927. Heliosperma quadrffidum (L.) Rchb. (= Silene quadrifida L., = Cucübalusquadrifidus L., = Lychnis quadridentäta Murray). Vierzähniger Strahlensame.
Taf. 103, Fig. 6.
Ausdauernd, 5 bis 20 cm hoch, meist lockerrasig, vielstengelig. Stengel kahloder zerstreut behaart, oberwärts klebrig, aufrecht oder aufsteigend, haardünn (nur dieuntersten etwas breiter), gabelig-geteilt oder einfach. Laubblätter schmal lineal, spitz, nachdem Grunde zu gewimpert, 4 bis 12 mm lang. Blüten in gespreizten, armblütigen Dichasien,lang gestielt. Kelch kreiseiförmig, 3 bis 5 (7) mm lang, kahl, schwach 10-nervig, hellgrün,mit 5 kurzen, stumpfen Zähnen. Kronblätter verkehrt-eiförmig, weiss, vorn ausgerandetbis vierzähnig, in den kahlen grünlichen Nagel verschmälert, mit 2-lappigem, länglichemKrönchen (Taf. 103, Fig. 6 a). Kapsel eiförmig, kurz gestielt, so lang oder etwas längerals der Kelch. Samen sehr flach gedrückt, nierenförmig, 1 mm lang und 0,7 mm breit,schwarz, kammförmig gewimpert (Taf. 103, Fig. 6 b und c). — VII bis IX.
Verbreitet und ziemlich häufig an oder unter Felsen, an quelligen Stellen, an Bächen,im Bachgeröll der alpinen oder voralpinen Region der Kalkalpen, bis 2500 m (Pasterze inKärnten). In den Südalpen (Friaul) bis ca. 300 m herabsteigend. Ausserdem zuweilen herab-geschwemmt (in Niederösterreich an der Schwarza bis 600 m, in der Boding 750 m).
Diese feuchtigkeits'iebende, zierliche Art ist vor allem im Kalkgebirge bis in die Krummholzzone ver-breitet, wo sie nicht selten in feuchten Schluchten mit Moehringia museosa, Saxifraga aizoides, caesia undmutata, Arabis bellidifolia bis in die Talsohle hinab zu verfolgen ist. Stellenweise wird sie mit den Gewässern tiefherabgeschwemmt, so am Sülfall bei Wilten-Innsbruck 600 m, Rattenberg im Inntal 513 m, Arnobach unterhalbTione in Südtirol 530 m, Oetschergtäben in Niederösterreich 600 m, Garnitzenschlucht und Vorderberger Klamm inKärnten 500 m, in Oberbayern am Lech bei Lechbruck und Kin^au bei Augsburg, an der Isar bei Tölz undGrünwald ob München, in Krain (im Pischenzatal bei Kronau unter 1000 m) etc. Fehlt auf Urgestein, Porphyrund Flysch. In den Zentralalpen deshalb selten, stellenweise (z. B. im Silvrettagebiet, dem Ortler- und Ada-mellogebiet) ganz fehlend oder nur auf kalkführenden Schichten (im Zillertal [Gerlos] zusammen mit Clematisalpina und Valeriana montana). Ausser den Alpen im Schweiz. Jura (Reculet) und in der Eishöhle des Tarno-waner Waldes im Karst neben Rhododendron hirsutum, Poa alpina, Salix retusa, Saxifraga cunei'folia undrotundifolia, Veronica lutea, Valeriana tripteris und montana etc. In Friaul färbt sich diese Art ebenso wieDianthus Sternbergii, Silene nutans, Gypsophila repens, Peucedanum Raiblense, Poa annua in hohen Lagen tieferrot. Die 0,12 mg schweren, mit einem Papillenkranz versehenen Samen werden durch Wind leicht verbreitet.
Allgemeine Verbreitung: Pyrenäen, Alpen, Jura, Apenninen, Korsika, Karpaten,Balkan (bis zum Olymp).
Aendert wenig ab: f. pudibündum (Hoffmannsegg) Rohrbach. Pflanze hochwüchsig. Kronblätterbreiter, mit den Rändern zusammenstossend. zuweilen rosarot (Angeblich auch auf Urgestein). — f. pusi'llum(Waldst. et Kit.) Schur. Pflanze zwerghaft (Form trockener Standorte). — f. rivuläre (Hausmann). Pflanze grosseRasen bildend. Blüten grösser (An Quellen und klaren Bächen, meist auf Moospolstern). — var. v i 116 s u m Gelmi.Pflanze im unteren Teile weiss-wollig, oberseits drüsig und zerstreut behaart. Laubblätter gewimpert. Kelchkahl oder fast kahl (Südtirol). — var. monachörum (Vis. et Panfiic) Rohrbach. Stengel, Blätter und Kelchdicht mit Drüsen bekleidet, dadurch an H. eriophorum erinnernd (Val Fonda unweit Schluderbach in Südtirol).
928. Heliosperma alpestre (Jacq.) Rchb. (= Silene alpestris Jacq., = Lychnis alpestrisL. f., = Saponäria alpestris Fenzl). Alpen-Strahlensame. Fig. 578a bis e.
Diese Art wird in Niederösterreich Almliab genannt.
Ausdauernd, 10 bis 30 cm hoch. Wurzelstock ästig, lockerrasig, mehrköpfig. Stengelaufsteigend oder' aufrecht, kahl oder zerstreut behaart, oberwärts klebrig beringelt, gabelspaltig-ästig. Unterste Laubblätter verkehrt-eilanzettlich, in den Stiel verschmälert, 2 bis4 cm lang, bis 9 (oft kaum 4 mm) breit, die übrigen lanzettlich bis lineal-lanzettlich, spitzoder stumpflich, kahl, nur am Grunde bewimpert. Blüten zwitterig (Fig. 578 b), in lockeren,armblütigen Dichasien, lang gestielt, selten einzeln. Kelch schmal-glockig, 5 bis 7 mm lang,rauh oder fein drüsig-flaumig, hellgrün, 10-nervig, mit eiförmigen, stumpfen Zähnen, später