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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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922. Melandrium rubrum Garcke (= M. silvestre Roehling, = M. dioecum Schinz et

Thellung, = M. diürnum Fries = Lychnis diürna Sibth., = L. dioeca L., = L. silvestris

Schkuhr, = Sapondria diceca Moench). Rote Waldnelke, Rote Tagnelke. Franz.: Floquet,

oeillet de Dieu; engl.: Red campion. Taf. 100, Fig. 3 und Fig. 576e, f.

Auf die rote Blütenfarbe beziehen sich (vgl. Viscaria vulgaris, Lychnis Flos cuculi): Flei schblu em e(Schweiz); Blutnägele (Schwäbische Alb); Nasenbluter, Nasenblüater (Böhmerwald, Niederösterreich;Giggerigibleaml (Salzburg). Die schweizerischen Benennungen Fotzelnägeli (Aargau, Solothurn);Chropfnägeli (Aargau); Schlot terhose(n) [vgl. Lychnis Flos cuculi] gehen auf die Form der Blüte,Wiese(n)-Nägeli, Matte(n)-N ägeli, Heu- Nägeli , Wald-Nägeli (Schweiz); Bachnägala (Schwab.Alb) auf den Standort. Bildai [= Wilde] Nagerlain, Buabanägala (Schwab. Alb); Rossnägeli(Schweiz) weisen auf den Unterschied zwischen den echten Nelken hin. Zu Knackblume, Knatsch-blume, Knockablume, Knallblume (Riesengebirge); Schnalzer (Böhmerwald) vgl. Silene inflatapag. 279. Der Grund zu den Bezeichnungen Snakenblom [= Schlangenblume] iSchleswig); Kopfweh-Nägel a (Schwab. Alb); Meis terlose(n), Meist erlösli , Kathrinabluome ist nicht recht klar.

Zwei- bis mehrjährig, 60 bis 100 (unter Nesseln bis fast 200) cm hoch, + dichtweich behaart, z. T. drüsenhaarig. Stengel aufrecht, schlaff, einfach oder oberwärts ästig.Untere Laubblätter verkehrt-eiförmig, in den kurzen Stiel verschmälert, obere länglich,sitzend, alle zugespitzt. Blüten zweihäusig, kurz gestielt, geruchlos, am Tage geöffnet, inarmblütigen Dichasien. Kelch bauchig-röhrig, abstehend, z. T. drüsig-behaart, 10 bis 15 mmlang, mit 5 dreieckigen, spitzen Zähnen, die der weiblichen Blüten eiförmig und 20-nervig,die der männlichen walzlich und 10-nervig. Krone hellpurpurrot (selten blassrosa oderweiss), 2-spaltig, breit-herzförmig, mit deutlichem hellrosarotem bis weissem Krönchen(Taf. 100, Fig. 3a). Männliche Blüten mit 10 unten in eine Röhre verwachsenen Staub-blättern, von denen 5 kleiner sind, zuweilen mit einem Fruchtknotenrudiment. WeiblicheBlüten mit 5 weissen, fadenförmigen, aus dem Schlünde herausragenden Griffeln. Kapseleiförmig, in den Kelch eingeschlossen, mit 10 gleichmässigen, zurückgerollten Zähnen(Fig. 5/6f). Samen zahlreich, schwarz, dicht warzig, am Rücken abgerundet. IV bis IX.

Ziemlich häufig und verbreitet auf fetten Wiesen, an Waldrändern, in Laub-, seltenin Fichtenwäldern, Obstgärten, Auen, in Holzschlägen, um Ställe und Viehweideplätze, anBachufern, zwischen Legföhren; von der Ebene bis in die alpine Region bis ca. 2300 m(Gipfel des Kreuzeck im Algäu 2364 m).

Allgemeine Verbreitung: Europa (nördlich bis zu den Faer Oer), Nordafrika,Turkestan, Sibirien (östlich bis zum Altai).

Aendert wenig ab: var. gl ab erri m um (Maly) Rohrbach (= M. Preslii Nyman). Pflanze vollständigkahl. Gelegentlich kommen auch blassrötliche oder weissblühende (f. expällens Lange. Blüten weiss) Formenvor. Prahl erwähnt aus Schleswig-Holstein eine f. striätulum, deren weisse Kronblätter mit zahlreichen,feinen, kirschroten Strichelchen besetzt sind. Die Blüten sind als trioezische Tagfalterblumen zu bezeichnen,welche von langrüsseligen Faltern (Pieris brassicae und rapae, Vanessa urticae) sowie von Hummeln (Bombushortorum), pollenfressenden Syrphiden und einem Käfer (Byturus fumatus) bestäubt werden. Hummeln, welcheden Nektar auf gewöhnlichem Wege nicht erhalten können, beissen die Kelchröhre von aussen an. Zwitterige(und dann ausgesprochen proterandlsche) Blüten werden sehr selten beobachtet. Werden weibliche Exemplareisoliert, so bleiben sie unfruchtbar. Die männlichen und weiblichen Blüten öffnen sich meist zwischen 8 und11 Uhr abends. Wie Lychnis Flos cuculi gehört auch M. rubrum zu den minderwertigen Futterpflanzen,welche auf Futterwiesen zuweilen in grosser Menge auftritt (allerdings fehlt sie in einzelnen Gegenden fastgänzlich). In den Gebirgsgegenden von Salzburg, Tirol und Kärnten gehört diese Art zu den charakteristischenUnkräutern der sog.Egartenwirtschaft". Dort werden nämlich im Herbst die Wiesen nach der zweiten Mahdvielfach umgeackert und mit Getreide (meist Roggen) bepflanzt. Im kommenden Frühjahr zeigen dann aberderartige Roggenfelder statt der bekannten eigentlichen Getreideunkräuter eine Reihe von gewöhnlichen Wiesen-pflanzen (Heracleum sphondylium, Achillea millefolium, Ranunculus acer, Rumex Acetosa, Chaerophyllumcicutaria, Viola alpestris, Cirsium oleraceum etc.). Namentlich ist es die rote Tagnelke, welche später derartigeFelder in Unmenge bedeckt (z. B. im Inntal) und diese schon aus der Ferne kenntlich macht. Auch die