377CCLXIV. Holösteum x ) L. Spurre, Sparre, Schachtkohl.
Ausser nr. 988 kommen 5 weitere Arten in den Steppen und Wüsten von Vorderasien vor.
988. Holosteum umbellätum L. (= Cerästium umbellatum Crantz, = C. murale Salisb.
= Stelläria triandra de Bary, = Arenaria umbellata Clairv., = Alsine umbellata DC).
Dolden-Spurre, ltal.: Garofolino. Taf. 105, Fig. 6 und Fig. 607, nr. 1 bis 3.
Einjährig, 3 bis 25 (30) cm hoch, 1- bis mehrstengelig, bläulichgrün überlaufenWurzel spindelförmig, kurz, einen oder mehrere fruchtbare und unfruchtbare Stengel ent-wickelnd. Stengel aufsteigend bis aufrecht, stielrund, kahl oder im oberen Teil + klebrig-drüsenhaarig, mit unterwärts kurzen, oberwärts stark verlängerten Stengelgliedern, daheram Grunde gedrängt- bis rosettig beblättert und mit 1 bis 2 stengelständigen Blattpaarenbesetzt. Laubblätter ganzrandig, spitzlich, kahl oder drüsig bewimpert, bis 15 mm lang;die unteren verkehrt - eiförmig, in einen kurzen breiten Blattstiel allmählich verschmälert,die Stengelblätter gegenständig, länglich-eiförmig bis lanzettlich, sitzend, am Grunde ver-wachsen. Blüten in wenigblütigen endständigen Trugdolden. Blütenstiele kahl oder drüsig-behaart, ungleich lang, zuerst aufrecht, kurz, nach dem Verblühen sich verlängernd undnach abwärts geschlagen, zuletzt wieder aufgerichtet. Kelchblätter 5, bleibend, länglich-eiförmig, spitz, an den überdeckten Rändern trockenhäutig, spitz, kahl bis drüsig-gewimpert.Kronblätter 5, weiss (seltener rosa), länger (bis doppelt so lang) als der Kelch, verkehrt-eiförmig, ungeteilt, vorne unregelmässig zerschlitzt (Taf. 105, Fig. 6 c). Staubblätter 5oder (durch Abort) 3, seltener 4, kürzer als die Kronblätter. Fruchtknoten eiförmig, mit3 (selten 4) Griffeln. Kapsel länglich-eiförmig, länger (bis doppelt so lang) als derKelch, meist mit 6, seltener 5 (10) an der Spitze nach aussen gerollten Zähnen auf-springend (Fig. 607, nr. 1). Samen 0,5 mm gross, rotbraun, schildförmig, auf der gewölbtenSeite mit einer Furche, auf der vertieften mit einem Kiel, mit scharfgezähnten Papillenbesetzt (Fig. 607, nr. 2, 3). — III bis V.
Häufig bis gemein (doch stellenweise vollständig fehlend) auf trockenen, sandigenAeckern, auf Sandfeldern, Brachen, Grasplätzen, sonnigen Hügeln, an Wegrändern, Rainen,Mauern, Dämmen, in Weinbergen, besonders in der Ebene, vereinzelt bis in die Voralpen(Stubaital in Tirol 1700 m). Oft unbeständig und nur vorübergehend.
Allgemeine Verbreitung: Europa (nördlich bis England und Südschweden),Nordafrika, gemässigtes Asien (östlich bis zum Himalaya).
Aendert wenig ab: f. typicum Beck (== H. ciliätum O r )iz). Blattrand und Mitte der Internodiendrüsig behaart. — f. glutinösum (Bieb.) Gurke (= var. Heuffelii [Wierzb.] Rchb., = var. viscosi'ssimumCelak., = H. liniflörum Fisch, et Mey., = Spergula glutinosa Dietr.). Ganze Pflanze üppiger, höher, reichlicher(besonders die Blütenstiele) drüsenhaarig-klebrig (Vereinzelt). — f. glabrum O. Kuntze (= var. glaberrinumStrobl, = var. glabrätum Beck). Laubblätter am Rande kahl (Selten).
Diese kleine, leicht kenntliche Art fehlt in einzelnen Lokalfloren vollständig (zuweilen vielleicht auchübersehen, weil das Pflänzchen bereits im Hochsommer vollständig verschwunden ist) oder ist erst neuerdingsaufgetreten. In Norddeutschland ist Holosteum im grössten Teile häufig und anscheinend ursprünglich, wirdaber sowohl nach Nordwesten als Nordosten immer seltener (fehlt besonders im nördlichen Ostpreussen). InKärnten ist Holosteum nach Scharfetter (briefl.) wohl nur mit Getreide eingeschleppt worden und wiederverschwunden (z.B. bei Malnitz); nach Pacher wächst es wahrscheinlich im Lavanttal. Auch in der Schweizhat es stellenweise adventiven Charakter und ist in einzelnen Kantonen iTessin ca. 1906, Solothurn [Dornach] 1906)erst in jüngster Zeit aufgetreten. In Norddeutschland gehört dieses Pflänzchen vielerorts — neben andern ein-jährigen Arten, wie Spergula afvensis, Arenaria serpylllfolia (pag. 40/), Stenophragma Thalianum, Erophilaverna, Veronica verna und Dillenii, Cerästium semidecandrum (pag. 365) — dem Frühlingsflor der ziemlich ödenSandfelder an. An anderen Stellen tritt es auf leichterem Boden als Unkraut in den Saaten auf, hier nicht
] ) Gr. öiöozeov [holösteon] = Pflanzenname bei Dioscorides (Mat. med. IV, 11); lat. holosteumbezeichnet bei Plinius (Hist. nat. XXVII, 91) Plantago albicans. Wohl entstanden aus gr. bXog [hölos] =ganz und gr. ooteov [östeon] = Knochen, ganzknochig; ohne Beziehung auf unsere Pflanze.
Hegi, Flora Bd. III. 78