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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
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898. Viscaria vulgaris Roehling (= V. viscosa Aschers., V. Viscäria Voss, = LychnisViscaria L.). Gemeine Pech-oder Klebnelke. Franz.: Oeillet de Janseniste, attrapemouche,Bourbonnaise; engl.: Clammy Lychnis; ital.: Viscaria. Taf. 9/£ Fig.4, Fig.564d, e, f und565.

Dem klebrigen Stengel verdankt die Pflanze folgende Volksbenennungen: Picknälken [Pechnelke](Untere Weser); Pechnalke (Riesengebirge); Bechnagl, B ick na gl (Niederösterreich); Picknagerl (Oberöster-reich), Pechnagerl(Kämten, Tirol);Chlebnägeli,Harznägeli (Schweiz); Pächblümel(Nordböhmen);Baich-

blume [= Pechblume] (Riesengebirge); Pickerb mel (Böhmerwald); Kläbeblume, Klaberblume, Klä-berich (Gotha); Theerblume (Westpreussen); Leimrude(Gotha),Leimspindel(Westböhmen);Wägnschmer-b 1 ume [= Wagenschmierblume| (Nordostböhmen, Riesengebirge); pickender Hansl (Böhmerwald). Zu den Be-zeichnungen Fläschblume (Pfalz); Fleischblume (Niederösterreich); Zichafleisch [= Ziegenfleisch] (Nord-ostböhmen); Fleischhacker (Westböhmen); Henerpicka (Böhmerwald); Picka-Hahn-Hahn (Niederöster-reich), die sich alle auf die rote Blütenfarbe beziehen, vgl. unter Melandrium rubrum und Lychnis Flos cuculi.

Ausdauernd, 30 bis 60 (100) cm hoch. Wurzelstock mehrköpfig, rasig. Stengelaufrecht, kahl oder schwach behaart, unter den obern Knoten deutlich stark klebrig ge-ringelt (Fig. 564 e), einfach oder oberwärts etwas ästig. Untere Laubblätter verkehrt-lanzettlich, in den Blattstiel verschmälert, bis 1 cm breit, die obern lanzettlich-lineal, alleam Grunde etwas krauswollig, sonst kahl, spitz. Blüten in Wickeln; diese zu einer end-ständigen, lockeren, scheinquirligen Rispe vereinigt. Krone ausgebreitet, 18 bis 20 mm imDurchmesser. Kelch keulig-walzlich, kahl oder etwas flaumig, 10-rippig, mit eiförmigen,kurzen, spitzen Zähnen, trübrot überlaufen, 11 bis 13 mm lang. Kronblätter purpurrot (sehrselten weiss), verkehrt-eiförmig, vorn gestutzt oder etwas ausgerandet, mit zweilappigem, 3 mmhohem Krönchen (Taf. 98, Fig. 4b), 18 bis 20 mm im Durchmesser, mit den Staubblättern unddem Fruchtknoten auf einem Stiel im Kelch stehend (Taf. 98, Fig. 4 a). Staubblätter 10(Fig. 564 f), davon 5 etwas länger. Staubbeutel oval. Griffel 5, die 5 längern Staubblätterein wenig überragend. Fruchtknoten am Grunde 5 - fächerig (Taf. 98, Fig. 4 c). Kapseleiförmig, den Kelch zerreissend, etwas länger als ihr Stiel (Fig. 564d), im untern Teilunvollkommen 5-fächerig, durch Mittelteilung der Fruchtblätter mit 5 Zähnen aufspringend(seltener zerspringt jeder Zahn noch einmal). Samen zusammengedrückt, nierenförmig,warzig, 0,5 mm im Durchmesser, am Rücken etwas furchig. V bis VII.

Stellenweise sehr häufig und meistgesellig (Fig. 565) auf trockenen, sonnigenWiesen, steinigen Abhängen, an Hügeln,Bahndämmen, in Weinbergen, Holzschlägen,Kieferwäldern, an Waldrändern (im Südenauch im Gebüsch); von der Ebene bis in dieVoralpen (in den Südalpen bis ca. 1600 m).Nur auf kalkarmem Substrat.

Allgemeine Verbreitung: Fastganz Europa (nördlich bis Südskandinavien,Finnland und Schottland), Kaukasusländer,westliches Sibirien.

Die Klebnelke gehört mit ihren prächtigen

Blüten auf kalkarmem Boden zu den charakteristischen

Erscheinungen der offenen Sandfluren, wo sie sehr oft

mit Deschampsia flexuosa (Bd. 1, pag. 245), Weingaert-

neria canescens, Aira caryophyllea (vgl. Bd. I, pag. 241),

Helichrysum arenarium, Dianthus deltoides, Scleranthus

perennis, Campanula persicifolia, Silene nutans, Jasione

. ,... , .,. , montana, Herniaria elabra, Potentilla argentea, Hieracium

Pechnelke (Viscaria vulgaris Roehling). ° ° '

Phot. E. Ganz, Zürich. Pilosella, Hypochoeris radicata etc. vergesellschaftet ist.

Fig. 565.