Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
452
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

452

Fig. 632, Figur rechts: Laubblatt von Ranunculus Ficaria (/ Blattspreite,

5 Blattstiel, sp Blattscheide). Honigbliitter. a Aconitum, b Nigella arvensis.

c Helleborus. d Ranunculus flammula (e Honigtasche vergrössert).

Die Ranunculaceen bilden trotz der grossen Verschiedenheiten im Blüten- und Fruchtbau eine sehrnatürliche Gruppe. Krautartige Formen wiegen vor, während ganz- oder halbsträuchige Vertreter nur sehrspärlich vertreten sind. Einjährige Arten gibt es in den Gattungen Nigella, Adonis, Delphinium und Ranun-culus, ferner Myosurus arvensis, Lepto-pyrum fumarioides, Garidella nigellastrum.Die Kotyledonen sind bei einzelnen Arten+ verwachsen (vgl. Eranthis), so dassscheinbar nur 1 Keimblatt vorhanden ist(Ranunculus Ficaria). In anderen Fällenbleiben die Keimblätter unterirdisch (hypo-gaeisch). Die bei mehreren Formen (Eran-this, Ranunculus bulbosus, Aconitum Na-pellus, Paeonia etc.) vorkommenden Knollen-bildungen haben verschiedenen morphologi-schen Wert. Die Laubblätter sind meist inSpreite, Stiel und Scheide gegliedert (Fig.632Figur rechts), von denen die letztere (Iso-pyrum, Thalictrum; siehe dort!) sich in zweiseitliche Läppchen verlängern kann. DieSpreite selbst ist selten einfach, dabei ent-weder lang gestreckt (Ranunculus grami-neus, Lingua, Flammula, Illyricus und Pyre-naeus, Myosurus minimus), rundlich - nierenförmig (Caltha, Ranunculus Thora, crenatus) oder herzeiförmig(Ranunculus parnassifolius), meist + gelappt bis geteilt, oder 2- bis 3-fach zusammengesetzt und zwar vor-herrschend bandförmig, seltener fussförmig (Helleborus). Die Hochblätter sind bei einzelnen Gattungen eigen-artig gestaltet, fingerig-teilig und seidenzottig (einzelne Anemone-Arten), laubblattartig oder selten kelchähnlich(Anemone Hepatica). Bei zahlreichen Arten (Eranthis, einzelne Anemonen) trägt der Stengel nur eine einzigeverhältnismässig grosse Endblüte, während bei anderen Gattungen reichblütige Trauben (Aconitum, Delphinum,Actaea, Cimicifuga, Thalictrum) oder cymöse Verzweigungen (Helleborus, Ranunculus, Anemonen) vorkommen.Der Bau der Blüte ist vorherrschend spiralig, seltener hemieyklisch, indem die Blätter der Blütenhülle quirligangeordnet sein können. Die Vorfahren der Ranunculaceen hatten wahrscheinlich Blüten mit nur einfacherHülle, wie wir sie noch typisch bei den Clematis- und Anemone-Arten vorfinden. Zwischen der Blütenhülleund den Staubblättern sind in vielen Fällen eigenartig ausgebildeteHonigblätter" eingeschaltet; letztere sindröhrig-trichterförmig (Helleborus; Fig. 632 c), napfförmig (Coptis), spatelig (Actaea), kurz-becherförmig (Nigella;Fig. 632b), löffelartig (Trollius, Isopyrum), gespornt (Aquilegia), kapuzenförmig (Aconitum; Fig. 632a), kurzbecher-förmig oderpetaloid mitgrundständigerHonigtasche (Ranunculus [Fig.632d,ej,Myosurus, Callianthemum). Diehöchstspezialisierten Honigblätter treten bei den Gattungen Delphinum und Aconitum auf (Fig. 632a). Seltener wird derHonig von den Staubblättern (Pulsatilla) oder von den Fruchtblättern abgesondert. Bei den Gattungen Clematis, Ane-mone, Adonis und Thalictrum findet überhaupt keine Nektarabsonderung statt. Die Blüten der Ranunculaceen sindhomogam, schwach proterandrisch, seltener auch proterogyn. Die Bestäubung erfolgt durch Vermittelung vonpollensammelnden oder honigsaugenden Insekten (letztere gehören den verschiedensten Ordnungen an), wobeidie Blütenhülle, die Honigblätter oder seltener die Staubblätter (Thalictrum) als Schauapparate wirken. DieGattung Thalictrum mit wenigen und sehr hinfälligen Perianthblättern, aber zahlreichen Staubblättern ist anemophil.Die Verbreitung der Früchte durch den Wind vermitteln verlängerte und behaarte Griffel (Pulsatilla, Clematis),häutige Ränder der Früchte (Thalictrum, Anemone narcissiflora) oder geflügelte Samen (Aconitum). AndereArten mit hakigen Früchten (Ranunculus arvensis etc.) werden durch Wirbeltiere, solche mit beerenartigenFrüchten (Actaea) besonders durch Vögel verschleppt. Die mit einem Anhängsel versehenen Samen von Helleborusfoetidus (Taf. 111, Fig. 1 b) werden von Ameisen aufgesucht. Zahlreiche Arten besitzen keine äusserlich sicht-baren Verbreitungsmittel, so Nigella, Isopyrum, Trollius, Eranthis, Aquilegia, Adonis etc.), während die Samenvon Caltha palustris schwimmfähig sind. Ungeschlechtliche Vermehrung erfolgt bei mehreren Arten durchKnollen (Aconitum etc.), Ausläufer (Ranunculus repens) oder Bulbillen (Ranunculus Ficaria). Parthenogenesewurde bei dem nordamerikanischen Thalictrum purpurascens nachgewiesen. Bei Ranunculus Ficaria undEranthis gelangen die Embryonen in den Samen erst nach dem Ausstreuen der Samen zur Entwicklung. GefüllteBlüten sind fast aus allen Gattungen der Familien bekannt (Taf. 113, Fig. 3e) und werden nicht allzu seltenauch im Freien beobachtet (Aquilegia, Ranunculus). In der Mehrzahl der Fälle werden dieselben durch korollinischeAusbildung der Staubblätter oder Honigblätter hervorgebracht. Gelegentlich zeigen auch die Hochblätter petaloideAusbildung. Ebenso sind Vergrünungen der Blüten und Stengel-Verbänderungen nicht allzu selten anzutreffen.