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Zerstreut — doch meist unbeständig — in Esparsette- und Kleeäckern, auf Eisen-bahndämmen oder in Wäldern, an Wegen, auf öden Plätzen, in Wiesen, seltener auch inGetreidefelder oder unter Anthyllis; in ganz Mitteleuropa nirgends wild.
Dieser erst in jüngster Zeit (bei Wriezen in Brandenburg erst seit 1901) erschienene Ankömmling („Ephe-merophyt") findet sich mit Vorliebe in Kleeäckern, zuweilen in Begleitung von Vicia Pannonica. In einzelnenGegenden scheint er sich allmählig einzubürgern, so z. B. in Westpreussen (im Kreis Konitz), in Pommern (Dramburg).in Bayern (Eching und Ostbahnhof bei München, bei Fürth [seit 1887], mehrfach um Nürnberg), in Schlesien etc.Immerhin fehlt S. dichotoma stellenweise noch vollständig. In Tirol wurde sie bis jetzt nur einmal an der Valsugana-bahn bei Pergine, im Vorarlberg auf den Illdämmen bei Feldkirch und in Steiermark einmal bei Ramsau bei Schlad-ming beobachtet. Vor 1880 dürfte sie wenigstens in Deutschland und in der Schweiz noch sehr selten vorgekommensein. Aus Deutschland wird sie seit langem vom Südbahnhof München (1876), aus dem Hafen von Mannheim, vonFürth (1886), Heilbronn (1882), Esslingen (1883), bei Kiel (1879 bei der Gaardener Kaserne), bei Lüneburg(1880), aus der Schweiz ob Teufen (1878) und zwischen Thalwil und Gattikon (1882) erwähnt. Die Heimat vonS. dichotoma liegt im östlichen und südöstlichen Europa (wild bereits in Ungarn, Galizien und im westlichenAsien). Mit russischem Getreide und Saaten ist sie aber weithin verschleppt worden. Nach Stebler finden sichSamen dieser Art regelmässig im russischen Rotklee, mitunter auch (jedoch nicht in so grosser Zahl) in schlesischenund süddeutschen Saaten. Die Blüten sind ausgesprochen proterogyn und strömen gegen Abend einen be-täubenden, an Piatanthera bifolia erinnernden Duft aus. Nicht allzuselten trifft man nur rein weibliche Blüten an.
902. Silene Gällica L. (= S. cerastioides All. nee L., = S. silvestris Schott, S. micropetalaTen. nee Lag., - Lychnis cerastioides Scop.). Französisches Leinkraut. Fig. 568h bis n.Einjährig, 10 bis 45 cm hoch, schlank oder gedrungen, behaart, oberwärts drüsig.Stengel aufrecht, entfernt beblättert, einfach oder ästig. Untere Laubblätter spateiförmigoder verkehrt-eiförmig, in den Stiel verschmälert, stumpf oder stachelspitzig, die obern sitzend,spitz, nach dem Grunde zu verschmälert, alle kurzflaumig und zerstreut langhaarig. Trauben-ähnliche Wickel einfach, meist einseitswendig. Kelch hellgrün, höchstens 10 mm lang, mit10 dunkelgrünen Nerven, drüsig-flaumig (Fig. 568i), an den Nerven langhaarig, eiförmig-länglich, zur Fruchtzeit etwas vergrössert, eiförmig, aufrecht, abstehend oder zurück-geschlagen, die untern deutlich gestielt, mit 6 lanzettlich-pfriemlichen, spitzen Zähnen. Kron-blätter länger als der Kelch, weiss oder blassrosa, mit gezähnelten Krönchen (Fig. 568 k, 1),selten in der Mitte mit einem blutroten Flecken. Platte breit-verkehrteiförmig, ganzrandig,gezähnelt oder wenig ausgerandet. Kapsel in den Kelch eingeschlossen, eiförmig, 8 mmlang, mit kurzem Fruchtstiel (Fig. 568 m), aufrecht, abstehend oder zurückgebogen. Samennierenförmig, auf den Flächen vertieft, auf dem Rücken fast flach, schwarz, flach warzig(Fig. 568 n), 0,8 mm breit. — VI, VII.
Hie und da — meist nur vorübergehend — als harmloses Unkraut in Getreide-, Esparsetten-, Serradella-,und Leinfeldern, auf Aeckern, in Weinbergen, Gärten, Baumschulen, auf wüsten Plätzen, Brachen; selten aucheingebürgert (an der Ostsee bei Karwenbruch im Kr. Putzig). Dieses wohl ursprünglich in Südeuropa beheimatetePflänzchen ist heute in allen Weltteilen verbreitet. Samen finden sich zuweilen im französischen Rot-klee, Kapseln in syrischer Wicke (Stebler). — Aendert etwas ab: var. silvestris Schott. Stengel einfach odermit aufrechten Aesten. Kronblätter blassrötlich. Kelch bei der Fruchtreife stets aufrecht. — var. quinque-vülnera (L.) Mert. et Koch. Kronblätter in der Mitte mit einem blutroten Flecken, -r var. Anglica (L.)Mert. et Koch. Stengel ausgebreitet-ästig. Kronblätter weisslich oder rötlich. Kelch bei der Fruchtreife ab-stehend oder zurückgeschlagen (Gartenland).
903. Silene Vallesia L. Wallis er -Leinkraut. Fig. 569 a bis f.Ausdauernd, 5 bis 20 cm hoch. Grundachse dünn, kriechend, zahlreiche niederliegendeoder aufsteigende, fruchtbare und unfruchtbare, ziemlich entfernt beblätterte Sprosse treibend.Stengel 1- bis 3- (5-) blutig, drüsig behaart. Laubblätter kurzhaarig, lanzettlich, spitz, diegrundständigen in den kurzen Blattstiel verschmälert, die stengelständigen sitzend, nachdem Grunde zu verschmälert. Kelch röhrig, zur Fruchtzeit schwach angeschwollen, 20 bis25 mm lang, 10-rippig, drüsig-behaart, mit 6 länglichen Zähnen (Fig. 569 c). Kronblätterviel länger als der Kelch, vorn 2-spaltig (Fig. 569b), oberseits schwach rosarot, unterseits