304
926. Melandrium Elisb6thae l ) (Jan) Rohrbach (= S. Elisabethae Jan, = Silene VallesiaPol], nee L., = Saponäria Elisabethae Fenzl). Grossblütige Waldnelke. Fiore della
Viceregina. Fig. 577f bis k.
Ausdauernd, 5 bis 15 cm hoch, halbstrauchig. Grundachse holzig, mehrere auf-steigend-aufrechte, unterwärts fast kahle oder + weichhaarige, oberwärts dicht drüsig-flaumige Blütenstengel treibend. Rosetten- und untere Stengelblätter schmal-lanzettlich,zugespitzt, kahl, am Rande glatt oder sehr kurz bewimpert. Obere Stengelblätter kürzer,schmal-eilanzettlich. Blüten einzeln oder in armblütigen Trauben, kurz gestielt. Kelchca. 18 mm lang, verlängert-keulig aufgeblasen, mit 10 rötlich-schwarzen Rippen, aderlos,dicht drüsig-weichhaarig (Fig. 577g)- Zähne verlängert-lanzettlich, stumpflich, breit weiss-randig, drüsig-bewimpert. Krone rosarot. Platte bis 15 mm breit, breit verkehrt-herzförmig,tief 2-lappig, mit abgerundeten, spreizenden, ringsum scharfgezähnten Lappen (Fig. 577h).Krönchen kurz, borstlich-zerschlitzt. Nägel aus dem Kelch herausragend, sehr kurz be-wimpert, oberwärts verbreitert. Fruchtkapsel eiförmig (Fig. 577 k), mit sehr kurzem Samen-träger. — VIII.
Zerstreut in Felsritzen, im Schutt der Südalpen; auf Kalk und Dolomit.
Fehlt in Deutschland und in der Schweiz gänzlich. In Oesterreich einzig in Südtirol in denGebirgen zwischen Val di Ledro, Idro- und Gardasee (Monte Tombea, Val di Vestino, Monte Trernalz, MonteCasone [von 1400 bis 2000 m], Ciapa, Corone dei Gui, Val Lorina am Fusse des Monte Caplone).
Allgemeine Verbreitung: Südalpen von der Lombardei bis Südtirol.
Diese prachtvolle, südalpine Spezies tritt mit ihren rosafarbenen, ins Weinrote ziehenden Riesenblütennur an wenigen Stellen in den Kalk- und Dolomitbergen vom Corner- bis zum Gardasee auf. In Süd-tirol zählt sie neben Saxifraga Tombeanensis und arachnoidea, Daphne peträja, Primula speetabilis und Callian-themum Kernerianum zu den Endemismen der tridentinischen Alpen. Nach Geilinger gehört sie an derGrigna meridionale am Comersee neben Alsine Villarsii var. Grineensis, verna und sedoides, Petrocallis Pyrenaica,Saxifraga sedoides und Vandellii. Festuca pumila und Carex firma zu den alpinen Felsenpllanzen. — Die pro-terandrischen Blüten werden häufig von Hummeln erbrochen, Früchte mit keimfähigen Samen sind nachKern er selten anzutreffen.
Von Bastarden ist M. album Garcke X M. rubrum Garcke (= M. dübium Hampe) mehrfachbeobachtet worden. In der Tracht mehr dem M. album ähnlich, jedoch durch längere, weichere, wenig drüsigeBehaarung, breitere Laubblätter und durch blassrote, am Tag völlig geöffnete Blüten verschieden. Schon Hampemachte 1873 auf die Fruchtbarkeit dieses Bastards aufmerksam und glaubte eine übersehene Art entdeckt zu haben.
CCLIII. Heliosperma 2 ) Rchb. Strahlensame.
Zarte Pflanzen mit schmal-linealen Blättern. Blüten zwitterig (Fig. 578 b), in lockerenTrugdolden (selten einzeln). Kelch röhrig-glockig, undeutlich 10-nervig. Kronblätter mitkurzem Krönchen und vorn ausgerandeter Platte (Fig. 578 h, i). Staubblätter 10. Narben 3,seltener 5 (Taf. 103 ; Fig. 6d). Fruchtkapsel durchaus 1-fächerig (Fig. 578c), mit meist6 Zähnen aufspringend (Fig. 578 d, k). Samen nierenförmig, flach zusammengedrückt, amRücken 2- oder mehrreihig langstrahlig, körnig (Taf. 103, Fig. 6 b, c; Fig. 578 e, 1).
Die Gattung umfasst 6, namentlich in den östlichen Alpen und im nördlichen Balkan verbreitete Artenvom Habitus kleiner Silenen (z. B. Silene saxifraga und rupestris). Alle 3 mitteleuropäischen Arten sind kalk-liebende, endemisch-alpine Arten. Während H. quadrifidum in der ganzen Alpenkette verbreitet ist, ist H.alpestris auf die norischen, H. eriophorum auf die karnischen Kalkalpen beschränkt.
1. Pflanze weisslich-wollig.................H. eriophorum nr. 929.
1*. Pflanze kahl oder zerstreut behaart..................... 2.
2. Laubblätter schmal-lineal. Kapsel ungefähr so lang als der Kelch . H. quadrifidum nr. 927.2*. Laubblätter lineal-lanzettlich. Kapsel doppelt so lang als der Kelch (Fig. 578 d) H. alpestre nr. 928.
1 ) Von Jan benannt zu Ehren der 2. Gemahlin des Erzherzogs Rainer von Oesterreich (1783—1853),Vizekönigs des Iombardisch-venezianischen Königreichs.
2 J Gr. fj?,iog (helios) = Sonne und oneQ(ia (sperma) = Samen; nach der Form des Samens.