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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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CCLVII. Tünica 1 ) Scop. Felsennelke.Ein- oder mehrjährige Kräuter von verschiedenartigem Habitus. Blüten zwitterig,meist einzeln, in rispenförmigen Trugdolden, von 2 bis 6 schuppenförmigen Hochblättern(Involucralschuppen") umgeben oder nackt. Kelch röhrig oder glockig. Kelchblätter 1- bis3-nervig, durch trockenhäutige Verbindungsstreifen von einander getrennt. Kronblätterkeilförmig, ohne Krönchen. Nagel mit oder ohne Flügelleisten (Taf. 102, Fig. lb). Staub-blätter 10. Griffel 2 (Fig. 581b). Fruchtknoten kurz-gestielt (Taf. 102, Fig. 2a). Frucht-kapsel länglich, oben 1-, unten 4-fächerig (Taf. 102, Fig. 2a), mit 4 Zähnen aufspringend.Samen schildförmig (Fig. 581 d). Keimling gerade, das Nährgewebe teilend.

Die Gattung, welche die beiden Gattungen Gypsophila und Dianthus (Hochblätter, Samen!) verbindet,umfasst ca. 20, namentlich im östlichen Mittelmeergebiet verbreitete Arten. Adventiv wurde einzig T. glu-mäcea (Bon' et Chaub.) Boiss. var. obcordäta (Margot et Reut.) Boiss. in Südtirol an mehreren Stellenan der Valsuganabahn (auch in der f. praecox Murr sowie weissblühend) beobachtet.

1. Kelch glockig (Fig. 581a). Kronblätter keilförmig verschmälert. Pflanze ausdauernd,rasig...............................T. saxifraga nr. 937.

1*. Kelch verlängert, aufgeblasen-röhrig (Taf. 102, Fig. 1 a). Kronblätter mit langem Nagel (Taf. 102,Fig. lb). Pflanze einjährig......................T. prolifera nr. 936.

936. Tunica prolffera 2 ) (L.) Scop. (= Dianthus prölifer L., = Kohlraüschia prolifera

Kunth, Gypsophila prolifera Arcang., Caryophyllus äridus Moench). Sprossende

Felsennelke. Ital.: Strigoli, violine di tallo. Taf. 102, Fig. 1.

Einjährig, 30 bis 50 cm hoch. Pfahlwurzel dünn, weisslich, einen oder mehrereStengel treibend. Letzterer aufrecht, einfach oder oberwärts etwas ästig, vierkantig, kahl.Laubblätter lineal, 1 bis 2 mm breit, spitz, nach beiden Seiten verschmälert, am Randerauh, kürzer als die Stengelglieder, am Grunde verwachsen, undeutlich nervig, die oberstenschuppenförmig. Blüten meist zu mehreren (seltener einzeln) zu einem endständigen Köpfchenvereinigt; letzteres von mehreren Paaren trockenhäutiger, brauner, stachelspitziger bisstumpfer Schuppen (Hochblätter) umgeben. Kelch röhrig-walzlich, 10 bis 13 mm lang,aufgeblasen-röhrig, rötlich überlaufen, 5-nervig, an der Spitze trockenhäutig und unregel-mässig 5-lappig. Kelchblätter durch 5 schmale, häutige Streifen von einander getrennt.Kronblätter klein, rötlich-lila, mit wagrecht abstehender, 2 bis 3 mm langer, verkehrt-eiförmiger, vorn abgestutzter und ausgerandeter Platte und mit langem, mit Flügelleistenversehenem Nagel (Taf. 102, Fig. 1 c). Fruchtknoten länglich, oben 1-, unten 4-fächerig,mit 2 fadenförmigen Griffeln. Kapsel kürzer als der Kelch (Taf. 102, Fig. 1 d), plötzlich an-schwellend und bei der Reife den Kelch zerreissend. Samen flach (vom Dianthus -Typus),1,5 mm breit, feinwarzig-gerillt (Taf. 102, Fig. 1 c), mit schmalem Flügel. VI bis X.

Zerstreut auf steinigen, trockenen Abhängen, an trockenen Rainen, auf sandigenoder kalkigen Hügeln, an Ackerrändern, auf Sandfeldern, Waldheiden der Niederungen,selten höher (im Wallis bis 1250 m); ausserdem auf Eisenbahn- und Flussdämmen, aufSchutt, Feldern, Brachen verschleppt. Auf Sand- und Kalkboden.

Fehlt stellenweise gänzlich so in Salzburg, Oberösterreich, im grössten Teil von Ostpreussen und ins

nordwestlichen Deutschland (so in Schleswig-Holstein, Oldenburg und Bremen [vollständig]; reicht nordwestlich

bis Lüneburg bis zur Elbe [mehrfach zwischen Geesthacht und Lauenburg, Mölln, Trittau, Lübeck] und bis zur

n ertrave. Bei Hamburg nur adventiv) und im grössten Teil des Alpengebietes und der bayerischen Hochebene.

Allgemeine Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa (nördlich bis England,Belgien, Holland, Dänemark, Südschweden), Nordafrika, Kaukasusländer.

Diese sehr auffällige Spezies erscheint spontan namentlich an warmen Hügeln (deshalb gern aufKalkunterlage ) und an Abhängen der Niederungen. In Norddeutschland gehört sie wie Silene chlorantha

')Tunesisch, weil die Pflanze nach dem Naturforscher und Arzt Cesalpino (15191603) in Tunisin Nordafrika gegen die Pest gerühmt wurde" (Leunis).

2 ) Lat. proles = Nachkomme, Spross und lat. ferre = tragen; das Köpfchen erzeugt mehrere Blüten.

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