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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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955. Dianthus sup^rbus 1 ) L. (= Caryophyllus superbus Moench). Pracht- Nelke.Franz.: Oeillet frange, oe. süperbe, oe. ä plumet, oe. mignardise, oe. elegant, Mignardisedes pres; engl.: Süperb pink; ital.: Garofano da pennacchio. Taf. 103, Fig.2 und Fig. 591c.

Ausdauernd, (8) 30 bis 65 (90) cm hoch, sehr lockerrasig. Grundachse wenigeblühende und nichtblühende Stengel treibend. Blütenstengel unten gewöhnlich etwasaufsteigend, stielrund, kahl, aufrecht, oberwärts ästig. Laubblätter grasgrün, kahl, lineal-lanzettlich, am Rande rauh, die untern stumpflich, 3 bis 5 (10) mm breit, die obern spitzund schmäler kurzscheidig sitzend (Scheiden kaum 2 mm lang), die grundständigen sehrlocker gestellt. Blüten wohlriechend (etwas nach Vanille duftend), in lockeren, rispen-ähnlichen Wickeln, zuweilen auch einzeln, endständig. Kelchschuppen 2 oder 4, eiförmig,bespitzt oder kurz-begrannt, 1 /i bis l js so lang als die schmal-zylindrische, 23 bis 30 mmlange, nach oben verschmälerte, grüne oder purpurrot angelaufene Kelchröhre. Kelchzähnespitz. Platte der Kronblätter gross, bleichrosa bis purpurrot (selten weiss), tief (bis weitüber die Mitte), fein und unregelmässig fiederig-zerschlitzt, am Grunde mit einem grünlichenFleck und von roten Haaren bärtig, allmählich in den weissen Nagel übergehend. Kapselfast um die Hälfte länger als der Kelch. Samen 2 mm lang (Taf. 103, Fig. 1 b).VI bis IX.

Häufig und ziemlich verbreitet (fehlt aber doch stellenweise gänzlich) auf trockenenund feuchten Wiesen (besonders auf |Torf), an Waldrändern, an Teichen, auf lichtenWaldstellen, Weiden, trockenen Abhängen; von der Ebene bis in die alpine Region (ValFedoz im Oberengadin 2300 m, Gmeineck in Kärnten 2400 m). Auf Kalk und Urgestein.

Fehlt stellenweise gänzlich, so in Westfalen, im nordwestlichen Deutschland westlich der Elbe (jedochin Schleswig-Holstein und Mecklenburg), in den nördlichen Gebieten von Ost- und Westpreussen; selten inBöhmen, im hannoverschen Flachland (einzig bei Buxtehude), im Kanton Wallis (einzig bei Salvan), Tessin etc.

Allgemeine Verbreitung: Fast ganz Europa (fehlt im mittleren und südlichenItalien, Portugal, im grössten Teil von Spanien, Griechenland und in der Arktis) gemässigtesAsien (durch Sibirien und die Mandschurei bis Korea und Japan).

Aendert etwas ab : var. s p e c i d s u s Rchb. als Art (= var. grandtflörus Tausch, = var. alpinus Herbich,=r var. alpestris Uechtr., = D. Wimmeri Wichura). Pflanze meist bläulich bereift. Stengel steif aufrecht, 1- oder wenig-blutig. Laubblätter zuweilen ziemlich breit. Kelch breiter, braunrot oder violett. Blüten grösser, lebhaft rosarotbis fast purpurn (sehr selten weiss), sehr wohlriechend. Kronplatten weniger tief und lineal-gabelig zerschlitzt,am Grunde meist schwarz getüpfelt (Bergform). Zerstreut auf Triften der höheren Voralpen und Alpen sowiein den Sudeten, im Gesenke etc. f. parviflörus Celak. Kronplatten klein (nur 6 bis 8 mm lang). Böhmen(Chlumec). D. superbus ist eine der wenigen Nelken, welche auch auf einem feuchten Boden (doch nichtausschliesslich) gedeihen kann. In Wiesenmooren (besonders im Parvocaricetum) nimmt sie mit ihren präch-tigen Blüten zuweilen grössere, von weitem erkennbare rötliche Flächen ein und erscheint daselbst gern inBegleitung von Parnassia, Laserpitium Prutenicum, Succisa pratensis, Inula salicina, Centaurea jacea, Cirsiumpalustre und bulbosum, Tetragonolobus siliquosus, Potentilla silvestris, Pinguicula vulgaris, Tofieldia calyculata,Schoenus ferrugineus und nigricans, Trichophorum caespitosum, Carex panicea, flava und Davalliana etc. Ebensofindet sie sich in den Uferformationen als Bestandteil der nassen Flusstalwiesen oder vereinzelt an lichten Wald-stellen. In höheren Lagen geht der Typus ganz unmerklich in die Bergform speciosus über, welche in denAlpen mit Vorliebe auf trockenen, steinigen, mageren Wiesen oder im Zwergwacholder-Gebüsch heimisch ist.D. speciosus stellt also nichts weiter als eine abgeleitete, stellvertretende Gebirgsform des gemeinen D.superbus der Ebene dar und verhält sich in dieser Beziehung ähnlich wie D. Sternbergii zu D. Monspessulanus,Trifolium nivale zu T. pratense, Campanula Scheuchzeri zu C. rotundifolia, AUium Sibiricum zu A. Schoeno-prasum (Bd. II, pag. 223), Athyrium alpestre zu A. Filix femina (Bd. I. pag. 33), Poa supina zu Poa annua,Rumex arifolius zu R. Acetosa (pag. 180) etc. D. superbus ist als eine proterandrische Tagfalterblume zubezeichnen. Da der Nektar sehr tief am Grunde des Fruchtknotens abgesondert wird und die Kelchröhre sehreng (2 mm) ist, ist der Nektar nur dem Rüssel von Tagschwärmern (Macroglössa-Arten) zugänglich. DerDurchmesser der Krone variiert auch bei den Pflanzen der Ebene von 3 bis zu 6 cm.

*) Lat. superbus = stolz, prachtvoll.