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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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(pag. 289) und Otites, Dianthus Carthusianorum, Festuca ovina, Koeleria glauca, Anemone pratensis, ViciaCassubica, Ononis spinosa, Peucedanum Oreoselinum, Armeria vulgaris, Veronica Teucrium, Euphrasia lutea,Scabiosa suaveolens, Jasione montana, Helichrysum arenarium, Centaura paniculata, Chondrilla juncea, Hieraciumechioides, Scorzonera purpurea etc. zu den wesentlichen Bestandteilen der Flora derpontischen Hügel". Insüdlichen Gegenden (bereits imOberelsass) zählt sie vielerorts zu den Komponenten der Bromus erectus-Formation(vgl. Bd. I, pag. 357). Andrerseits kommt Tunica prolifera aber auch adventiv oder apophytisch auf Eisen-bahndämmen, Feldern etc. vor. Wie T. saxifraga ist auch diese Art gynodioezisch und gynomonoezisch. Diehomogamen Blüten (Selbstbestäubung möglich!) sind klein, wenig auffällig und von kurzer Dauer (2 Tage).Die Blüten öffnen sich von morgens 8 Uhr bis mittags 1 Uhr (nach Knuth). Der köpf förmige Blütenstand,welcher von 3 oder 4 Paaren häutiger Hochblätter umgeben wird, schliesst mit einer Gipfelblüte ab. Dasoberste Paar der Hochblätter trägt in seinen Achseln Seitenblüten, welche aber in der Entwicklung meistenszurückbleiben. Stets ist auf einmal nur eine Blüte geöffnet. Die flach geflügelten Samen vom Dianthus-Typus werden durch den Wind verbreitet. Die Blüten dienten früher als Teesurrogat. T. prolifera steht derGattung Dianthus sehr nahe.

937. Tunica saxifraga 1 ) (L.) Scop.(= T. rigida Rchb., = Dianthus saxi-fragus L., = Gypsöphila saxifraga L.,= G. multicaülis Poir.). Steinbrech-Felsennelke. Taf. 102, Fig. 2 undFig. 581 a bis f.

Ausdauernd, 10 bis 35 cm hoch,dichtrasig, etwas flaumig. Grundachsekriechend, holzig. Stengel nieder-liegend oder aufsteigend, nach allenSeiten ausgebreitet, meist vom Grundean ästig, etwas flaumig oder kahl. Laub-blätter sehr schmal (0,5 mm breit undbis 1 cm lang), lineal, dicklich, spitz, kurz - scheidig, am Rande etwas rauh, unten demStengel + angedrückt, oben etwas nach auswärts gebogen. Blüten an den Verzweigungeneinzeln endständig, deutlich gestielt. Kelch röhrig-glockig, 4 bis 5 mm lang, am Grunde von

2 bis 5 weisshäutigen, stachelspitzigen Hochblättern umgeben (Fig. 581 a, c). Kelchblättergrün bis rötlich-weiss, durch weisshäutige Streifen miteinander verbunden. Kelchzähnestumpf, häutig berandet, schwach bewimpert. Kronblätter helllila bis satt rosafarben, mit

3 Adern, allmählich in den Nagel verschmälert, ohne Krönchen. Platte 3 bis 4 mm lang,vorn ausgerandet, allmählich in den ungeflügelten Nagel übergehend. Griffel 2, fädlich(Fig. 581b). Kapsel keulig-eiförmig, kaum so lang als der Kelch, vierklappig aufspringend,der Kelch selten einreissend (Fig. 581c). Samen schildförmig, auf der einen Seite gewölbt,auf der andern ausgehöhlt mit wulstigem Rand, warzig-gerillt, ca. 1 mm lang (Fig. 58 ld).VI bis IX.

Stellenweise verbreitet auf steinigen Abhängen, trockenen Wiesen, auf Schotter,Dämmen, auf Bach- und Flusskies, auf dürrem, trockenem Boden, Felsen, an Strassenrändern,Mauern, in Kastanienwäldern; auf Kalk und Dolomit des Alpen- und Voralpengebietes undder süddeutschen Hochebene (im Unterengadin bis gegen 1600 m).

In Deutschland spontan einzig auf den Heidewiesen im südlichen Bayern (Hochebene von Augsburg -Kaufering-München-Mühldorf-Neuötting nördl. bis zur Donau, Salzachufer bei Burghausen, fränkischer Jura [Welten-burg, Monheim, Dollnstein, zw. Willenberg und Holenberg, Kloster Banz] und Kiliansberg bei Schweinfurt [ob hierursprünglich ?] und im Württemberg. Unterland (Aistaig und Oberndorf im Oberamt Sulz). Ausserdem mehrfach ver-schleppt, so auf einer Rheininsel bei Ketsch und bei Speyer (1891, 1902) in der Pf alz, bei Alf an der Mosel, um Jena, in derNiederlausitz (Pforten, 1905), in Schlesien (Kapsdorf bei Breslau, aber nicht bei Lublinitz in Oberschlesien), inOstpreussen (Feldmark bei Seibongen im Kreis Sensburg [1891] zw. Sokaiten und Weszeningken, am Liepiensker

') Steinbrech. Lat. säxum = Fels, Gestein und frängere = brechen; nach dem Standort der Pflanze.

Fig. 581. T unica saxifraga Scop. «Blüte, b Fruchtknoten mit Griffeln.c Fruchtkapsel mit geöffnetem Kelch und Aussenkelch. (/Samen. e,y"Quer-schnitte durch den unteren und oberen Teil eines Laubblattes (die Leit-bündel sind von Wassergewebe umgeben. Vergrösserung 33fach).Vaccaria pyramidata Med. g- Kronblatt, h, i Kapsel von aussen undim Querschnitt, k, l, m Samen von aussen, im Längs- und Querschnitt.