ 2. Nigella arvensis (pag. 475). Habitus.
„ 2 a. Honigblatt.
„ 2b. Balgfrüchte.
„ 2 c. Samen.
„ 2d. Staubblatt.
„ 3. Aquilegia vulgaris subsp. atrata (pag. 482).
Fig. 3a. b. Aquilegia vulgaris (pag. 481). Blüten-spross und junge Frucht.
„ 3c Staubblätter mit Staminodium.
„ 3d. Längsschnitt durch einen einzelnen Frucht-knoten.
„ 3e. Gefüllte Blüte von A. vulgaris.
„ 4. Aquilegia alpina (pag. 482). Blütenspross.
handförmig zerschlitzten, + wagrecht abstehenden Laubblättern, die in ihrer Mitte dieeinzige stiellose, endständige Blüte tragen. Grundständige Laubblätter erst nach der Blüteerscheinend, lang gestielt, rundlich-herzförmig, 5- bis 7-teilig, mit linealen Abschnitten.Blütenhüllblätter meist 6 (5 bis 8), 10 bis 15 (22) mm lang, schmal länglich-eiförmig, meistganzrandig, seltener eingeschnitten, gelb. Kronblätter meist 6, schmal trichterförmig, alskurze, gelbliche Honigblätter ausgebildet (Taf. 111, Fig. 4b). Staubblätter zahlreich,kürzer als die Blütenhülle. Fruchtknoten 4 bis 8, frei. Balgfrüchte braun, bis 15 mmlang, durch den Griffelrest geschnäbelt (Taf. 111, Fig. 4a), meist quergestreift. Samenin jeder Balgfrucht mehrere, braun, 2,5 mm lang, etwas kantig (Fig. 645k). — I bis III.Hie und da unter Gebüsch, in Hecken, in schattigen Hainen, Wäldern, Gras- undObstgärten, Parkanlagen, Weinbergen, in der Umgebung von Schlössern, alten Burgen,Klöstern (zuweilen in Menge) verwildert und eingebürgert.
In Deutschland u. a. in Oberbaden (in Weinbergen bei Thiengen, Grenzach, Fischingen, Weil,Binzen, in den Anlagen des Heidelberger Schlosses angepflanzt), Württemberg (Göppingen, Calw, Geislingen,Ulm [am Michelsberg], Neufra im Bezirksamt Riedlingen), in Bayern (eingebürgert in Rothenburg o. T.,St. Johannis bei Nürnberg), Elsass-Lothringen (Ruine Landsberg unweit Barr), in Brandenburg (SchlossgartenFreienwalde, Wriezen), Thüringen (Rautal bei Jena), in Westfalen (um Westerholz bei Buer, Paderborn,Havisbeck), Mecklenburg (Eibufer bei Boizenburg, Pfarrberg bei Satow unweit Kröpelin), Schleswig-Holstein(beim Schloss Husum, Fürstengarten zu Lauenburg, am Schloss zu Ahrensböck, Bellevue bei Kiel). InOesterreich in Niederösterreich (um Wien; im Wiener Walde von Botanikern mehrfach angebaut, dochmeist wieder verschwindend), in Tirol (um Bozen mehrfach [bereits 1849] zur versuchsweisen Verwilderungangepflanzt), Krain etc. In der Schweiz bei Bex, Yverdon, Biel, Solothurn (Blumenstein, St. Nikiaus),Wöschnau bei Ölten, bei Zürich (Stephansburg, Waid), Kemptner Bachtobel bei Wetziken, zwischen Riehenund Weil bei Basel etc.
Allgemeine Verbreitung: Südeuropa (von Südfrankreich durch Ober- undMittelitalien, Kroatien, Slavonien, Dalmatien bis Bosnien und Serbien); ausserdem in Mittel-europa und Nordamerika zuweilen verwildert.
Die Blüten von Eranthis schliessen sich abends 7 Uhr (ebenso bei trüber Witterung) zusammen undbilden über den Staub- und Fruchtblättern eine schützende Kuppel. Tagsüber breiten sich die Perianthblätterzu einem flachen Sterne aus, welcher Vorgang sich wie beim Leberblümchen und bei Parnassia palustriswährend 8 Tagen wiederholen kann. Während dieser Zeitdauer erreichen die Perianthblätter das Doppelte ihrerursprünglichen Grösse; sie verlängern sich von 11 auf 22 mm (nach Kern er). Die Blüten sind homogam. Inden .'geschlossenen Blüten kann durch Berühren der Staubbeutel und Narben spontane Selbstbestäubungerfolgen. Als Bestäuber kommt in erster Linie die Honigbiene in Betracht, daneben einige Fliegen. DieKnolle entsteht durch starkes Anschwellen des hypokotylen Gliedes. Im ersten Jahre bringen es die jungenPflänzchen in der Regel nur zur Bildung eines einzigen Laubblattes. — Wegen der frühen Blütezeit ist Eranthisbei uns eine beliebte Gartenpflanze (seit dem 16. Jahrhundert) und wird deshalb gern allein oder in Ver-bindung mit Leucoium vernum, Scilla Sibirica etc. auf Rasenflächen oder in lichten Gebüschen angepflanzt. DieVermehrung erfolgt am besten durch Teilung der Stöcke.
Hegi, Flora Bd. III. 84