290
Teucrium, Helichrysum arenarium, Artemisia campestris, Chondrilla juncea, Hieracium echioides, Scorzonerapurpurea etc. — S. chlorantha blüht zuweilen im Herbst zum zweitenmal. Abends duftet sie wie Piatantherabifolia, jedoch viel zarter. Sehr selten wurden Exemplare mit klebrigem Stengel beobachtet.
Allgemeine Verbreitung: Südöstliches Europa (Süd- und Mittelrussland,Rumänien, Ungarn, Siebenbürgen, östliches Deutschland), Sibirien, Dsungarei.
912. Silene Tatärica (L.) Pers. (= Cucübalus Tataricus L., = C. secündus Gilib., = ViscägoTatarica Hörnern., = V. unilaterälis Moench). Tatarisches Leimkraut. Fig. 572a bis f.
Ausdauernd, 30 bis 60 cm hoch, kahl. Grundachse vielköpfig, eine kräftige Pfahl-wurzel treibend. Stengel rund, sehr steif, aufrecht, wenig behaart, unten meist mit kurzen,beblätterten Aesten, einfach oder oben zuweilen verzweigt, an den Knoten meist rot über-laufen. Laubblätter lanzettlich bis spateiförmig, spitz, nach dem Grunde verschmälert, amRande ganz fein gesägt, mit kräftigem Mittelnerven. Scheintraube aufrecht. Wickel 1- bis3-blütig. Blüten deutlich gestielt, beim Aufblühen auf aufrechten Stielen nickend. Kelch röhrig,etwas keulenförmig (Fig. 572 b), kahl, 10-rippig, mit 5 eiförmigen, spitzen Zähnen. Kron-blätter tief 2-spaltig, weiss oder grünlichweiss, ohne Krönchen (Fig. 572 d). Kapsel kaumüber den Kelch herausragend, länglich (Fig. 572e). Samen zusammengedrückt, auf demRücken höckerig, auf den Seitenflächen flach. — VII bis IX.
Zerstreut auf sandigen Flussufern, sandigen Triften, auf Dünen (selten), an Weg-rändern. Einzig im nordöstlichen Deutschland.
Diese Art findet sich im nordöstlichen Flachlande fast ausschliesslich in den Flusstälern der Weichselund deren Nebenflüsse (längs der Drewenz sogar bis in den Kreis Löbau), Oder mit Warthe, Obra und Netzesowie im Memelgebiet. Ausserdem wird sie auf den Dünen um Danzig und längs der frischen Nehrung (hierwie Corispermum Marschallii [pag. 253] mit der Weichsel angekommen!) angetroffen. Die Westgrenze verläuftvon der Oder bei Fürstenberg über Frankfurt a. O. nach Wriezen—Zehden—Stolpe a. O.—Stettin (nachAscherson). Selten auch adventiv (in Franken am Ufer der Regnitz bei Möhrendorf) beobachtet — Diesepontische Strompfianze gehört der Flora der trockenen Flussufer-Sande an und erscheint im Weichseltale nachScholz gern in Gesellschaft von Salsola Kali (pag. 258), Eryngium planum, Artemisia campestris, Erysimurrshieraciifolium, Sisymbrium altissimum, Petasites tomentosus etc.
Allgemeine Verbreitung: Oestliches Europa (Süd- und Mittelrussland, west-wärts bis Lappland, Finnland, östl. Ingrien, Liv- und Kurland [Inundationsgebiet der livl. Aaund Düna], Neumark, Polen, östliches Deutschland, Galizien, Ungarn, Rumänien; nördlichbis Archangelsk), südliches Sibirien (Altai, Baikal).
913. Silene Otftes 1 ) (L.) Wibel (= Cucübalus Otites L., = C. parviflörus Lam., = C.dioicus Gilib., = Viscägo polygama Stokes). Ohrlöffel-Leimkraut. Tat". 99, Fig. 5.
Zweijährig oder ausdauernd, 20 bis 100 cm hoch. Wurzelstock ästig, mehrköpfig,blühende und nichtblühende Stengel treibend. Blütenstengel aufrecht, einfach, dünn, unterwärtskurzhaarig, oberwärts nächst dem rispigen Blütenstand kahl. Untere Laubblätter rosettenartigangeordnet, spateiförmig, allmählich in den Stiel verschmälert, die obern sehr entfernt,verkehrt-eilanzettlich bis lineal, alle dicht kurzhaarig. Blüten vielehig-zweihäusig, deutlichgestielt, in traubig angeordneten, stark verkürzten, Scheinquirlen ähnlichen Wickeln. MännlicheBlüten oft einen grossen Fruchtknotenrest enthaltend. Kelch kurz, keulig-glockig, 4 bis5 mm lang, undeutlich 10-nervig, kahl, grün, mit 5 kurzen, stumpfen Zähnen. Kronblättergrünlichgelb, länglich-spatelig, ungeteilt (Taf. 99, Fig. 5 a), 2 bis 3 mm aus dem Kelch hervor-ragend (bei den weiblichen Blüten zuweilen fast im Kelch verborgen), ohne Krönchen. Kapseleiförmig, länger als ihr Träger, den Kelch etwas überragend. Samen nierenförmig, am Randeetwas furchig, flach streifenwarzig, 0,7 mm breit. — V bis IX.
Stellenweise auf sandigen, trockenen Hügeln und Feldern, auf Bahndämmen, be-wachsenen Dünen, Grasplätzen, sonnigen Felsen, im Flusskies und in Kiefernwäldern der
') Gr. ovg [us] Gen., (ozoq [otös] = Ohr; die Blätter haben die Gestalt eines Ohrlöffelchens.