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andrerseits findet man sie häufig im Gebüsch des Besenginsters (im Süden der Alpen neben Phyteuma betonici-o mm, Pteridium, Orobanche Rapum genistae) oder als Unterwuchs in den Kieferwäldern (in Norddeutschlandneben Cytisus nigricans, Luzula albida, Calluna, Anemone pratensis, Trifolium montanum, Vaccinium, Stellariaostea, Turritis glabra, Agrimonia Eupatoria, Potentilla silvestris, Hieracium murorum etc.). — V. vulgaris isteine proterandrische Tagfalterblume. Während der Blüte rücken die Staubblätter aus der Krone heraus undbiegen sich nach aussen und unten, während gleichzeitig die Griffel ihre umgebogenen Enden über die Spitzeaer Nebenkronen hinausstrecken. Die klebrigen Stellen am Stengel (Fig. 564 e) werden als Schutzeinrichtung gegenInsekten, welche mit der Bestäubung nichts zu tun haben, angesehen. Gelegentlich werden auch vollständigweissblühende (f. albiflöra [Sweet] Rouy et Fouc.) oder halbgefüllte Exemplare angetroffen. Eine Wald-form zeigt in flatterigen Rispentrauben langgestielte, weissliche Blüten (Schwarz). Gefüllte Pflanzen findetman zuweilen in Gärten angepflanzt, selten auch im Freien (Wurchausee bei Schlochau in Westpreussen).Die Samen besitzen keine besonderen Verbreitungsmittel. Um Salzburg wird die Pflanze als „Weinblume"neben Dianthus caesius, Vinca minor, Saxifraga caespitosa, Calendula etc. auf Gräber gepflanzt.
CCL. Silene 1 ) L. Leimkraut. Franz.: Silene, cornillet; engl: catschefly;
ital.: Bobbolini, strigoli.
Ein-, zweijährige, ausdauernde, selten auch halbstrauchige Pflanzen von sehr ver-schiedenartiger Tracht. Blüten zwitterig oder polygam. Kelch verwachsen, röhrig bis auf-geblasen-glockig, 10-, 20-, 30- oder 60-nervig. Kronblätter mit (Fig. 568k, 1, 569 d) oder ohne(Fig. 572 k) Krönchen. Platte vorn meist ausgerandet oder 2-spaltig, Nagel ohne Flügelleisten.Staubblätter 10. Fruchtknoten am Grunde 3- (Fig. 568 f) bis 5- (Taf. 99, Fig. 2 c), oberwärts1-fächerig. Griffel 3 oder 5 (im letztern Fall vor den Kronblättern stehend). Narben auf derInnenseite behaart. Frucht von fester Konsistenz (Taf. 99, Fig. 2b, 1 c), an der Spitze mit doppeltso viel Zähnen als Griffel vorhanden sind, aufspringend. Samen zahlreich, rundlich oder nieren-förmig (Fig. 566f, 567f, 568g, n, 570e, 1). Keimling fast ringförmig (Fig. 566g, 570f).
Das Verbreitungszentrum der Gattung liegt im Mittelmeergebiet (S. conica und Armeria), von woeinzelne Arten nach Süddeutschland (Rheingebiet) ausstrahlen. Andere Arten sind aus dem südöstlichen Europaziemlich weit nach Mitteleuropa vorgedrungen (z. B. S. Tatarica, chlorantha, S. longiflora und multiflora). Fernergehören mehrere in Mitteleuropa weitverbreitete Spezies dem baltischen Florenelement an (S. inflata, nutans).Arktisch-alpin sind die polymorphe S. acaulis (pag. 294) und S. rupestris. Mehrere ursprünglich fremde Artenbürgern sich als Getreideunkräuter immer mehr ein, so namentlich S. dichotoma und S. Gallica, währendCretica und linicola zurückgehen. Auch von den Zierpflanzen werden gelegentlich einzelne als Gartenflüchtlingeangetroffen (z. B. Silene pendula). — Die Blüten sind proterandrisch bis proterogyn. Bei einzelnen Arten, wo dieNägel durch den Kelch fest zusammengehalten werden, ist der Nektar nur Faltern zugänglich. Bei andern Artendagegen kann er auch von langrüsseligen Bienen erreicht werden. Silene Otites ist der Bestäubung durch denWind angepasst. Bei mehreren Arten (z. B. auch bei S. Gallica) sind kleistogame Blüten beobachtet worden.
Ausser der unten näher beschriebenen S. Armeria (pag.285) werden bei uns gelegentlich als Zierpflanzenangetroffen: I. Silene pendula L., aus dem Mittelmeergebiet (verwandt mit S. dichotoma). Einjährig, 30 bis45 cm hoch, zottig, oberwärts drüsig. Stengel schlaff, ästig. Laubblätter weich, die untern spateiförmig, stumpf,die obern sitzend, spitz. Scheintrauben meist einfach, wenigblühend. Blüten meist hängend, einseitswendig.Kelch fast zylindrisch, später verkehrt-eiförmig, aufgeblasen, meist drüsig-behaart, mit stumpfen Zähnen. Kron-blätter zart rosa, 2-lappig. Wird in mehreren Formen (einzelne erinnern an Melandrium album 1) namentlich in derTeppichgärtnerei verwendet. Gelegentlich auch Gartenflüchtling. — 2. S. coeli-rosa (L.) A. Br. (= Eudyänthecoeli-rosa Rchb.), aus Südeuropa. Himmelsröschen. Zartes, einjähriges, 20 bis 30 cm hohes Pflänzchen. Kron-blatt 2-lappig, hellpurpurn oder lila. Früchte 5-zählig. Selten auch adventiv (Zürich. Hafen von Mannheim).— 3. S. asterias Griseb., aus den Bergen des Balkan. Blütenstand kopfig. — 4. S. Schäfta Gmel., ausdem Kaukasus. — 5. S. maritima With., aus Westeuropa (verwandt mit S.inflata). — 6. S. petraia Waldst. et Kit.,aus dem Banat und Dalmatien. — 1. S. Zawädskyi Herbich, aus der Bukowina, Moldau und Siebenbürgen.
Adventiv werden ausser S. pendula und coeli-rosa vereinzelt angetroffen: S. conofdea L., aus demMittelmeergebiet (adventiv im westl. Europa bis Luxemburg). Verwandt und ähnlich der S. conica. Kron-blätter aber nicht ausgerandet. Kapsel platt-kugelig, langgeschnäbelt. Kelch zuletzt stark aufgeblasen. — S.saponariifölia Schott, aus Südosteuropa (verwandt mit S. inflata). Bei Hamburg, Dresden, Berlin (Rüdersdorf,Köpenick) beobachtet. — S. Wolgensis Poir., aus Südosteuropa (Köpenick bei Berlin). — S. hirsüta Lag.,
') Der Name wird zuerst von de 1' O b e 1 erwähnt (Ascherson).