Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
310
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

310

und werden bei uns häufig zu Trockenbouquets verwendet. G. paniculata (pag. 314) spielt als Steppenhexe inden Kindermärchen und Erzählungen der Steppenbewohner eine grosse Rolle, insofern sie sich beim Vertrocknenrundlich zusammenzieht, dann an der Wurzel abstirbt und vom Winde fortgeführt wird, bis sich andere loseliegende Pflanzenteile anhängen und mit ihr allmählich einen dichten Knäuel bilden, der dann bei stärkeremWind über die dürre Ebene dahinjagt. Adventiv werden ausser nr. 935 bei uns gelegentlich angetroffen:1. G. acutifölia Fisch., aus Südrussland und den Kaukasusländern. Aehnlich G. paniculata, jedoch in allenTeilen robuster und grösser. Ausdauernd. Stengel vom Grunde an ästig, unten gedrängt-blätterig. Laubblätterziemlich breit-lanzettlich, längsnervig. Rispe weniger reichblütig. In Mitteldeutschland bei Dessau und Quedlin-burg (jedoch kaum bei Beesenlaublingen) beobachtet, in Niederösterreich bei Wartenstein nächst Gloggnitz (1880).Ausserdem in Ungarn. 2. G. elegans Bieb. (= G. producta Stapf), aus Vorderasien. Einjährig. Stengelreichästig. Bei Berlin (Rüdersdorf), in Schlesien (Bunzlau), Hafen von Mannheim, bei Nürnberg (1894 beiHummelstein), in Steiermark (bei Passail nächst Weiz) und in der Schweiz (Zürich, als Unkraut unter angesäterCalendula) beobachtet. 3. G. scozonerif ölia DC. (= G. perfoliäta Beck nee L.) aus Spanien. Selten vor-übergehend in Niederösterreich (1857 zwischen Vöslau und Gainfahrn, 1889 bei der St. Marxer Linie bei Wien)und in Steiermark (Ende der 80 er Jahre auf dem Grazer Schlossberg ausgesät, jetzt wieder verschwunden).4. G. pörrigens (L.) Boiss. aus Vorderasien bis Afghanistan. Einjähriges, locker verzweigtes Kraut miterbsengrossem Samen, welches den Uebergang zu der Gattung Saponaria vermittelt. Bei Hamburg (mehrmals),Berlin (Rüdersdorf, Köpenik), Hafen von Mannheim, bei Freiburg i. Br. und Strassburg (Hafen vor demMetzgertor). 5. G. viscösa Murr, aus dem Orient. Provinz Brandenburg (Konradener Park bei Arnswalde, seit1873 als Unkraut). Mehrere Arten, namentlich G. paniculata, seltener auch G. perfoliäta L. und G. SteveniFisch, aus dem Kaukasus, werden bei uns in Gärtnereien im Freien für Trockenbouquets gezogen. Für alpineAnlagen eignen sich gut G. cerastoi'des Don aus dem Himalaya und G. Transsil vänica Spreng. (= Bänffyapetrsea Baumg.), Felsenpflanze aus Siebenbürgen. In Gärten ist auch der Bastard G. repens L. x TranssilvanicaSpreng. (= G. Sündermänni Fritsch) entstanden. Die Wurzeln mehrerer Arten, so der ägyptischen (G.strüthium L.) und der spanischen Seifenwurzel oder Jabonera (G. Hispänica Willk.), von G. fastigiata undpaniculata sind saponinhaltig und können ähnlich wie die Saponaria- und Quillajarinde zum Waschen ver-wendet werden.

1. Einjähriges, vom Grunde an ästiges, 4 bis 18 cm hohes Pflänzchen . . . G. muralis nr. 932.1*. Ausdauernde Arten. Blütenstand rispig oder doldentraubig ............2.

2. Laubblätter Iineal. nach beiden Enden verschmälert. Blüten fast ebensträussig...... 3.

2*. Laubblätter lanzettlich, sehr spitz, meist 3-nervig. Blüten in lockeren Rispen. Wild in Mähren

und Niederösterreich (sonst nur adventiv)................G. paniculat a nr. 935.

3. Stengel nebst den Aesten kahl. Staubblätter und Griffel kürzer als die Krone (Taf. 101, Fig. 3 a).Alpenpflanze, oft auch in die Täler und in die Hochebene hinabsteigend......G. repens nr. 933.

3*. Stengel oben nebst den Aesten in der Regel klebrig-flaumig. Staubblätter und Griffel längerals die Krone (Taf. 101, Fig. 4a). Oestliche Gebiete............G. fastigiata nr. 934.

932. Gypsophila muralis L. (= G. purpürea Gilib., = G. agrestris Pers., = G. arvensisBorckh., = Saponaria muralis Lam., = Psammophila muralis Fourr.). Acker-Gipskraut.Engl.: Low gypsophyll. Taf. 101, Fig. 2 und Fig. 579r, s, t.Einjährig, 4 bis 18 cm hoch, etwas bläulichgrün. Pfahlwurzel spindelförmig, senk-recht in den Boden hinabwachsend. Stengel aufsteigend oder aufrecht, meist vom Grundean reichlich verzweigt, unten kurzhaarig, sonst kahl, stielrund. Laubblätter sitzend,lanzettlich bis Iineal, nach beiden Seiten verschmälert, 0,5 bis 1,5 (2) mm breit, spitz, ganz-randig, die mittlem am längsten (bis 2 cm lang). Blüten meist zahlreich, in einer aus-gebreiteten Trugdolde, auf fadenförmigen Stielen einzeln. Kelch kreiseiförmig, 3 bis 4 mmlang, grün, mit weissen, häutigen Verbindungsstreifen. Kelchzipfel kurz, stumpflich, etwasbewimpert. Kronblätter hellrot mit dunkleren Adern (Taf. 101, Fig. 2 a), vorn gestutzt oderunregelmässig ausgeschweift, seltener ausgerandet, etwa doppelt so lang als der Kelch.Fruchtknoten oval, mit 2 fadenförmigen Griffeln. Kapsel aufrecht stehend, etwa so langals der Kelch, von diesem eingeschlossen, an der Spitze mit 6 (seltener 4) sich zurück-krümmenden Zähnen aufspringend. Mittelsäulchen verlängert (Fig. 579 r). Samen zahlreich,0,3 mm breit, dunkelbraun bis schwarz, schwach warzig (Fig. 579 t), 4-reihig angeordnet. VI bis X.