307
Drüsen- und Wollhaaren besetzt. Laubblätter lanzettlich, spitz, verschieden breit(Fig. 578 f, g), die untern spateiförmig. Blüten zwitterig, in ausgespreizten, armblütigenDichasien, lang gestielt. Kelch kreiseiförmig, 5 mm lang, kurz 5-zähnig, undeutlich 10-nervig,hellgrün. Kronblätter weiss. Platte eiförmig, 3 bis 4 mm lang, vorn kurz 4-zähnig, mitkleinem Krönchen (Fig. 478 h, i). Kapsel fast kugelig, auf kurzem Träger im Kelch ein-geschlossen (Fig. 578 k). Samen langstrahlig-kämmig (Fig. 5781). — V bis VII.
Selten und zerstreut in Felsklüften, in Höhlen oder unter überhängenden Felsplattenauf trockenen, feinsandigen Plätzen. Einzig im südlichen Oest erreich. Bevorzugt Kalk,Dolomit oder Nagelfluh. Fast nur in der Ebene (in Tirol bis 1300 m).
Fehlt in Deutschland und in der Schweiz gänzlich. In Oesterreich zerstreut in Südsteiermark(in der Hudna lukna bei Wöllau, Thuriberg und auf dem Hum bei Tüffer, Graschnitzer Graben bei Römerbad),im westlichen Tirol (Prags, Höhlenstein und Landro [loOO m] im Pustertal, Mittewald, Lienz, bei Seis, Hauen-stein und Salegg [hier mit Uebergängen zu H. quadrifidum], Tschaminatal, Castelpietra und am Schenero beiPrimör), in Krain (Duplje bei Neumarktl, Krainburg-Kranj, an der Save bei Medvode, I.saktal hinter Studence,Mitala-Wasserfall bei Sagor, um Trifail 230 m, Zwischenwässern) und im Küstenland (Lascekgebirge zwischenCanale und Cepovan im Tribusatal, Görzer Alpenland). Fehlt in Kärnten gänzlich.
Allgemeine Verbreitung: Südöstliche Kalkalpen (von Oberitalien bis Unter-steiermark und Krain), Bosnien, Herzegowina, Serbien.
Diese Art, welche leicht mit H. quadrifidum verwechselt werden kann, scheint dem Gebiete zwischenKüstenland und Bosnien (auch dem Okkupationsgebiet) ganz zu fehlen (vgl. Derganc, Allgemeine Botan.Zeitschrift Bd. IX [1903] pag. 123). In den Ostalpen zählt sie zu der karnischen Gruppe, welche aber wieSaxifraga Hohenwartii, Primula Wulfeniana und die subalpine Homogyne silvestris bis in die venetianischenAlpen reicht (nach Vierhapperund Handel-Mazzetti). Als BegleitpHanzeii erscheinen an den meisten StellenVeronica lutea Wettst. (= Paederota Ageria), im Savetal Potentilla caulescens, Polygala Chamaebuxus, Peuce-danum verticillatum, Rhododendron Chamaecistus, Salvia gluiinosa. Pinguicula alpina, Petasites niveus etc., beiKrainburg auf Nagelfluth Saxifraga petraea, auf dem Lascekgebirge Asplenium Seelosii (vgl. Bd. I, pag. 29),am Mitalawasserfall Saxifraga tenella etc.
CCLIV. CllCÜbalus 1 ) L. Tauben kröpf.
Zu dieser Gattung zählt einzig die folgende Art.
930. Cucubalus bäccifer 2 ) L. (= C. baccatus Gueld., = C. horizontalis Moench, = Lychnisbaccifera Scop., = Silene baccifera Roth, = S. fissa Salisb., = Lychnänthos volübilis Gmel.,= Scribäea divaricäta Gaertn., = S. Cucubalus Borkh., = Viscägo baccifera Vest). Ge-meiner Taubenkropf, Hühnerbiss. Franz.: Coulichon; engl.: Bladder campion, white
bottle. Taf. 101, Fig. 1.Ausdauernd, 60 bis 150 cm hoch, kurz behaart. Wurzelstock kriechend, ästig,stielrund. Stengel schlaff, dünn, schwach, kletternd bis fast klimmend, sparrig verzweigt, ent-fernt beblättert, dicht-kurzhaarig. Laubblätter eiförmig-länglich, zugespitzt, kurz gestielt,zerstreut kurzhaarig, ganzrandig oder etwas buchtig. Blüten in armblütigen Trugdolden.Kelch abstehend, glockig-beckenförmig, 8 bis 15 mm lang, ungleich 5-zähnig (Kelchzähnestumpfiich, fast doppelt so lang als die Kelchröhre), später aufgeblasen, mit 20 undeutlichenKippen. Kronblätter zungenförmig, grünlichweiss, ausgebreitet, 15 bis 17 mm lang, mitzurückgeschlagener, tief 2-spaltiger Platte und mit kurzem Krönchen (Taf. 101, Fig. 1 a).Staubblätter 10. Staubbeutel gelb. Fruchtknoten kugelig, fast 3-fächerig. Griffel 3,fadenförmig. Frucht eine sitzende, kugelige, bis erbsengrosse (6 bis 8 mm im Durchmesser),1-fächerige, nicht aufspringende (Taf. 101, Fig. lb und 1 c), beerenartige Kapsel mit grüner,
J ) Pflanzenname bei Dioscorides (Mat. med. IV 70), synonym mit otQÜxvoq Kenalog (= Gartenstrychnos),der als eine Solanum-Art gedeutet wird.
2 J = beerentragend. Lat. bäcca = Beere und ferre = tragen.