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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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1011. Alsine Strfcta Wahlenb. (= Minuartia stricta Hiern, = Spergula stricta Sw.,~ Stelläria stricta Sw., = Arenaria uliginösa Schleich., = A. Lappönica Spreng., = Alsinella

stricta Sw., = Alsinänthe stricta Rchb.). Steife Miere. Fig. 612i bis 1.

Ausdauernd, 5 bis 20 cm hoch, von der Tracht einer Sagina oder Spergula, dicht-rasig, blühende und nicht blühende Triebe bildend. Blühende Stengel steif aufrecht, amGrunde kurzgliederig, oberwärts blattlos, wie die ganze Pflanze kahl. Laubblätter fädlich,spitz, halbstielrund, nervenlos, am Grunde zusammengewachsen, unten ziemlich gedrängtstehend, oberwärts entfernter. Blütenstiele sehr (15 bis 35 mm) lang, dünn, kahl, oft zu3 (seltener einzeln oder 5 bis 7)- Kelchblätter eilanzettlich, spitz, spitzlich, frisch nervenlos,getrocknet 3-nervig. Kronblätter länglich-elliptisch, am Grunde keilförmig, so lang oderetwas länger als der Kelch, weiss (Fig. 612k). Kapsel eiförmig, länger als der Kelch(Fig. 6121). Samen braun, nierenförmig, erhaben punktiert. VI bis VIII.

Sehr selten (im Verschwinden begriffen!) auf Hochmooren, seltener auf Flach- undZwischenmooren und Torfsümpfen.

In Deutschland vereinzelt in Oberbaden (Tiefer Graben und Ruhstetter Gemeinderiet bei Kloster-wald), in Württemberg (Hochmoore des oberschwäbischen Moränengebietes: Gebrazhofen, Berkheim, Rothund Wurzacherried im Oberamt Leutkirch, Buchau und Oggelshausen im Oberamt Riedlingen, Dietmanns imOberamt Waldsee, bei Isny und Kisslegg) und mehrfach in den Filzen der bayerischen Hochebene (Memmingen,Schongau, Starnberg, Leutstetten, Deininger Moor, Röthenbacher- und Eckerfilz bei Wasserburg, am Chiemsee,Schönramer Moor, um Augsburg [mehrfach], Nannhofen, Haspelmoor, bei Pulling im Erdinger Moor, Dinkel-scherben). Fehlt in Oesterreich vollständig. In der Schweiz einzig in den Torfsümpfen des Neuenburger-und Waadtländer-Jura (la Trelasse, la Vraconnaz, Sentier 1020 m).

Allgemeine Verbreitung: Schweizer und Französischer Jura, oberschwäbischeHochebene (fast nur im Moränengebiet), England, nördliches und arktisches Europa, Grön-land, arktisches Sibirien.

Diese unscheinbare, immer mehr aus unserer Flora verschwindende Alsine stellt wie Betula nana(pag. 82), Juncus stygius (Bd. II, pag. 163), Carex microglochin und capitata (Bd. II, pag. 55), Salix myrtilloides, Saxi-fraga hirculus etc. einen arktisch-alpinen oder genauer einen arktisch-präalpinen Typus dar, dessen Urheimat imhohen Norden zu suchen ist und der während der Gletscherzeit bis in den Bereich der alpinen Gletscherzonevordringen konnte. Im Gegensatz zu den echt alpin-arktischen Spezies ist Alsine verna nicht ins Alpengebieteingedrungen.

1012. Alsine biflora (L.) Wahlenb. (= Minuartia biflora Schinz et Thellung, = Stellariabiflora L., = Sabulina biflora Rchb., = Arenaria sphagnoides Thomas, = A. occulta Fisch.,

= A. Scandinavica Spreng.). Zweiblütige Miere. Fig. 613a bis d.

Ausdauernd, 3 bis 10 cm hoch, ziemlich dichtrasig, in der Tracht einer Saginaoder Spergula, aufrechte, entferntbeblätterte, bleibende und niederliegende, dichtbeblätterteSprosse entwickelnd. Blütenstiele gebogen, aus niederliegendem Grunde aufsteigend, ober-wärts mit wenigen Blattpaaren. Laubblätter schmal lineal, halbstielrund, stumpf, 1-nervig,unterseits etwas konvex. Blüten einzeln (in den Alpen allermeist) oder zu zweien endständig.Blütenstiele flaumig. Kelchblätter lineal, aufrecht, sehr stumpf, an der Spitze kappenförmig,3-nervig (Fig. 613 c). Kronblätter bis 5 mm lang, H/2 mal so lang als der Kelch, länglich-keilförmig, aufrecht, weiss, beim Verwelken oft rosarot werdend. Kapsel H/2 mal so langals der Kelch (Fig. 613d). Samen klein (0,7mm breit), schwach punktiert, matt, braun,nierenförmig, Rücken abgerundet. VI bis VIII.

Sehr vereinzelt auf Gräten, Rasenbändern, Gletscherböden der nivalen Regionder Alpen, von 2000 bis 2700 m. Auf Kalk und Urgestein.

Fehlt in Deutschland vollständig. In Oesterreich zerstreut in Tirol (Rosimferner in Sulden,Piz Sesvenna, Wormserjoch, Schaubachhütte, Glungezer, Viggarspitze, Tarntalerköpfe, Wildkreuzspitze in Putsch,Königsanger bei Brixen, Kalsertal, Ampezzo, Virgen, Lesachtal, Gröden, Seiseralpe, Monte Gel etc.), in Salzburg