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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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845. Polygonum Convölvulus 1 ) L. (= P. volübile Gilib., = P. convolvulaceum Lam.,= Fagopyrum carinätum Moench). Winden-Knöterich. Franz.: Petite vrillee sauvage,renouee liseron; engl.: Black bindweed; ital.: Erba leprina. Taf. 94, Fig. 3 und Fig. 535d, e.

Als Schlinggewächs hat diese Pflanze (teilweise gemeinsam mit P. dumetorum) folgende Namen erhalten:Wierwin [vgl. Convölvulus arvensis!] (Westfalen: Ibbenbüren), Umwind'n (Niederösterreich), Win da,Hol wen d (Schwäbische Alb), Klimmup (Ostfriesland), Düwelsnaotgarn [= Teufelsnähgarn], Düwels-wiänt (Westfalen: Münster), Sneerkrut (Schleswig). Nach der Form der Blätter heisst diese Art auchSchwalbenzunge (Nahegebiet), Vogelzunge (Schlesien). Die Aehnlichkeit mit dem Buchweizen gab zuden Benennungen Willen Bookweten (Nordwestl. Deutschland), Wüld a Hao (r)n (Niederösterreich) Anlass;vgl. pag. 207. In Westfalen nennt man unsere Pflanze Reik; Dreckreik, Hofreik (Münster), Dräckret(Lingen); Rüelk (Glandorf).

Einjährig. Wurzel spindelförmig. Stengel dünn, hin- und hergebogen oder (rechts)windend, kantig-gefurcht, körnig-rauh, bis 1 m lang, oft rot werdend. Tuten kurz, kahl.Laubblätter gestielt, körnig-rauh, im Umriss rundlich bis länglich-eiförmig, zugespitzt, amGrunde buchtig-herzförmig oder pfeilförmig, mit dreieckigen, zugespitzten Lappen. Blütenzu 2 bis 6 in den Blattachseln oder in armblütigen, endständigen Scheinähren. Blütenstielewenig unterhalb des Perianths gegliedert (Taf. 94, Fig. 3a), kürzer als die 2 bis 2,5 mmlange Blütenhülle. Perianth grün, am Rande und innen weisslich, glatt, ungeflügelt, die3 äussern am Rande stumpfkantig. Früchte 4 bis 5 mm lang, 3-seitig, schwarz, glanzlos,körnig-feingestreift, von der Blütenhülle dicht umschlossen (Fig. 535 d, e). VII bis X.

Häufig auf Stoppelfeldern, Aeckern, bebautem Boden, in Weinbergen, Gebüschen,auf Dünen; von der Ebene bis in die Voralpen (vereinzelt bis ca. 2000 m).

Allgemeine Verbreitung: Europa (fehlt im Norden), gemässigtes Asien,Nordamerika.

Aendert wenig ab: var. subalätum Lej. et Court. (= P. pterocärpum Froel.). Aeussere 3 Perianth-blätter deutlich gekielt oder schmal geflügelt, in den Stiel nicht oder nur kurz verschmälert. f. sangui'neumBeck. Ganze Pflanze blutrot. f. pusillum (Kit.) Beck. Pflanze winzig klein bis fingerlang, oft blutrotüberlaufen, mit nur wenigen gipfelständigen Blüten (Hie und da an sonnigen, unfruchtbaren Stellen).

P. Convölvulus ist wohl als Archaeophyt anzusehen, d. h. als eine Pflanze, welche erst seit prä-historischer Zeit als Unkraut auftritt. Heute erscheint sie ziemlich häufig auf Stoppelfeldern, Aeckern,Kartoffelfeldern, nicht selten in Begleitung von Anagallis arvensis, Viola tricolor, Linaria vulgaris, Scleranthusannuus, Thlaspi arvense, Mentha arvensis, Galeopsis Ladanum, Convölvulus arvensis, Cirsium arvense, Anthemisarvensis, Brunella vulgaris, Daucus Carota, Stellaria media, Raphanus Raphanistrum, Capsella Bursa pastoris,Polygonum Persicaria und Hydropiper etc. Diesen Unkräutern gesellen sich auf quarzhaltigem Boden gernhinzu: Agrostis Spica venti (Bd. I, pag. 228), Spergularia rubra, Spergula arvensis, Papaver Argemone,Rumex Acetosella, Gypsophila muralis etc. Gelegentlich wurde P. Convölvulus (wie nr. 846) auch schon alsUeberpflanze auf Weiden beobachtet. Die kleinen, wenig auffälligen Blüten werden nur selten von Insektenbesucht. Selbstbestäubung ist deshalb die Regel. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Früchte durchAmeisen verbreitet werden. An den Blattstielen befinden sich grubenförmige (extranuptiale) Nektarien. Dertengel windet nach rechts, jedoch nur während der Mitte des Sommers.

ö46. Polygonum dumetorum L. (= P. alätum Dulac, = Fagopyrum dumetorum

re , ~ F. membranaceum Moench). Hecken- Knöterich. Franz.: Grande vrillee;

engl.: Copse oder Hedge buckwheat. Fig. 535a, b, c.

Einjährig, 2 bis 3 m hoch. Wurzel spindelförmig. Stengel glatt, kantig, wie die

ganze Pflanze kahl, rechts windend. Laubblätter kahl, gestielt, am Grunde buchtig-

lerzforrmg oder pfeilförmig, mit abgerundeten oder 3-eckigen Lappen, lang zugespitzt.

Blütenstiele ungefähr so lang als das Perianth, etwas unter der Mitte gegliedert (Fig. 535 b).

Bluten zu 2 bis 5 fo den Blattachseln oder in lockeren endständigen Trauben. Staub-

l ) Ut. convölvulus «Winde; vgl. dies!